Während Evotec mit sinkenden Umsätzen kämpft, hat der Göttinger Wirkstoffentwickler seine Liquiditätsbasis zuletzt spürbar gestärkt. Im Zentrum stehen eine Wandelanleihe über 116,1 Millionen Euro sowie rund 100 Millionen Dollar aus dem Verkauf der Tubulis-Beteiligung. Beide Maßnahmen wurden im Jahresverlauf 2026 umgesetzt und verschaffen dem Unternehmen finanziellen Spielraum, während das operative Geschäft schrumpft.
Zum Ende des ersten Halbjahrs verfügte Evotec über liquide Mittel von 465,6 Millionen Euro. Diese Reserve dürfte entscheidend sein, um das laufende Sparprogramm Horizon durchzuziehen, ohne die Kapitalstruktur weiter zu belasten. Das Programm soll bis Ende 2027 jährliche Einsparungen von 75 Millionen Euro bringen, für das laufende Jahr sind 20 bis 30 Prozent dieses Effekts eingeplant.
Hamburger Laborgebäude belastet Bilanz massiv
Der Preis für die Umstrukturierung zeigt sich deutlich in den Zahlen: Im ersten Halbjahr fielen Reorganisationskosten von 98,9 Millionen Euro an. Allein 42,3 Millionen Euro davon entfallen auf eine Wertberichtigung des Hamburger Laborgebäudes. Diese Einmalbelastung erklärt einen erheblichen Teil des operativen Verlusts und zeigt, wie tief die Kapazitätsanpassungen in die Substanz des Unternehmens eingreifen.
Trotz des schrumpfenden Gesamtumsatzes gibt es im Kerngeschäft Discovery & Preclinical Development (D&PD) einen Lichtblick: Ohne strategische Partnerschaften herausgerechnet, wuchsen die Nettoverkäufe in diesem Segment im ersten Halbjahr um mehr als 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das deutet darauf hin, dass die Basisnachfrage nach Evotecs Forschungsdienstleistungen intakt bleibt, auch wenn große Partnerschaftsverträge derzeit fehlen oder auslaufen.
Almirall-Kooperation liefert frühen Meilenstein
Auf der Partnerschaftsseite kann Evotec einen konkreten Fortschritt vorweisen: Im Mai nominierten Evotec und Almirall gemeinsam den ersten präklinischen Entwicklungskandidaten aus ihrer Kooperation im Bereich medizinischer Dermatologie.
Der Weg von der Zielidentifikation bis zum Kandidaten gelang laut Unternehmensangaben in nur zwei Jahren – ein Tempo, das Evotec als Beleg für die Leistungsfähigkeit seiner Plattform anführt. Solche frühen Meilensteine sind für Anleger wichtig, weil sie zeigen, dass die Kooperationspipeline trotz der schwierigen Finanzlage weiterläuft.
Für die Aktie selbst bleibt das Bild angespannt. Am Freitag schloss das Papier bei 3,37 Euro, nur 5,5 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 3,19 Euro, das erst im Juli markiert wurde. Seit Jahresbeginn steht ein Kursverlust von 38 Prozent zu Buche. Die Finanzierungsmaßnahmen der vergangenen Monate haben zwar die Bilanz gestärkt, für eine nachhaltige Trendwende am Aktienmarkt hat das bislang jedoch nicht gereicht.
Anleger dürften nun genau beobachten, ob sich die Fortschritte im Kerngeschäft und bei den Kooperationen in den kommenden Quartalen weiter verstetigen – und ob die aufgebaute Liquiditätsreserve ausreicht, um das Transformationsprogramm ohne weitere Kapitalmaßnahmen zu Ende zu bringen. Der nächste Blick auf die Zahlen folgt mit dem Quartalsbericht zum dritten Quartal 2026.
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