22 Jahre im Orbit, dann der letzte Befehl: Am 12. April schickte Eutelsat seinen Satelliten Eutelsat 139 West A in die Graveyard-Umlaufbahn. Das Ende eines Veteranen — und ein Symbol für den Umbau, den der Pariser Satellitenbetreiber gerade durchläuft.
Ein Pionier geht in Rente
Der 2004 gestartete Satellit war bei seinem Launch der leistungsstärkste in der Eutelsat-Flotte und der erste Eurostar-3000-Satellit überhaupt im Orbit. Gebaut von Astrium — dem späteren Airbus-Rüstungsarm — setzte er als erster GEO-Satellit auf Lithium-Ionen-Batterien, die heute Industriestandard sind. Ausgelegt auf zwölf Jahre Betrieb, hielt er fast doppelt so lange durch.
Daniel Kroboth, Vice President Satellite Operations bei Eutelsat, kommentierte die Außerdienststellung so: „Einen GEO-Satelliten mehr als 22 Jahre mit so herausragender Verfügbarkeit zu betreiben, ist kein Zufall. Das spricht direkt für das Können und den Einsatz unserer Betriebsteams.“
LEO-Demonstration auf der NAB Show
Während der alte GEO-Satellit seinen Ruheplatz antritt, zeigt Eutelsat auf der NAB Show 2026 in Las Vegas — die noch bis zum 22. April läuft — was die Zukunft bringen soll. Gemeinsam mit Dejero, Clear-Com, GlobalM, Matrox Video und Ross Video demonstriert das Unternehmen eine durchgehende Live-Signalkette über mehrere Messestände hinweg. Kern der Demonstration: die OneWeb-LEO-Konstellation als Rückgrat für Echtzeit-Broadcast-Produktion, kombiniert mit Mobilfunkverbindungen zu einem redundanten Netzwerk.
Das passt zum Zahlenwerk. Im abgelaufenen Geschäftsjahr stiegen die LEO-Segmenterlöse um knapp 60 Prozent, was die Konnektivitätsumsätze insgesamt um fast zwölf Prozent nach oben trieb. Die Nettoschulden sanken auf 1,3 Milliarden Euro. Das Management hält an seiner Prognose fest: 50 Prozent LEO-Umsatzwachstum für das laufende Jahr, bei einer angestrebten Nettoverschuldung von rund dem 2,7-Fachen des EBITDA zum Jahresende.
Wettbewerb verschärft sich
Der Markt, in dem Eutelsat diese Transformation vollzieht, wird enger. Amazon hat die Übernahme des Satellitenbetreibers Globalstar für rund 11,6 Milliarden Dollar vereinbart — ein klares Signal, dass der Konzern den Wettbewerb mit SpaceX und dessen Starlink-Netzwerk direkt aufnehmen will. Nach den Fusionen von Viasat mit Inmarsat, Eutelsat mit OneWeb und SES mit Intelsat ist das der nächste große Konsolidierungsschritt in der Branche.
Für Eutelsat kommt erschwerend hinzu, dass globale Startkapazitäten knapp sind. Neben der eigenen geplanten Erweiterung um 440 Next-Generation-Satelliten konkurrieren Projekte wie Telesat Lightspeed und das europäische IRIS2-Programm um dieselben Trägerraketen — was den Ausbau der LEO-Flotte verlangsamen könnte.
Die Eutelsat-Aktie spiegelt die widersprüchliche Lage wider: Seit Jahresbeginn hat sie rund 64 Prozent zugelegt und notiert aktuell bei 2,94 Euro — liegt damit aber noch gut 35 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 4,55 Euro. Der RSI von 4,3 deutet auf eine technisch stark überkaufte Situation hin, nachdem der Kurs allein in den vergangenen 30 Tagen um über 40 Prozent gestiegen ist.
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