Das Kuratorium der RAG-Stiftung hat sich am Freitag in einer Online-Sitzung über das Übernahmeinteresse des Ludwigshafener Chemiekonzerns BASF an Evonik unterrichten lassen. Wie das Handelsblatt unter Berufung auf informierte Kreise berichtete, verzichtete das Gremium auf ein klares Bekenntnis zum Verbleib der Beteiligung.
Stattdessen vertrete die Stiftung die Position, dass BASF und Evonik zunächst bilateral verhandeln sollten. Offiziell blieben die Inhalte und Beschlüsse des Treffens vertraulich.
Die Haltung des größten Anteilseigners gilt als ausschlaggebend für die Zukunft des Essener Spezialchemiekonzerns. Die RAG-Stiftung hatte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters bereits Ende September bestätigt, dass ihre Satzung eine Reduzierung der Beteiligung bis hin zu einem vollständigen Verkauf erlaubt, sofern das Kuratorium zustimmt.
Laut der Nachrichtenagentur dpa-AFX war ein erstes BASF-Angebot zuvor abgelehnt worden. Evonik hatte vor rund zwei Wochen eine unverbindliche Ansprache zu einem freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebot bestätigt und zugleich erklärt, dass zu diesem Zeitpunkt keine Gespräche stattfanden.
Marktreaktion und Kursentwicklung
An der Börse sorgte die Zurückhaltung der Stiftung für anhaltenden Auftrieb. Die Evonik-Aktie legte am Freitag um 1,7 Prozent zu und ging bei 21,42 Euro aus dem Handel. Im Tagesverlauf erreichte das Papier mit 21,62 Euro zudem ein neues 52-Wochen-Hoch.
Auch von Analystenseite gab es zuletzt Anpassungen mit Blick auf die Übernahmefantasie. Analyst Sebastian Bray vom Bankhaus Berenberg stufte das Papier am 5. Oktober von „Sell“ auf „Hold“ hoch und hob das Kursziel von 15,50 Euro auf 20,00 Euro an. Das Übernahmeinteresse durch BASF könne der Aktie nach unten eine Stütze bieten, so die Begründung des Analysehauses.
Widerstand aus Politik und Gewerkschaft
Gleichzeitig formiert sich politischer und gewerkschaftlicher Gegenwind gegen einen möglichen Zusammenschluss. Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Gewerkschaft IG BCE, stellte in einem Schreiben an die Betriebsräte beider Konzerne einen Komplettverkauf des Evonik-Pakets durch die Stiftung offen infrage.
Medienberichten zufolge forderte er Aufklärung darüber, wie ein solcher Schritt mit der bisherigen Linie der Stiftung vereinbar wäre. Zudem brachte die SPD-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag den Vorschlag ein, eine direkte Beteiligung des Landes NRW zu prüfen.
Klarheit über das operative Geschäft des Spezialchemiekonzerns erwarten Anleger Anfang nächsten Monats. Evonik plant die Veröffentlichung der Zahlen für das dritte Quartal 2026 für den 3. November. Bis dahin dürfte vor allem die Frage im Fokus stehen, ob BASF eine nachgebesserte Offerte vorlegt.
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