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Evonik Aktie: Bietet BASF nach?

Evonik wies BASFs unverbindlichen Preisvorschlag zurück; eine höhere Offerte und die Quartalszahlen könnten den weiteren Kursverlauf beeinflussen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • BASF-Offerte von 22,15 Euro zurückgewiesen
  • DZ Bank hebt fairen Wert auf 22 Euro
  • Evonik plant Abbau von 3.200 Stellen
  • Quartalsbericht erscheint am 3. November

Machtkampf um die künftige Konzernkontrolle spitzt sich zu

Der Essener Spezialchemiekonzern steht an einer entscheidenden Wegmarke. Nachdem Evonik eine unverbindliche Offerte von BASF über rund 22,15 Euro je Aktie als zu niedrig zurückgewiesen hat, wie Reuters unter Berufung auf Insider meldete, sortiert sich das Aktionariat neu.

Gleichzeitig herrscht zwischen beiden Konzernen offizieller Stillstand: Evonik hatte zuvor bestätigt, dass derzeit keine Gespräche geführt werden.

Für Anleger spitzt sich die Lage dennoch zu. Mit einem Schlusskurs von 20,60 Euro am gestrigen Donnerstag notiert der Titel nur knapp unter dem tagsüber erreichten 52-Wochen-Hoch von 20,64 Euro. Der Markt preist damit bereits einen erheblichen Teil der Übernahmefantasie ein, seit Jahresanfang beläuft sich das Kursplus auf 54 Prozent. Investoren müssen daher abwägen, ob sie aufgelaufene Gewinne sichern oder auf eine aufgestockte Offerte setzen.

Der Bewertungspreis wird zur Nagelprobe für ein Nachbessern

Die zentrale Frage dreht sich nun um den Preis, bei dem das Evonik-Management und die RAG-Stiftung gesprächsbereit wären. Die abgewiesene Offerte von 22,15 Euro lag nur rund acht Prozent über dem aktuellen Kursniveau. Die Analysten der DZ Bank reagierten am 28. September auf die Gemengelage und hoben ihren fairen Wert für die Aktie von 21 auf 22 Euro an, verbunden mit einer Kaufempfehlung.

Branchenkreisen zufolge genügt dieses Niveau den Verantwortlichen in Essen nicht, um die Eigenständigkeit aufzugeben. BASF wiederum, die vor rund zwei Wochen Sondierungen mit Evonik und der RAG-Stiftung bestätigt hatte, muss entscheiden, wie viel finanziellen Spielraum sie für den Zukauf nutzen will.

Jeder zusätzliche Euro je Aktie würde das Transaktionsvolumen um Hunderte Millionen Euro verteuern. Sollte BASF nicht nachlegen, droht der Übernahmeprämie die argumentative Basis zu entgleiten.

Aufstockung der Offerte eröffnet weiteres Kurspotenzial

Im optimistischen Szenario erhöht BASF den Druck und bessert die Offerte substanziell nach. Ein formelles und finanziell nachgebessertes Angebot könnte die Verhandlungen erzwingen. Ein Gebot deutlich oberhalb der Marke von 22,15 Euro würde dem Papier weiteren Auftrieb verleihen.

Zugleich stützt die operative Neuausrichtung dieses Szenario. Evonik treibt das Effizienzprogramm „Evonik Tailor Made“ voran, dessen zweite Phase von 2027 bis 2029 umgesetzt werden soll. Weltweit sollen dabei 3.200 Stellen wegfallen, davon rund 2.150 in Deutschland.

Flankiert wird der Umbau durch geplante Desinvestitionen: Evonik beabsichtigt, sich von Unternehmensteilen wie Oxeno und Syneqt zu trennen. Gelingt es dem Management, den Wert dieser Schritte glaubhaft vorzurechnen, steigt der Preis, den ein Bieter für das Gesamtpaket zahlen müsste.

Scheitern der Gespräche birgt spürbare Korrekturgefahren

Im pessimistischen Szenario bricht BASF die Bemühungen ab und zieht sich ohne neues Angebot zurück. Da Evonik die erste Offerte bereits abgewiesen hat und formelle Verhandlungen derzeit fehlen, ist ein Abbruch des Pokers ein realistisches Risiko. Die Chemieindustrie leidet unter strukturellem Kostendruck, weshalb BASF diszipliniert auf die eigene Bilanz achten muss.

Zieht sich der Kaufinteressent zurück, stünde Evonik wieder allein da. In diesem Fall müsste die Aktie ohne M&A-Prämie bewertet werden. Der Kurs könnte rasch auf fundamentale Bewertungsmaßstäbe zurückfallen.

Zudem birgt der geplante Abbau Tausender Arbeitsplätze Umsetzungsrisiken und Restrukturierungskosten, während der Verkauf der Sparten Oxeno und Syneqt vom Marktumfeld abhängt. Investoren, die allein wegen einer schnellen Übernahme eingestiegen sind, könnten dann rasch den Ausstieg suchen.

Quartalszahlen werden zum nächsten Härtetest für den Kurs

Solange die Marke von 20 Euro hält, bleibt die Spekulation auf ein zweites BASF-Angebot intakt und stützt das Kursniveau. Kippt die Übernahmefantasie jedoch durch einen endgültigen Rückzug der Ludwigshafener, droht der Aktie ein Rücksetzer in Richtung der mittelfristigen Durchschnittslinien.

Der nächste konkrete Termin steht bereits im Kalender: Am 3. November veröffentlicht Evonik die Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2026. An diesem Tag muss das Unternehmen belegen, wie widerstandsfähig das operative Geschäft im laufenden Umbau tatsächlich ist. Bis dahin bleibt der Kurs primär an die Nachrichten aus den Vorstandsetagen beider Chemiekonzerne gekoppelt.

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