Evotec kämpft darum, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen — und die nächsten Wochen werden zeigen, ob das gelingt. Mit den Q1-Zahlen im Mai und der Hauptversammlung im Juni stehen zwei Termine an, die den Kurs nachhaltig prägen können.
Kurslage: Erholt, aber fragil
Auf Wochensicht verlor die Aktie rund fünf Prozent und schloss bei 5,35 Euro. Der 30-Tage-Blick zeichnet ein anderes Bild: Plus 22 Prozent seit dem 52-Wochen-Tief von 4,14 Euro im März. Das Papier notiert oberhalb des 50-Tage-Durchschnitts, kämpft aber noch mit dem 200-Tage-Durchschnitt bei 5,83 Euro — rund acht Prozent über dem aktuellen Kurs.
Die Analystenspanne illustriert das Dilemma. RBC bleibt mit Kursziel 10 Euro bei „Outperform“ und sieht verborgene Werte im Unternehmen. Die Deutsche Bank hingegen setzt das Ziel bei 4,50 Euro — unter dem aktuellen Kursniveau. Selten liegen zwei Einschätzungen so weit auseinander.
Gilead-Zahlung und Horizon-Programm
Der konkreteste Kurstreiber für das laufende Quartal ist der Tubulis-Deal. Evotec erwartet rund 100 Millionen Dollar Vorauszahlung aus dem Verkauf seines Anteils an Tubulis an Gilead Sciences, plus bis zu 58 Millionen Dollar Meilensteinzahlungen. Der Abschluss ist für Q2 2026 geplant.
Parallel läuft das Restrukturierungsprogramm „Horizon“. Evotec will das Standortnetzwerk auf zehn Standorte verkleinern und bis zu 800 Stellen abbauen — mit angestrebten Kosteneinsparungen von rund 75 Millionen Euro jährlich ab Ende 2027. Die Restrukturierungskosten belaufen sich auf rund 100 Millionen Euro in bar über drei Jahre.
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Für 2026 erwartet das Unternehmen Erlöse zwischen 700 und 780 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA könnte auf null bis 40 Millionen Euro sinken. Evotec selbst bezeichnet das Jahr ausdrücklich als Übergangsjahr — operative Verbesserungen erwartet der Vorstand erst ab der zweiten Jahreshälfte.
Hauptversammlung bringt neue Führung
Am 11. Juni tagt die ordentliche Hauptversammlung in Hamburg. Auf der Tagesordnung steht die Wahl von Dieter Weinand als neuem Aufsichtsratsvorsitzenden. Weinand war unter anderem Vorstandsmitglied der Bayer AG und leitete zuvor regionale Geschäfte für Pfizer, Bristol Myers Squibb und Sanofi. Seine Nominierung signalisiert einen Fokus auf kommerzielle Stärke und strategische Partnerschaften.
Das zweite Halbjahr 2026 wird zur Bewährungsprobe: Dann muss das Horizon-Programm erstmals in den Zahlen sichtbar werden — und die Gilead-Zahlung muss wie angekündigt fließen. Die Q1-Zahlen im Mai liefern den ersten Zwischenstand, ob Evotec diesen Zeitplan hält.
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