European Lithium sitzt auf einem prall gefüllten Konto. Trotzdem verliert die Aktie seit Wochen an Wert. Diese Diskrepanz zwischen Bilanz und Börse treibt Anleger derzeit um.
Fast 300 Millionen Dollar in der Kasse
Zum 30. Juni 2026 wies European Lithium eine Kassenposition von 296,3 Millionen US-Dollar aus. Der Großteil davon stammt aus dem Verkauf von Anteilen an Critical Metals Corp. Mit dem Nasdaq-notierten Partner fusioniert European Lithium derzeit.
Noch ein Jahr zuvor sah die Lage anders aus. Zum 30. Juni 2025 verzeichnete das Unternehmen einen Verlust nach Steuern von 96,8 Millionen australischen Dollar und hielt gerade einmal 20 Millionen australische Dollar an liquiden Mitteln. Der Umschwung kam durch den Verkauf von Critical-Metals-Aktien: Rund 357,4 Millionen australische Dollar an Erlösen flossen dadurch in die Kasse. Zum 15. Juni 2026 standen etwa 293,5 Millionen australische Dollar Cash einer verschwindend geringen kurzfristigen Verbindlichkeit von rund 0,3 Millionen australischen Dollar gegenüber.
An der Beteiligung selbst hält European Lithium weiterhin fest. Das Unternehmen besitzt noch 45.536.338 Aktien an Critical Metals.
Grönland treibt das Projekt voran
Im vergangenen Quartal genehmigte die Regierung Grönlands die Übertragung der restlichen 50,5 Prozent am Tanbreez-Seltene-Erden-Projekt an Critical Metals. Die Beteiligung von Critical Metals steigt damit auf 92,5 Prozent. Parallel dazu startete der Bau einer Mehrzweckanlage mit Lager, Vor-Ort-Labor und Pilotwerk in Qaqortoq im Süden Grönlands.
Critical Metals legte zudem einen mit 30 Millionen US-Dollar ausgestatteten Beschleunigungsplan auf. Das Geld fließt in Bohrungen, Probenahmen und die Beauftragung lokaler Dienstleister. Der Schritt unterstreicht das Tempo, mit dem der Konzern seine Rohstoffprojekte vorantreiben will.
In Österreich bleibt European Lithium ebenfalls aktiv. Die Projekte Bretstein-Lachtal, Klementkogel und Wildbachgraben gelten als strategischer Exploration-Schwerpunkt. Geologisch ähneln sie dem Wolfsberg-Lithium-Projekt. Erste Kartierungen im Rahmen der Due Diligence fanden mehrere spodumenhaltige Pegmatitkörper mit Lithiumoxid-Gehalten von bis zu 3,98 Prozent.
Rechtsstreit in der Ukraine
Nicht alle Nachrichten fielen positiv aus. Die Tochtergesellschaft European Lithium Ukraine LLC bemüht sich um Sonderlizenzen für den Lithiumabbau an den Standorten Shevchenkivske und Dobra.
Am 12. Januar 2026 vergab die ukrainische Regierung das Dobra-Projekt an einen anderen Bieter. European Lithium hält sein eigenes Angebot für überlegen und hat rechtliche Schritte in der Ukraine eingeleitet, um seine Ansprüche durchzusetzen. Der Ausgang des Verfahrens ist offen und liegt nun bei den Gerichten.
Aktie fällt trotz solider Bilanz
An der Börse zeigt sich ein anderes Bild als in der Bilanz. Die Aktie schloss am Freitag bei 0,1552 Euro, ein Tagesplus von 1,97 Prozent. Auf Monatssicht steht dennoch ein Minus von 33,82 Prozent zu Buche, und zum 52-Wochen-Hoch von 0,3055 Euro vom 2. Juni fehlen fast die Hälfte des Wertes.
Der Relative-Stärke-Index von 32,1 signalisiert eine Annäherung an überverkauftes Terrain. Auf Zwölfmonatssicht bleibt die Aktie mit einem Plus von 276,70 Prozent jedoch weit im grünen Bereich — ein Erbe der Neubewertung, die mit der Ankündigung der Fusion mit Critical Metals Anfang des Jahres einsetzte.
Fusion bleibt zentrales Thema
Die frischen Quartalszahlen erscheinen in einer entscheidenden Phase. European Lithium und Critical Metals arbeiten weiter an der vollständigen Verschmelzung ihrer Lithium- und Seltene-Erden-Projekte unter einem gemeinsamen, Nasdaq-notierten Dach. Die üppige Kassenposition stärkt dabei die Verhandlungsposition von European Lithium und verschafft finanziellen Spielraum, während noch behördliche und aktionärsseitige Genehmigungen ausstehen.
In den kommenden Wochen richtet sich der Blick auf drei Punkte: die Verwendung der Kassenreserven, den Ausgang des Rechtsstreits um das Dobra-Projekt in der Ukraine und den weiteren Zeitplan der Fusion mit Critical Metals.
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