Vier Monate nach der letzten Zielsetzung wirft Evotec seine eigene Jahresprognose über den Haufen. Was am späten Montagabend als Mitteilung kam, sorgte am Dienstag für einen der schärfsten Kurseinbrüche der jüngeren SDax-Geschichte. Der Wirkstoff-Entwickler rutschte im frühen Handel zeitweise um bis zu 36 Prozent ab und markierte damit den tiefsten Stand seit 2016.
Am späten Vormittag lag das Minus noch bei rund 29 Prozent, die Aktie notierte bei 3,51 Euro. Damit ist Evotec dort angekommen, wo der Kurs zwischen 2002 und 2016 über Jahre hinweg seitwärts dümpelte – bevor 2021 noch ein Hoch bei 45,83 Euro erreicht wurde.
Warum die Prognose kippt
Evotec rechnet für 2026 nur noch mit einem Umsatz zwischen 570 und 610 Millionen Euro. Bislang stand eine Spanne von 700 bis 780 Millionen Euro im Raum. Beim bereinigten Ebitda dreht sich das Bild noch deutlicher: Statt eines Gewinns zwischen null und 40 Millionen Euro erwartet der Konzern nun einen Verlust zwischen 70 und 105 Millionen Euro.
Die Gründe liegen fast vollständig in der Vertragslogik des Unternehmens. Rund 40 Prozent der Lücke entstehen, weil Meilensteinzahlungen aus bestehenden Partnerschaften sich zeitlich verschieben und erst 2027 verbucht werden. Etwa 45 Prozent gehen auf geringere Beiträge aus erhofften neuen strategischen Partnerschaften zurück, der Rest auf eine schwächere Umsatzrealisierung als kalkuliert.
Auch das bereits abgelaufene erste Halbjahr blieb hinter den Erwartungen zurück: 300,1 Millionen Euro Umsatz und ein Ebitda von minus 42,7 Millionen Euro verfehlten die Analystenschätzungen.
Analysten sprechen von schwerem Vertrauensverlust
Jefferies-Analyst Charles Weston bezeichnete die Nachricht als „eine weitere erhebliche Gewinnwarnung“. Zwar gebe es durchaus positive Ansätze im Geschäft, doch dem Unternehmen dürfte es schwerfallen, den Markt davon zu überzeugen. Um Vertrauen zurückzugewinnen, müsse Evotec seine finanzielle Transparenz beschleunigt verbessern – mit konsistenteren Kennzahlen und detaillierter unterlegten Prognosen.
Deutsche-Bank-Analyst Fynn Scherzler äußerte sich ähnlich kritisch. Er verwies darauf, dass die Warnung nur vier Monate nach Veröffentlichung der ursprünglichen Prognose kommt und in ihrem Ausmaß überraschend ausfällt. Evotec sei zu abhängig von einer begrenzten Zahl großer Verträge, was den lange erhofften Weg zur operativen Erholung nun zusätzlich infrage stelle.
Im laufenden Jahr hat die Aktie bereits rund ein Drittel an Wert verloren, auf Zwölfmonatssicht etwa die Hälfte. Ob die im Ausblick genannten Meilensteinzahlungen tatsächlich 2027 realisiert werden, dürfte zum zentralen Prüfstein für das Vertrauen der Anleger in die neue Prognose werden.
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