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Exxon Mobil trotzt dem Iran-Krieg, Equinor plant Kanadas erstes Tiefseeprojekt

Exxon Mobil übertrifft Erwartungen trotz geopolitischer Verwerfungen. Equinor treibt Kanadas erstes Tiefsee-Ölfeld voran.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Exxon mit bereinigtem Gewinn über Prognose
  • Equinor vergibt FEED-Verträge für Bay du Nord
  • Uranium Energy startet Produktion in Texas
  • Energy Fuels setzt auf Seltene Erden

Die Quartalssaison im Energiesektor fördert ein zweigeteiltes Bild zutage: Während die Hormus-Krise Ölmultis wie Exxon Mobil und OMV milliardenschwere Einmaleffekte beschert, treiben die Uranproduzenten Uranium Energy und Energy Fuels ihre Kapazitäten in einem politisch gestützten Markt voran. Mittendrin setzt Equinor mit einem Zwölf-Milliarden-Dollar-Projekt ein Zeichen für langfristiges Wachstum.

Geopolitik als Preistreiber — und Ergebnisverzerrer

Die Schließung der Straße von Hormus infolge des US-israelischen Konflikts mit dem Iran hat den Ölpreis über die 110-Dollar-Marke katapultiert. Für die integrierten Ölkonzerne wirkte dieser Schock in zwei Richtungen: Höhere realisierte Preise schoben die Upstream-Erlöse an, doch Lieferunterbrechungen und Derivate-Timing-Effekte fraßen einen Teil der Gewinne wieder auf.

Im Uransektor gelten andere Gesetze. Dort sorgen die Ausbauprogramme der Trump-Administration für Kernenergie und ein strukturelles Angebotsdefizit für Rückenwind — unabhängig vom Ölpreis.

Exxon Mobil: Bereinigter Gewinn schlägt Erwartungen

Exxon Mobil lieferte das meistbeachtete Zahlenwerk der Woche. Bereinigt verdiente der Konzern 1,16 Dollar je Aktie — deutlich über der Konsensschätzung von 1,00 Dollar. Die Schlagzeile darunter las sich weniger glanzvoll: Der Nettogewinn schrumpfte auf 4,2 Milliarden Dollar, nach 7,7 Milliarden im Vorjahr.

Verantwortlich für die Diskrepanz war vor allem ein 706-Millionen-Dollar-Verlust auf Finanzabsicherungen, die durch ausbleibende physische Lieferungen nicht gegengerechnet werden konnten. Hinzu kamen 3,9 Milliarden Dollar an ungünstigen Timing-Effekten bei Derivaten. Das Management erwartet, dass sich diese Effekte in den Folgequartalen auflösen.

Operativ glänzte der Konzern trotzdem:

  • Guyana lieferte Rekordproduktion
  • Permian Basin steigerte den Ausstoß im Jahresvergleich
  • Golden Pass verzeichnete im März die erste LNG-Produktion; der dritte Produktionszug soll die US-LNG-Exporte um rund 15 % steigern
  • Aktionärsrückflüsse summierten sich auf 9,2 Milliarden Dollar, davon 4,9 Milliarden über Aktienrückkäufe

Die Quartalsdividende wurde auf 1,03 Dollar je Aktie festgesetzt. Scotiabank hob das Kursziel auf 163 Dollar an und behielt die Outperform-Einstufung. Trotz der positiven bereinigten Zahlen schloss die Aktie die Woche bei 131,58 Euro — rund 12 % unter dem 52-Wochen-Hoch. Anleger preisen offensichtlich ein, dass die geopolitischen Risiken noch nicht eingehegt sind.

OMV: Cashflow-Überraschung trotz Nettogewinn-Enttäuschung

Auch Österreichs OMV navigierte das volatile Quartal besser als befürchtet — zumindest auf operativer Ebene. Das bereinigte CCS-Betriebsergebnis lag mit 1,03 Milliarden Euro zwei Prozent über dem Konsens. Die eigentliche Überraschung steckte im Cashflow: 1,62 Milliarden Euro operative Mittelzuflüsse übertrafen die Erwartung von 1,03 Milliarden um satte 57 %.

Beim bereinigten CCS-Nettoergebnis verfehlte OMV die Marktschätzung allerdings um 19 %. Höhere Finanzierungskosten und Minderheitenanteile drückten das Ergebnis auf 323 Millionen Euro.

