Startseite » Chemie » Evonik Aktie: Aufsichtsrat berät über Nachbesserung
Symbolbild, KI-generiert

Evonik Aktie: Aufsichtsrat berät über Nachbesserung

Ein besseres BASF-Angebot könnte Evonik Auftrieb geben; Streit um Preis oder Zustimmung der Stiftung gefährdet die Übernahmeprämie.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Erstes BASF-Gebot über zehn Milliarden Euro abgelehnt
  • RAG-Stiftung spielt Schlüsselrolle beim möglichen Verkauf
  • Evonik-Aktie seit Jahresbeginn 59 Prozent im Plus
  • Quartalsmitteilung für den 3. November angekündigt

Die Spekulation auf ein nachgebessertes Gebot verdichtet sich

Anleger bei Evonik stehen vor einer heiklen Weichenstellung. Medienberichten zufolge könnte BASF bereit sein, eine höhere Offerte für den Spezialchemiekonzern vorzulegen, sollten weiterführende Gespräche zustande kommen. Zuvor hatte Evonik laut einem Bericht des Handelsblatts einen ersten Vorstoß im Volumen von rund zehn Milliarden Euro zurückgewiesen und für die eigene Unabhängigkeit geworben.

Am heutigen Freitag richten sich die Blicke auf interne Beratungen. Laut Reuters sollte ein Ausschuss des BASF-Aufsichtsrats über die Situation beraten. Gleichzeitig tagt das Kuratorium der RAG-Stiftung, die als Großaktionärin eine Schlüsselrolle einnimmt.

Die Aktie notiert aktuell bei 21,24 Euro und bewegt sich damit dicht unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 21,52 Euro. Nach einer deutlichen Erholung spiegelt der Kurs bereits erhebliche M&A-Fantasie wider. Für Investoren stellt sich daher die Frage, ob sich das Halten der Papiere angesichts der Verhandlungsrisiken noch auszahlt.

Preisschild und Großaktionär bestimmen das weitere Schicksal

Der zentrale Faktor für die kommenden Wochen ist die Verkaufsbereitschaft der RAG-Stiftung. Ohne die Zustimmung der Stiftung ist ein Zusammenschluss nicht denkbar. Evonik pocht auf seine Eigenständigkeit, doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen setzen das Management unter Zugzwang.

Entscheidend wird sein, ob BASF bereit ist, den bisherigen Richtwert von zehn Milliarden Euro spürbar nachzubessern. Erst ein formelles und finanziell überzeugendes Angebot dürfte die Stiftung zu einer Kursänderung bewegen.

Parallel dazu spielt das operative Umfeld eine wesentliche Rolle. Die Ertragslage in Kernbereichen wie dem Methioningeschäft bestimmt die fundamentale Untergrenze der Bewertung. Sollten sich die Preiszyklen eintrüben, verringert sich auch der Spielraum des Managements, ein lukratives Angebot dauerhaft abzuwehren.

Höhere Offerte verspricht zusätzliche Bewertungsaufschläge

Im positiven Szenario nimmt die Konsolidierung in der deutschen Chemieindustrie konkrete Formen an. Sollte BASF nach den heutigen Beratungen ein aufgestocktes Gebot vorlegen, dürfte dies der Aktie weiteren Schub verleihen. Eine offizielle Offerte mit spürbarem Aufschlag würde die Übernahmeprämie im Markt fest verankern.

Analyst Sebastian Bray von der Privatbank Berenberg stufte die Aktie am 5. Oktober von „Sell“ auf „Hold“ hoch und hob das Kursziel auf 20 Euro an. Er begründete dies mit dem Übernahmeinteresse, das eine Kursuntergrenze bilden könne, selbst falls die Methioninpreise nachgeben sollten.

Kommt es zu einer formellen Annäherung der Konzerne, könnte sich die Bewertungsspanne nach oben öffnen. Für Anleger entstünde in diesem Fall die Chance auf zusätzliche Kursgewinne, getrieben durch Bieterfantasie oder Nachbesserungen im Übernahmeprozess.

Rückzug der Interessenten droht Bewertungsprämie aufzulösen

Dem Aufwärtspotenzial steht ein handfestes Abwärtsrisiko gegenüber. Scheitern die Annäherungsversuche an den Differenzen über den Kaufpreis oder am Widerstand der Belegschaft, droht ein jäher Stimmungswechsel. Gewerkschaftschef Michael Vassiliadis und Vorstand Alexander Bercht von der IG BCE stellten in einem Schreiben vom 7. Oktober an die Betriebsräte einen vollständigen Verkauf des Aktienpakets durch die Stiftung infrage.

Seit Jahresanfang hat die Aktie bereits um 59 Prozent zugelegt. Ein beträchtlicher Teil dieser Entwicklung beruht auf der Hoffnung auf einen Deal. Ziehen sich die Ludwigshafener ohne Einigung zurück, würde diese Prämie schlagartig entfallen.

In einem solchen Szenario fiele der Fokus vollständig auf das zyklische Chemiegeschäft zurück. Ohne das Übernahmeszenario müsste sich der Spezialchemiekonzern wieder an den rein operativen Kennzahlen messen lassen. Dies könnte zu deutlichen Kursverlusten führen.

Warten auf Signale vor den anstehenden Quartalszahlen

Für die Positionierung kommt es nun auf klare Signale der Hauptakteure an. Solange Spekulationen über eine nachgebesserte BASF-Offerte den Kurs stützen, bleibt das Chance-Risiko-Verhältnis nach oben geneigt. Kippen die Gespräche jedoch oder beendet BASF die Sondierungen ohne Angebot, droht eine scharfe Korrektur in Richtung der früheren Bewertungsniveaus.

Anleger sollten die nächsten Tage genau beobachten, ob aus den Beratungen der RAG-Stiftung und von BASF konkrete Schritte hervorgehen.

Der nächste feste fundamentale Katalysator steht ebenfalls bereits fest. Am 3. November 2026 veröffentlicht Evonik die Quartalsmitteilung für das dritte Quartal 2026. Spätestens dann wird sich zeigen, wie robust die eigenen Geschäfte ohne externe Übernahmefantasie das aktuelle Bewertungsniveau stützen können.

Anzeige

Stand heute, 9. Oktober: Evonik – Kaufen, halten oder verkaufen?

Wer in Evonik investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 9. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.

Evonik: Gratis-Analyse (PDF) öffnen …

Diskussion zu Evonik

Redaktion Kapitalmarktexperten

Unter „Redaktion Kapitalmarktexperten“ erscheinen Beiträge, die mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt werden. Themenauswahl, Quellen und die redaktionellen Regeln verantwortet die Redaktion; verantwortlich im Sinne des § 18 Abs. 2 MStV ist Dr. Robert Sasse. Hinweise und Korrekturen: kapitalmarktexperten.de/korrekturen/