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Evonik Aktie: Die Buchprüfung entscheidet!

BASF hat ein erstes Gebot von 22,15 Euro je Aktie abgegeben; weitere Gespräche und eine mögliche Erhöhung sind noch offen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Evonik wies BASFs erstes Gebot zurück
  • BASF knüpft Aufstockung an Buchprüfung
  • Analysten nennen Kursziele um 20 Euro
  • Quartalsmitteilung für den 3. November angekündigt

Kursgewinne nach erster Offerte stellen Investoren vor Richtungsentscheidung

Der Übernahmepoker um Evonik hat den Spezialchemiekonzern an den Kapitalmärkten in das Zentrum des Interesses gerückt. Nach der Zurückweisung eines ersten unverbindlichen Angebots von BASF in Höhe von 22,15 Euro je Aktie als zu niedrig steht für Anleger nun eine Weichenstellung an: Halten oder Gewinne mitnehmen? Das Wertpapier notiert bei 21,00 Euro und hat in den vergangenen Monaten eine deutliche Neubewertung vollzogen.

Die Ausgangslage ist anspruchsvoll. Evonik hatte den Eingang der ersten unverbindlichen Offerte für sämtliche Aktien am 25. September bestätigt, zugleich aber erklärt, dass zu diesem Zeitpunkt keine Gespräche stattfanden.

Die jüngsten Signale aus Ludwigshafen deuten jedoch darauf hin, dass die Übernahmepläne nicht ad acta gelegt sind. Für Anleger stellt sich damit die Frage, ob der Markt die Chancen auf einen erfolgreichen Deal bereits voll einpreist oder ob eine weitere Prämie winkt.

Bucheinsicht und Aufschlag als Dreh- und Angelpunkt der Verhandlungen

Der zentrale Hebel für den weiteren Kursverlauf liegt in der Frage, ob das Evonik-Management dem Ludwigshafener Rivalen Zugang zu den Geschäftsbüchern gewährt. Medienberichten zufolge unter Berufung auf vertraute Kreise knüpft BASF eine mögliche Erhöhung des Angebots zwingend an eine vorherige Buchprüfung. Ohne Einblick in die Bücher erscheint ein substanzieller Nachschlag aus Sicht des Kaufinteressenten kaum vertretbar.

Parallel dazu kommt der Rolle der RAG-Stiftung als größter Anteilseignerin entscheidende Bedeutung zu. Das Kuratorium der Stiftung ließ sich über das Interesse von BASF informieren, lehnte eine Festlegung jedoch ab und verwies die Konzerne auf bilaterale Verhandlungen.

Das Handelsblatt berichtete, dass Investoren und Analysten am Markt mit einem möglichen Kaufpreis von rund 25 Euro je Evonik-Aktie rechnen. Ob BASF diese Lücke zwischen dem ersten Gebot und den Markterwartungen tatsächlich schließen will, entscheidet sich erst, wenn beide Seiten offiziell in Gespräche eintreten.

Nachbesserung in Richtung Markterwartung eröffnet weiteres Aufwärtspotenzial

Sollte es zu einer Annäherung beider Konzerne kommen, besitzt die Aktie spürbaren Spielraum nach oben. Ein offiziell nachgebessertes Angebot, das sich den im Markt kursierenden Erwartungen von 25 Euro annähert, würde Anlegern ausgehend vom aktuellen Kursniveau einen deutlichen Aufschlag bieten.

Zusätzlichen Rückhalt für ein solches Szenario liefern Zugeständnisse, die BASF laut Reuters im Vorfeld signalisiert hat. Demnach sei der DAX-Konzern bereit, bestehende Standort- und Beschäftigungsgarantien von Evonik vertraglich abzusichern, womit betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland bis 2032 ausgeschlossen blieben.

Derartige Zusagen könnten den politischen und gewerkschaftlichen Widerstand dämpfen und dem Evonik-Vorstand die Tür öffnen, Verhandlungen und eine Due Diligence aufzunehmen. Tritt dieser Fall ein, dürfte die Übernahmeprämie den Kurs zügig nach oben treiben.

Abbruch der Gespräche birgt erhebliche Bewertungsrisiken

Auf der anderen Seite ist das Rückschlagsrisiko beträchtlich, falls die Gespräche scheitern oder Evonik die Buchprüfung dauerhaft verweigert. Seit Jahresanfang legte die Aktie um 57 Prozent zu, womit ein Großteil des jüngsten Kursanstiegs direkt auf der M&A-Fantasie beruht. Zieht sich BASF mangels Kooperationsbereitschaft zurück, droht die Übernahmeprämie schlagartig aus dem Kurs zu weichen.

Analystenhäuser mahnen vor diesem Hintergrund bereits zur Besonnenheit. Das Analysehaus Berenberg stufte das Papier am 5. Oktober von „Sell“ auf „Hold“ herauf und passte das Kursziel auf 20 Euro an. Am 6. Oktober votierte auch Parmantier & Cie. mit „Hold“ bei einem Ziel von 20,50 Euro.

Beide Zielmarken spiegeln das fundamentale Niveau wider, das viele Experten ohne eine Transaktion als angemessen erachten. Bricht das Übernahmeszenario weg, müsste sich der Kurs wieder an der operativen Ertragskraft messen lassen.

Übernahmeofferte stützt die Notierung vor den Quartalszahlen

Solange die Aussicht auf eine nachgebesserte Offerte besteht, dürfte sich das Papier in der Nähe des 52-Wochen-Hochs von 21,84 Euro behaupten. Sollte der Dialog jedoch ergebnislos enden oder die RAG-Stiftung ihr Veto einlegen, droht ein rascher Rückfall in Richtung der fundamentalen Kursziele um 20 Euro.

Als nächster konkreter Katalysator fungiert die Vorlage der Quartalsmitteilung zum dritten Quartal 2026, die Evonik für den 3. November angekündigt hat. Anleger erhalten an diesem Termin die Gelegenheit zu prüfen, wie robust sich das operative Geschäft tatsächlich entwickelt. Bis dahin wird der Kurs maßgeblich davon abhängen, ob BASF und Evonik den Schritt an den Verhandlungstisch wagen.

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