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Ethereum und Solana trotzen dem Druck — Cardano am Jahrestief

Ethereum und Solana zeigen sich trotz makroökonomischer Belastungen widerstandsfähig, während Cardano ein neues 52-Wochen-Tief erreicht.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Ethereum-Upgrade Glamsterdam treibt Kurs
  • Solana-ETFs verzeichnen wöchentliche Zuflüsse
  • Cardano erreicht neues Jahrestief bei 0,23 USD
  • Acht Milliarden Dollar Optionen verfallen

Acht Milliarden Dollar an Bitcoin- und Ethereum-Optionen verfallen heute. Gleichzeitig reißt die Serie der Abflüsse aus Spot-Bitcoin-ETFs nicht ab — sieben Handelstage in Folge zogen Anleger Kapital ab. In diesem Spannungsfeld zwischen Optionsverfall, geopolitischen Risiken rund um den Iran und hartnäckiger Inflation zeigen Ethereum und Solana erstaunliche Widerstandskraft. Cardano hingegen rutscht auf ein neues 52-Wochen-Tief.

Der Kryptomarkt bewegt sich Ende Mai 2026 in einer Phase, in der makroökonomische Kräfte den Takt vorgeben. Die enge Korrelation mit dem S&P 500 und Gold verrät: Krypto handelt derzeit als Makro-Asset. Kapital fließt bevorzugt in Bitcoin über ETFs — und vergrößert damit die Liquiditätslücke zu schwächeren Altcoins.

Ethereum: Glamsterdam-Upgrade elektrisiert die Community

Ethereum notiert bei 2.037,95 USD und legt am heutigen Handelstag leicht um 0,76 % zu. Angesichts eines Monatsminus von knapp 11 % ist das kein Befreiungsschlag. Aber es ist ein Zeichen relativer Stärke.

Der Grund für die Stabilität hat einen Namen: Glamsterdam. Die Ethereum Foundation hat bestätigt, dass die Devnets für das nächste große Upgrade aktiv laufen. Tests mit mehreren Client-Konfigurationen zeigen Stabilität beim ePBS-Mechanismus (Enshrined Proposer-Builder Separation). Das Shipping hat höchste Priorität.

Was Glamsterdam konkret bringt:

  • Enshrined Proposer-Builder Separation (ePBS) überarbeitet die Kernarchitektur des Netzwerks grundlegend
  • Block-Level Access Lists (BALs) ermöglichen parallele Transaktionsverarbeitung
  • Skalierungsziel: Layer-1-Durchsatz von bis zu 10.000 Transaktionen pro Sekunde

Für ETH-Investoren markiert das Upgrade einen strategischen Schwenk. Die Erzählung verschiebt sich weg von der L2-zentrischen Skalierung zurück zu einer leistungsfähigen Layer-1-Wertproposition. Ethereum könnte sich damit als führender „World Computer“ neu positionieren.

Institutionelle Signale flankieren diese technische Offensive. JPMorgans tokenisierter Geldmarktfonds JLTXX läuft auf Ethereum und schafft eine neue Nachfragequelle für ETH als Settlement- und Gas-Asset. Parallel verschafft die bevorstehende Aufnahme des ETH-akkumulierenden Unternehmens BitMine in den Russell-1000-Index zusätzliche institutionelle Sichtbarkeit. Ob der heutige Kursanstieg nachhaltig ist, hängt maßgeblich davon ab, wann Glamsterdam auf dem Mainnet landet.

Solana: ETF-Zuflüsse stützen, Goldman-Ausstieg mahnt

Solana hält sich bei 82,81 USD mit einem Tagesplus von 0,62 %. In einem Altcoin-Markt, der seit Jahresbeginn mehr als ein Drittel seines Werts eingebüßt hat, ist das bemerkenswert — auch wenn der Kurs gut 66 % unter seinem 52-Wochen-Hoch liegt.

Zwei Faktoren stützen SOL aktuell. Die On-Chain-Aktivität wächst: KI-Agenten setzen zunehmend SPL-Token auf dem Netzwerk ein, und das 24-Stunden-Volumen von 3,2 Milliarden Dollar untermauert eine solide Liquiditätsbasis. Aus dem ETF-Segment kommt ebenfalls Rückenwind. Spot-Solana-ETFs verzeichneten zuletzt wöchentliche Zuflüsse von 39,23 Millionen Dollar — die höchsten seit Februar.

