Im Übernahmekonflikt um Evonik geht es nicht allein um den Preis. Der Vorstand setzt auf Eigenständigkeit, während BASF für einen Zusammenschluss wirbt. Für Anleger stehen damit unterschiedliche strategische Wege gegeneinander. Der entscheidende Unterschied: Evonik hat keine Übernahmeverhandlungen aufgenommen. Der angebotene vertrauliche Informationsaustausch ist deshalb nicht mit einer Annäherung an einen Verkauf gleichzusetzen.
Preis und Verhandlungsbereitschaft sind getrennte Fragen
BASF hatte das Angebot vor gut einer Woche erhöht. Nach Angaben des Handelsblatts belief sich die verbesserte Offerte auf 24 Euro je Aktie beziehungsweise rund 11,2 Milliarden Euro. Auch diesen Vorschlag wies Evonik zurück.
Die bereits erklärte Absage unterstreicht, dass ein höherer Angebotspreis allein die unterschiedlichen Positionen nicht zusammenführt. Evonik bekräftigte den Fokus auf Eigenständigkeit. Zugleich ließ der Vorstand einen rein informativen und vertraulichen Austausch zu. Damit besteht Bereitschaft zum Gespräch, aber ausdrücklich keine Zustimmung zu Übernahmeverhandlungen.
BASF reagierte am Freitag laut Reuters mit Unverständnis auf die Entscheidung. Das Unternehmen verwies neben dem nachgebesserten Angebot auf Zusagen für Beschäftigte und Standorte. Diese Zusagen gehören damit zur Argumentation des Bieters; eine Zustimmung Evoniks begründen sie nicht.
Für Aktionäre bleibt diese Trennung wesentlich. Ein Angebotspreis ist kein gesicherter Verkaufserlös. Der Schlusskurs vom Freitag lag mit 21,06 € unter der genannten Offerte. Daraus lässt sich jedoch weder eine spätere Einigung noch deren Wahrscheinlichkeit ableiten.
Eigenständigkeit betrifft auch die Konzernstruktur
Wie weit die unterschiedlichen Vorstellungen reichen, zeigt die Evonik-Tochter Syneqt. Ihr Geschäftsführungssprecher betonte am Dienstag laut Reuters den Wunsch nach Eigenständigkeit. BASF hatte zuvor erklärt, die Chemieparks gegebenenfalls selbst betreiben zu können.
Damit berührt der Konflikt auch die künftige Aufstellung einzelner Unternehmensteile. Die Aussagen zu Syneqt zeigen unterschiedliche Vorstellungen über deren Zukunft. Sie sind jedoch keine Vereinbarung über einen Betrieb durch BASF.
Daneben steht eine mögliche eigene Transaktion Evoniks im Raum. Reuters berichtete am 22. Oktober unter Berufung auf zwei Insider über die Prüfung einer Übernahme des US-Konkurrenten Ashland. Evonik äußerte sich dazu nicht.
Dieser Bericht ist deshalb nicht als beschlossene Alternative zur BASF-Offerte zu behandeln. Für Anleger bleibt der belastbare Ausgangspunkt die erklärte Eigenständigkeit. Weder der vertrauliche Austausch mit BASF noch die berichtete Ashland-Prüfung belegen bereits einen vereinbarten nächsten Transaktionsschritt.
Stand heute, 1. November: Evonik – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in Evonik investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 1. November gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.
