Evotec steht vor einer der wichtigsten Wochen des Jahres — und die Agenda reicht weit über die übliche Hauptversammlung hinaus. Aktivistischer Investorendruck, eine laufende strategische Prüfung mit zwei Investmentbanken und ein laufendes Restrukturierungsprogramm verdichten sich gerade zu einem ungewöhnlich dichten Entscheidungsmoment.
HV am 11. Juni: Mehr als Formalitäten
Am 11. Juni 2026 trifft sich Evotec zur ordentlichen Hauptversammlung. Auf der Tagesordnung stehen Aufsichtsratswahlen, ein neues Vergütungssystem und ein Performance Share Plan 2026. Dieter Weinand soll den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen, das Gremium wächst von sechs auf sieben Mitglieder.
Der neue Performance Share Plan soll den bisherigen perspektivisch ablösen. Evotec beantragt eine Ermächtigung für Awards auf bis zu 10 Millionen Stammaktien — bei rund 178 Millionen Aktien entspricht das potenziellen 5,6 Prozent des Grundkapitals.
US-Fonds MAK Capital hält rund sieben Prozent und erhöht den Druck: Er will die US-Tochter Just – Evotec Biologics eigenständig an die Börse bringen. Wie das Management auf diese Forderung reagiert, dürfte eine der meistbeachteten Fragen des Tages werden.
Strategische Prüfung ohne Zeitplan
Parallel läuft ein Prozess, der die Aktie mittelfristig stärker prägen könnte als die HV selbst. Evotec hat eine umfassende Prüfung strategischer Optionen eingeleitet — Portfolio, Kapitalstruktur, Eigentümerstruktur. Morgan Stanley und Moelis & Company begleiten den Prozess als Berater.
Bislang wurde keine Entscheidung getroffen, und es gibt keinen Zeitplan. Genau das nährt Spekulationen über Partnerschaften, Teilverkäufe oder andere strukturelle Schritte. Das Ergebnis dieser Prüfung könnte letztlich mehr Kursrelevanz entfalten als jede kurzfristige Quartalszahl.
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Horizon drückt Q1, Prognose bleibt
Im ersten Quartal 2026 fiel der Konzernumsatz um 21,7 Prozent auf 156,6 Millionen Euro. Ursachen: eine außerordentliche Sandoz-Lizenzzahlung im Vorjahresquartal sowie schwache Märkte für frühe Wirkstoffforschung. Eine Restrukturierungsrückstellung von 75 Millionen Euro im Rahmen des Programms „Project Horizon“ trieb den operativen Verlust auf 121,4 Millionen Euro.
Trotzdem hält das Management an der Jahresprognose fest: 700 bis 780 Millionen Euro Umsatz, bereinigtes EBITDA zwischen 0 und 40 Millionen Euro. Horizon umfasst den Abbau von rund 800 Stellen und die Schließung von vier Standorten weltweit. Die ersten Personalanpassungen in Europa sind ab dem dritten Quartal geplant.
Etwas strukturellen Rückenwind liefert die geplante MDAX-Rückkehr im Juni: Sie verbreitert den Kreis institutioneller Käufer und erhöht die Sichtbarkeit bei ETFs — kein Ersatz für operative Fortschritte, aber kein unwichtiges Signal.
Die Aktie schloss die Woche bei 5,25 Euro, ein Plus von gut drei Prozent am Freitag. Auf Jahressicht liegt das Minus bei rund 23 Prozent, der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt noch etwa sieben Prozent nach unten.
Im August legt Evotec den Halbjahresbericht vor — dann muss das Unternehmen zeigen, ob Horizon im operativen Geschäft ankommt und die Prognose trägt.
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