Die Kehrseite verdient allerdings Beachtung. Goldman Sachs hat seine Solana-ETF-Positionen im ersten Quartal 2026 vollständig aufgelöst. Damit fehlt ein bedeutender institutioneller Käufer. Solana reagiert zudem empfindlich auf Bitcoin-Verkaufswellen — geopolitisch bedingte Krypto-Rückgänge treffen SOL regelmäßig härter als den Gesamtmarkt.

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Mit einem RSI von 31,9 bewegt sich Solana nahe der überverkauften Zone. Das kann kurzfristig für eine technische Gegenbewegung sprechen. Strukturell bleibt die Lage fragil: Der Kurs handelt deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 105,60 USD.

Cardano: Neues Jahrestief trotz Netzwerk-Fortschritten

Cardano steht bei 0,23 USD — exakt auf dem 52-Wochen-Tief. Ein Minus von 0,83 % heute, gut 6 % in der letzten Woche, fast 35 % seit Jahresbeginn. Die Zahlen zeichnen ein klares Bild: ADA gehört zu den schwächsten großen Altcoins im aktuellen Zyklus.

Technisch handelt der Token unterhalb sämtlicher relevanter gleitender Durchschnitte — vom 10-Tage- bis zum 200-Tage-EMA. Jede dieser Linien wirkt als Widerstand nach oben. Eine Trendumkehr müsste gegen gleich mehrere technische Hürden ankämpfen.

Aus dem Ökosystem kommen gemischte Signale. Auf der einen Seite schreitet die Netzwerkentwicklung voran: Der Van-Rossem-Hard-Fork und Node v11.0.1 stellen ein obligatorisches Upgrade für Node-Betreiber dar. Es aktiviert Protokollversion 11 mit verbesserter Smart-Contract-Performance. Ein wichtiger Finanzierungsvorschlag für Entwickler-Tools wurde mit knapp 68 % Community-Unterstützung verabschiedet.

Auf der anderen Seite sorgt die Schließung von Charles Hoskinsons 250-Millionen-Dollar-Krankenhaus für Irritationen. Der finanzielle Verlust lenkt die Aufmerksamkeit zwar zurück auf Cardano und das Privacy-Projekt Midnight — aber nicht in der Art, die Kursfantasie weckt. Die Unterstützungszone bei 0,23 USD wird jetzt zum entscheidenden Prüfstein. Ein nachhaltiger Bruch nach unten könnte das bärische Momentum weiter beschleunigen.

Krypto-Markt zwischen Konsolidierung und Katalysatoren

Die gespaltene Lage des Markts lässt sich auf eine einfache Formel bringen: Makro-Gegenwind gegen strukturelle Treiber. Dollastärke und engere Liquiditätsbedingungen bremsen. Institutionelle Beteiligung, wachsende Blockchain-Anwendungsfälle und regulatorischer Fortschritt stützen.

Der CLARITY Act (Digital Asset Market Clarity Act), der im US-Kongress voranschreitet, könnte besonders Ethereum zugutekommen. Klare regulatorische Rahmenbedingungen würden institutionelle Zuflüsse erleichtern und die Integration mit dem traditionellen Finanzwesen beschleunigen.

Für die kommenden Wochen dürften drei Faktoren den Takt vorgeben:

  • Optionsverfall-Nachwirkungen: Die 8 Milliarden Dollar an verfallenden Optionen können kurzfristig für erhöhte Volatilität sorgen
  • ETF-Kapitalströme: Ob die Abflussserie bei Bitcoin-ETFs endet und Solana-ETFs ihre Zuflüsse halten
  • Upgrade-Zeitpläne: Glamsterdam bei Ethereum und der Van-Rossem-Hard-Fork bei Cardano als potenzielle fundamentale Katalysatoren

Die aktuelle Phase gleicht eher einer Konsolidierung als einem Zyklusende. Für eine nachhaltige Erholung müssten allerdings die makroökonomischen Rahmenbedingungen mitspielen — und genau dort liegen die größten Fragezeichen.

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Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.