Europäische Staatsanleihen trotzen den Bonitätssorgen um Frankreichs Haushalt. Trotz einer Warnung der Ratingagentur Fitch stiegen am Montag die Notierungen französischer Staatstitel, während auch deutsche Bundesanleihen Gewinne verzeichneten. Ein deutlicher Rückgang der Ölpreise dämpft die Inflationserwartungen der Investoren und überdeckt die finanzpolitischen Bedenken in Paris.
Hinter den fallenden Energiepreisen steht eine diplomatische Annäherung im Nahen Osten. US-Präsident Donald Trump will im Konflikt mit dem Iran vorerst auf Verhandlungen setzen, und auch aus Teheran kamen Signale für Gesprächsbereitschaft. Geringere Energiekosten nehmen Druck von den Verbraucherpreisen im Euroraum, was festverzinslichen Wertpapieren in der Regel Auftrieb verleiht.
Der richtungweisende Euro-Bund-Future stieg um 0,22 Prozent auf 122,70 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe sank im Gegenzug auf 3,29 Prozent. In Deutschland profitierten die Anleihekurse allerdings nur verhalten von den gesunkenen Rohstoffnotierungen.
Frankreichs Bonitätsausblick auf Negativ gesenkt
Anleihen aus Frankreich verbuchten dagegen deutlichere Kursgewinne, wodurch deren Renditen spürbar nachgaben. Am Markt verpuffte damit die Entscheidung von Fitch vom späten Freitagabend. Die Ratingagentur hatte den Ausblick für die französische Bonitätsnote von „A+“ auf negativ herabgestuft.
Die Herabstufung begründete Fitch mit einer Verschlechterung der Rahmenbedingungen seit August 2026. Schwächeres Wachstum, steigende Finanzierungskosten und ein größeres Staatsdefizit belasten die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Anhaltende politische Fragmentierung sowie ein schwieriges soziales Umfeld erschweren eine nachhaltige Haushaltskonsolidierung zusätzlich. Anleger griffen zu Wochenbeginn dennoch beherzt zu.
Industrie der Eurozone stützt die Stimmung
Rückenwind erhielten die Märkte von der Konjunkturseite. Die Stimmung in den Industrieunternehmen des Euroraums kühlte sich im Oktober weniger ab als zunächst ermittelt. Der entsprechende Einkaufsmanagerindex fiel um 0,2 Punkte auf 52,7 Zähler.
Damit hält sich der Stimmungsindikator weiterhin im Wachstumsbereich, nachdem er im September den höchsten Stand seit Mai 2022 erreicht hatte. Trotz des leichten Rückschlags befindet sich die Industrie der Eurozone in der besten Expansionsphase seit über vier Jahren. Nachlassende Teuerungsrisiken und eine robuste Industrieproduktion wiegen für die Rentenmärkte derzeit schwerer als die Bonitätsrisiken in Paris.
