Bei einer möglichen Übernahme von Evonik durch BASF entscheidet nicht allein der Preis. Im Mittelpunkt stehen heute die Haltung der RAG-Stiftung und Zusagen für Beschäftigte und Standorte. Die Stiftung hält rund 43 % der Evonik-Aktien und ist damit der zentrale Akteur im Übernahmepoker. Ein höherer Kaufpreis bedeutet deshalb noch keinen Durchbruch.
Die Stiftung hat das entscheidende Gewicht
Wie die Süddeutsche Zeitung heute berichtet, entscheidet letztlich Evoniks Haupteigentümer über den Erfolg des Vorstoßes. Evonik hatte die niedrigere Offerte im September zurückgewiesen und ist bislang nicht zu Gesprächen über einen Zusammenschluss bereit. Offizielle Gespräche gibt es weiterhin nicht.
Den finanziellen Rahmen beschreiben heute Berichte von dpa und dpa-AFX unter Berufung auf mit der Transaktion vertraute Personen. Demnach bietet BASF etwa 24 Euro je Aktie beziehungsweise gut 11 Milliarden Euro insgesamt. Zuvor hatte bereits Bloomberg berichtet.
Für Anleger ist die Unterscheidung zwischen einem berichteten Angebot und einem vereinbarten Zusammenschluss entscheidend. Die höhere Offerte beseitigt die offene Frage nach der Gesprächsbereitschaft nicht. Ebenso wenig ersetzt sie die Zustimmung des Haupteigentümers. Die Übernahme bleibt damit eine Möglichkeit, kein feststehendes Ergebnis.
BASF wirbt mit Beschäftigungszusagen
BASF-Chef Markus Kamieth versucht zugleich, Bedenken von Politik und Beschäftigten auszuräumen. In einer am Donnerstag veröffentlichten Videobotschaft versprach er, bei einer Evonik-Übernahme bis 2032 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Tarifverträge und Mitbestimmung sollten bestehen bleiben.
Diese Zusagen betreffen die Bedingungen eines möglichen Zusammenschlusses, nicht nur dessen Kaufpreis. Für die Bewertung des Vorstoßes stehen damit neben der finanziellen Gegenleistung auch die Folgen für Belegschaft und Standorte im Raum. Die Versprechen gelten für den Fall einer Übernahme; sie sind kein Beleg für eine bereits erzielte Einigung.
Chemieparks gehören zur Standortfrage
BASF hält nach eigener Einschätzung auch einen Weiterbetrieb der Chemieparks Marl und Wesseling für möglich. Der zum Verkauf stehende Betreiber Syneqt beschäftigt rund 3.500 Menschen. Außerdem soll Essen beziehungsweise Nordrhein-Westfalen mindestens eine Vorstandsfunktion behalten.
Damit reicht das Werben über allgemeine Beschäftigungsgarantien hinaus. Es umfasst auch die künftige Präsenz an Standorten und den möglichen Fortbetrieb der Chemieparks. Eine endgültige Entscheidung über deren Zukunft ist damit allerdings nicht verbunden.
Für Evonik-Anleger liegt der entscheidende Punkt deshalb bei der Verhandlungsbasis: Preis, Beschäftigungsschutz und Standortzusagen müssen die maßgeblichen Beteiligten überzeugen. Solange Evonik nicht zu Gesprächen bereit ist, bleibt zwischen BASFs Werben und einem möglichen Abschluss eine wesentliche Hürde bestehen.
Stand heute, 25. Oktober: Evonik – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in Evonik investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 25. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.