Die Konzernführung reagierte mit einer doppelten Guidance-Anpassung: Der erwartete Brent-Durchschnittspreis für 2026 wurde auf 85 bis 95 Dollar je Barrel angehoben — unter der Annahme, dass die Straße von Hormus bis Ende Juni wieder offen ist. Gleichzeitig senkte OMV die Produktionsprognose auf 280.000 bis 290.000 Barrel Öläquivalent pro Tag, zuvor hatte man knapp 300.000 angepeilt.

Strategisch markierte das Quartal einen Meilenstein: Die Gründung von Borouge International als 50/50-Joint-Venture mit XRG vereint die Borealis- und NOVA-Chemicals-Assets von OMV mit den Borouge-Aktivitäten des Partners. Das Management prognostiziert einen EBITDA-Anstieg von durchschnittlich 4,5 Milliarden auf über 7 Milliarden Dollar über den Zyklus hinweg. JP Morgan hob das Kursziel auf 60 Euro an, doch die Mehrheit der Analysten bleibt skeptisch — fünf von neun empfehlen den Verkauf. Bei 60,70 Euro zum Wochenschluss notiert die Aktie gut 25 % über ihrem Jahresstartwert.

Equinor: Kanadas erstes Tiefsee-Ölprojekt nimmt Gestalt an

Equinor setzte in dieser Woche nicht auf Quartalszahlen, sondern auf Projektfortschritt. Der norwegische Konzern vergab die FEED-Verträge (Front-End Engineering and Design) für das Bay-du-Nord-Tiefseeprojekt vor der Küste Neufundlands. Subsea Integration Alliance übernimmt die Planung der Unterwasser-Architektur, BW Offshore entwirft das schwimmende Produktions- und Lagerschiff und stellt es bereit.

Das auf 12 Milliarden Dollar veranschlagte Vorhaben wäre Kanadas erstes Tiefwasser-Ölprojekt — rund 500 Kilometer vor der Küste, in einem der anspruchsvollsten Fördergebiete der Welt. Nach einer Pause im Jahr 2023 wurde Bay du Nord im Januar 2025 reaktiviert. Die FEED-Phase läuft voraussichtlich bis Jahresende, eine finale Investitionsentscheidung wird für 2027 erwartet.

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Am Aktienmarkt wurde der Fortschritt honoriert. Equinor gewann am 29. April über vier Prozent an einem einzigen Tag. Zum Wochenschluss notierte das Papier bei 34,65 Euro — ein Plus von gut 8 % innerhalb einer Woche. Seit Jahresbeginn summiert sich das Plus auf knapp 66 %. Der RSI von 80,5 signalisiert allerdings eine technisch überkaufte Lage.

Am 5. Mai stehen Equinors Q1-Zahlen an. Sie werden zeigen, wie stark die erhöhten Ölpreise die Upstream-Erträge beflügelt haben.

Uranium Energy: Burke Hollow startet — ein Jahrzehnt nach der letzten US-Uranmine

Uranium Energy hat mit der Produktionsaufnahme im texanischen Burke Hollow eine Wegmarke gesetzt. Die Genehmigung der texanischen Umweltbehörde TCEQ machte das Projekt zur weltweit neuesten ISR-Uranmine (In-situ-Recovery) und zur ersten neuen US-ISR-Anlage seit über einem Jahrzehnt.

Das Ausmaß ist beachtlich: Erst rund die Hälfte des 20.000 Acres umfassenden Areals ist exploriert. Die Verarbeitung läuft über die Hobson-Zentralanlage, die für bis zu vier Millionen Pfund Uran jährlich lizenziert ist. Zusammen mit dem ebenfalls aktiven Christensen-Ranch-Betrieb in Wyoming ist UEC der einzige US-Produzent mit zwei laufenden ISR-Plattformen.

Die Aktie reagierte nach der Ankündigung Anfang April mit einem Kurssprung von neun Prozent und einer Marktkapitalisierung von sieben Milliarden Dollar in New York. Am Freitag legte das Papier um weitere 10,26 % auf 12,68 Euro in Frankfurt zu. Fünf Analysten vergeben im Schnitt ein „Strong Buy“ mit einem Zwölfmonats-Kursziel von 18,95 Dollar — H.C. Wainwright sieht sogar 26,75 Dollar.

