Die US-Wähler haben die Machtverhältnisse in Washington überraschend gekippt. Nach der Niederlage der Republikaner bei den Kongresswahlen geriet der US-Dollar am Mittwoch gegenüber allen wichtigen Währungen unter Verkaufsdruck. Der Euro nutzte die Gunst der Stunde und setzte seine Erholung fort – angetrieben von der politischen Wende in den USA und neuen Zinssignalen aus Europa.
Umschwung im Kongress dämpft Dollar-Optimismus
In einer deutlichen Abrechnung mit der Politik von Präsident Donald Trump übertrugen die Wähler den Demokraten die Kontrolle über beide Parlamentskammern. Der Verlust der republikanischen Mehrheiten im Abgeordnetenhaus und im Senat galt noch vor wenigen Monaten als kaum wahrscheinlich. Entsprechend unvorbereitet traf das Resultat die Devisenmärkte.
Devisenexperte Volkmar Baur von der Commerzbank sieht den Devisenmarkt vom Wahlausgang überrascht und stellt sich kurzfristig auf weitere Kursverluste beim Dollar ein. Ein wesentlicher Grund liegt in den wirtschaftlichen Folgen des Machtwechsels: Die neue Mehrheitslage könnte hohe Investitionen in Künstliche Intelligenz und den Bau von Rechenzentren ausbremsen. Dieser Investitionsboom bildete in den vergangenen Monaten eine tragende Säule des US-Wachstums und stützte die Währung. Längerfristig dürfte das Ausmaß geringerer Investitionen entscheidend für das Wachstum in den USA werden.
Zinserwartungen stützen die Gemeinschaftswährung
Am Mittwoch kletterte der Euro in der Spitze auf ein Tageshoch von 1,1265 Dollar, nachdem er am Vorabend noch unter 1,12 Dollar gelegen hatte. Im New Yorker Handel notierte die Gemeinschaftswährung zuletzt bei 1,1228 Dollar.
Damit setzt sich die Gegenbewegung am Devisenmarkt fort. Am vergangenen Donnerstag war der Euro noch auf den tiefsten Stand seit Mai 2025 gefallen. Neben den US-Nachrichten sorgt die europäische Geldpolitik für Rückenwind.
Im Oktober stieg die Teuerung im Euroraum auf 4,0 Prozent und markierte den höchsten Stand seit über drei Jahren. Der Wert liegt merklich über dem Ziel der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent. Dieser Preisanstieg erhöht den Handlungsdruck auf die Währungshüter erheblich. Bundesbankpräsident und EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel erklärte dazu, dass eine Zinserhöhung im Dezember sehr wahrscheinlich notwendig sei. Ohne eine deutliche Besserung des Inflationsausblicks führe aus heutiger Sicht kaum ein Weg an diesem Schritt vorbei.
