European Lithium hat eine turbulente Woche hinter sich. Die bindende Fusionsvereinbarung mit Critical Metals ist unterschrieben, die australische Börsenaufsicht ermittelt wegen möglicher Verstöße gegen Offenlegungspflichten — und in Grönland steht eine entscheidende Betriebsgenehmigung aus, ohne die das geplante Probenahmeprogramm im Juni platzt.
Fusion besiegelt, Bewertung steht
Am 18. Mai 2026 unterzeichneten European Lithium und die Nasdaq-gelistete Critical Metals Corp. den bindenden Fusionsvertrag. Critical Metals übernimmt damit das Tanbreez-Seltenerdprojekt in Grönland vollständig. Die Transaktion bewertet das kombinierte Unternehmen mit rund 835 Millionen US-Dollar.
Aktionäre von European Lithium erhalten 0,035 Critical-Metals-Aktien je gehaltener Aktie — das entspricht einem Wert von 0,58 australischen Dollar pro European-Lithium-Aktie. Das bedeutet eine Prämie von knapp 40 Prozent auf den Kurs von 0,415 Dollar, zu dem die Aktie vor der Handelssuspendierung notierte.
Die Hauptversammlungen zur Abstimmung sind für August oder September 2026 angesetzt. Anschließend muss ein australisches Gericht die Fusion genehmigen.
ASX-Untersuchung und Interessenkonflikt
Die australische Börsenaufsicht ASX hat eine formelle Untersuchung eingeleitet. Im Raum steht der Verdacht, European Lithium könnte gegen seine Offenlegungspflichten verstoßen haben. Eine öffentliche Stellungnahme des Unternehmens steht aus.
Hinzu kommt ein struktureller Interessenkonflikt. Tony Sage ist gleichzeitig Chief Executive von Critical Metals und Executive Chairman von European Lithium. Um die Interessen der Minderheitsaktionäre zu wahren, wurde ein unabhängiges Komitee eingesetzt, das die Transaktion prüft.
Kurs konsolidiert nahe Jahreshoch
Am 28. Mai 2026 schloss die Aktie bei 0,445 australischen Dollar, nach 0,460 Dollar am Vortag. Die Tagesspanne lag zwischen 0,445 und 0,465 Dollar. Die 52-Wochen-Spanne reicht von 0,039 bis 0,490 Dollar.
Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 220 Prozent zu Buche, im laufenden Monat beträgt das Plus 10,77 Prozent. Nach Unterzeichnung der Fusion kam es zu Gewinnmitnahmen — ein typisches Muster bei Deals mit offenem Vollzugsrisiko.
Grönland: Juni-Deadline für Pilotanlage
Die Regierung in Nuuk hat der Übertragung der Tanbreez-Anteile an Critical Metals zugestimmt. Eine entscheidende Betriebsgenehmigung für die Pilotanlage in Qaqortoq fehlt allerdings noch. Ohne sie muss die für Juni geplante Probenentnahme gestrichen werden.
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Metallurgische Tests im März, überwacht von Professor Tony Tang und bestätigt durch das Nagrom-Labor in Perth, erzielten einen Konzentratgrad von 2,96 Prozent. Die Rückgewinnungsrate lag für alle acht Zielelemente der Seltenen Erden bei über 85 Prozent — eine Verbesserung von rund 40 Prozent gegenüber historischen Testergebnissen aus dem Jahr 2016.
Eine 150-Tonnen-Probe aus der Pilotanlage soll im Juni an potenzielle Abnehmer in der EU, den USA und Saudi-Arabien verschifft werden. Die US-Exportbank hat Interesse an einer Finanzierung von bis zu 120 Millionen US-Dollar signalisiert, um westliche Lieferketten unabhängig von China aufzubauen. China kontrolliert derzeit etwa 90 Prozent der globalen Verarbeitung Seltener Erden.
Wolfsberg: Gericht kippt Genehmigung
In Österreich hat das Bundesverwaltungsgericht eine zentrale Genehmigung für das Wolfsberg-Lithiumprojekt aufgehoben. Das Urteil annulliert eine frühere Entscheidung der Kärntner Landesregierung, die Wolfsberg unter einem vereinfachten Umweltregime zugelassen hatte.
Die finale Investitionsentscheidung wurde auf Ende 2026 verschoben. Die Abnahmevereinbarung mit BMW bleibt bestehen, der Zeitplan für Europas Batterielieferkette gerät jedoch unter Druck.
Das Projekt soll Spodumenkonzentrat für eine geplante Lithiumhydroxid-Raffinerie in Saudi-Arabien liefern, die gemeinsam mit der Obeikan Investment Group und dem Ingenieurbüro Hatch entwickelt wird. Die Jahreskapazität liegt bei bis zu 20.000 Tonnen batterietauglichem Lithiumhydroxid.
Drei parallele Baustellen
European Lithium arbeitet derzeit an drei Fronten: Abschluss der Fusion, Sicherung der Grönland-Genehmigung, Stabilisierung der Liquidität. Der Markt beobachtet alle drei Stränge genau, bevor er die Aktie vollständig neu bewertet.
Die Rahmenbedingungen sind günstig. Die Preise für batterietaugliches Lithiumkarbonat haben sich im ersten Quartal 2026 nahezu verdoppelt und liegen bei über 26.000 US-Dollar pro Tonne.
Ob die Grönland-Genehmigung vor Ablauf des Juni-Zeitfensters eintrifft, wird die unmittelbarste Bewährungsprobe für die Umsetzungsfähigkeit des Unternehmens — und ein wichtiges Signal für Aktionäre vor der Abstimmung im dritten Quartal.
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