Neben der Uranproduktion baut UEC über seine Tochter United States Uranium Refining & Conversion Corp auch Raffinations- und Konversionskapazitäten im Inland auf. Das Ludeman-ISR-Projekt soll 2027 hinzukommen.

Energy Fuels: Seltene Erden als zweites Standbein

Energy Fuels bewegt sich in einem Spannungsfeld. Technisch notiert die Aktie komfortabel über ihren gleitenden Durchschnitten und schloss am Freitag mit einem Tagesgewinn von über 10 % bei 18,46 Euro in Frankfurt. Im Zwölf-Monats-Vergleich steht ein Plus von mehr als 350 %. Fundamental drücken jedoch rückläufige Erlöse — ein Umsatzrückgang von 15,6 % — und ein GAAP-Verlust von 0,09 Dollar je Aktie auf die Stimmung.

Die strategische Antwort: Diversifikation. Im März meldete das Unternehmen die erste US-Primärproduktion von „schwerem“ Seltenerd-Material seit Jahrzehnten — einen Terbiumoxid-Durchbruch in der White Mesa Mill. Damit positioniert sich Energy Fuels als breit aufgestellter Rohstoffproduzent mit Uran, Seltenen Erden, Mineralsanden, Vanadium und medizinischen Isotopen.

Im April wurde Ross R. Bhappu als neuer CEO eingesetzt, begleitet von einer Erneuerung des Verwaltungsrats. Goldman Sachs stufte die Aktie bereits im Februar auf „Strong Buy“ hoch. Sechs Analysten sehen ein medianes Kursziel von 27,25 Dollar, mit einer Bandbreite bis 34,00 Dollar nach oben. Die Q1-Zahlen werden am 7. Mai veröffentlicht — ein Termin, der Aufschluss über den Fortschritt der Seltenerd-Kommerzialisierung und die Uranbestandsstrategie geben dürfte.

Energiesektor zwischen Kriegsprämie und Strukturwandel

Der Mai beginnt mit einer klaren Trennlinie im Sektor. Für die Ölmultis dreht sich alles um eine zentrale Frage: Lösen sich die Einmaleffekte des ersten Quartals im zweiten Quartal auf — oder verlängert eine andauernde Hormus-Blockade die Verzerrungen? Exxon Mobils Management rechnet mit ein bis zwei Monaten Verzögerung nach einer etwaigen Wiedereröffnung.

Equinors Bay-du-Nord-Fortschritt ist dagegen ein Signal auf der Langfristachse — eine Investitionsentscheidung steht frühestens 2027 an. OMVs Borouge-Joint-Venture zielt in eine ähnliche Richtung: weg von reiner Förderung, hin zu höherwertiger Petrochemie.

Im Uransektor bleibt die strukturelle These intakt. Politischer Rückenwind, wachsende Kernenergienachfrage und ein angebotsverknappter Markt stützen die Mittelfristperspektive für Uranium Energy und Energy Fuels — auch wenn die kurzfristigen Umsatzzahlen noch Geduld erfordern.

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Dr. Robert Sasse

Dr. Robert Sasse ist promovierter Ökonom und Unternehmer mit umfassender Expertise in Finanzmärkten und Wirtschaftstheorie. Seine akademische Ausbildung verbindet er mit praktischer Unternehmenserfahrung, um fundierte Analysen zu langfristigen Anlagestrategien zu liefern.

Als Verfechter einer marktwirtschaftlichen Ordnung fokussiert sich Dr. Sasse auf die Vermittlung von Strategien für nachhaltigen Vermögensaufbau durch Aktieninvestments. Seine wissenschaftlich fundierten Beiträge auf stock-world.de richten sich an Anleger, die eigenverantwortliche, informierte Entscheidungen für ihre finanzielle Zukunft treffen möchten.

Dr. Sasse spezialisiert sich auf die verständliche Aufbereitung komplexer ökonomischer Zusammenhänge und die praktische Anwendung von Investmentstrategien für die Altersvorsorge. Sein Ansatz kombiniert theoretisches Wissen mit klarem Praxisbezug, um Lesern Orientierung in einem dynamischen Marktumfeld zu bieten.

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