Ethereum steckt in einer historisch schwierigen Phase und zeigt zugleich erste Stabilisierungssignale. Die Kryptowährung hat nach eigenen Angaben aus der Marktbeobachtung drei rote Quartale in Folge abgeschlossen – mit Verlusten von 28, 29 und 25 Prozent. Ein solcher Verlauf ist in der Geschichte von Ethereum bislang nicht dokumentiert. Parallel dazu deutet sich bei den US-Spot-ETFs eine Trendwende an, während sich institutionelle Treasury-Firmen offenbar zurückziehen.
Vierte Zuflusstag in Folge bei US-Ether-ETFs
Nach Daten von Farside Investors verzeichneten die US-Spot-Ether-ETFs am 22. Juli Nettozuflüsse von 72,7 Millionen US-Dollar – der vierte Tag in Folge mit positivem Saldo. BlackRocks Fonds ETHA steuerte davon 53,5 Millionen Dollar bei, Fidelitys FETH weitere 19,2 Millionen Dollar. Bereits am 21. Juli waren 37,5 Millionen Dollar in die Produkte geflossen, angeführt erneut von ETHA mit 52,8 Millionen Dollar, während FETH an diesem Tag noch 15,3 Millionen Dollar verlor. Laut SoSoValue setzte sich die Dynamik am 23. Juli fort: Die Spot-Ethereum-ETFs zogen 72,64 Millionen Dollar an, wobei ETHA mit 53,47 Millionen Dollar erneut den größten Einzeltageszufluss verbuchte. Über den Zeitraum vom 14. bis 21. Juli summierten sich die Nettozuflüsse in Ether-ETFs auf 196,4 Millionen Dollar. Dieser Wiederanstieg folgt auf eine Phase mit deutlichen Abflüssen, in der laut Farside-Daten allein an einem Handelstag 159,2 Millionen Dollar aus den Produkten abgezogen wurden, angeführt von einem Rückgang bei ETHA um 107,7 Millionen Dollar und bei Grayscales ETHE um 31,7 Millionen Dollar.
BlackRock baut Angebot mit gestaktem ETF aus
BlackRock treibt sein Ethereum-Engagement strukturell weiter voran: Der Vermögensverwalter registrierte den iShares Staked Ethereum Trust ETF im November 2025 in Delaware und tritt damit in Konkurrenz zu REX-Osprey, das im September 2025 mit ESK bereits einen Staking-ETF gestartet hatte, sowie zu Grayscale, das im Oktober Staking-Funktionen freischaltete. Der bestehende ETHA-Fonds kommt kumuliert auf Nettozuflüsse von 13,09 Milliarden Dollar bei einem Nettovermögen von 11,47 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: BlackRocks Bitcoin-Pendant IBIT bringt es auf kumulierte Zuflüsse von 63,12 Milliarden Dollar und ein Vermögen von 72,76 Milliarden Dollar.
Treasury-Firmen ziehen sich zurück
Gegenläufig entwickelt sich das Bild bei den sogenannten Ethereum-Treasury-Unternehmen. Die Analysehäuser von Bitwise warnen, dass die Ether-Käufe dieser Firmen um 81 Prozent eingebrochen sind – von 1,97 Millionen ETH im August auf nur noch 370.000 ETH im November. Bitmine hält demnach mit 3,73 Millionen ETH, umgerechnet rund 13 Milliarden Dollar, mehr als alle übrigen 68 Treasury-Firmen zusammen. Max Shannon von Bitwise bringt die Entwicklung auf den Punkt: „Der Ausstieg ist im Gange.“ Kleineren Treasury-Firmen drohe demnach eine Abwärtsspirale, sollte sich der Trend fortsetzen.
Charttechnik: Erholung von Mehrjahrestiefs
Der aktuelle Kurs von 1.918,17 US-Dollar liegt gut 26,86 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 1.512,07 Dollar, das erst Anfang Juni markiert wurde – ein Zeichen dafür, dass sich die Kryptowährung von ihren Jahrestiefs berappelt hat. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von 11,09 Prozent zu Buche. Gegenüber dem 200-Tage-Durchschnitt notiert Ethereum allerdings weiterhin 11,45 Prozent im Minus, was den längerfristigen Abwärtstrend unterstreicht. Der Analyst MCO Global sieht in der Marktbeobachtung vom 22. Juli eine kritische Zone: Halte sich der Kurs über der Unterstützung bei 1.842 Dollar, seien Anstiege in Richtung 2.045 und 2.226 Dollar möglich. Ein Bruch dieser Marke könnte dagegen Rückgänge bis in den Bereich von 1.763 bis 1.588 Dollar auslösen. Als bullisches Signal gilt in diesem Zusammenhang die Staking-Quote, die zuletzt mit 33,9 Prozent einen Rekordwert erreichte.
Ausblick auf technische Weiterentwicklung
Abseits der Kursbewegung treibt das Ethereum-Ökosystem seine technische Roadmap voran. Für das kommende sogenannte Hegotá-Upgrade, das den vorangegangenen Aktualisierungen Fusaka und Glamsterdam folgt, können Entwickler vom 8. Januar bis 4. Februar Vorschläge im Ethereum-Magicians-Forum einreichen. Zudem setzt das Sicherheitsteam der Ethereum Foundation inzwischen KI-Agenten ein, um Schwachstellen in Code-Repositories und Testnetzwerken vorzufiltern, wobei die finale Entscheidung weiterhin bei menschlichen Prüfern liegt. Consensys-Chef Joe Lubin bezeichnete jüngste Budgetkürzungen und personelle Abgänge bei der Ethereum Foundation nicht als Krise, sondern als notwendige Weiterentwicklung hin zu einer stärker dezentralisierten institutionellen Struktur.
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