Drei rote Quartale in Folge — das hat es bei Ethereum noch nie gegeben. Und doch kauft der größte Ether-Treasury-Betreiber der Welt munter weiter zu. Diese Gegensätzlichkeit prägt gerade das Bild von ETH.
Historische Verlustserie trifft auf Analystenzwist
Ethereum notiert aktuell bei rund 1.750 Dollar und damit etwa 65 Prozent unter seinem Allzeithoch von 4.950 Dollar aus dem August 2025. Das vierte Quartal 2025 schloss mit 28 Prozent Minus, das erste Quartal 2026 mit 29 Prozent, das zweite mit 25 Prozent — die erste Serie mit drei negativen Quartalen in der Geschichte des Netzwerks.
Citi reagierte am 1. Juli mit einer deutlichen Korrektur: Das 12-Monats-Kursziel sank von 3.175 auf 2.240 Dollar, die erwarteten Netto-Zuflüsse in Spot-ETH-ETFs wurden auf null gesetzt. Im Bärenszenario sieht die Bank ETH sogar bei 1.094 Dollar. Standard Chartered hält dagegen unbeirrt an einem Jahresziel von 4.000 Dollar fest und bewertet die Schwäche als vorübergehend. Diese Kluft zwischen 1.094 und 4.000 Dollar zeigt: Ein Konsens unter Analysten existiert derzeit nicht.
Kurzfristig sorgte ein überraschender Datenpunkt für Bewegung. Schwache US-Arbeitsmarktzahlen mit nur 57.000 neuen Stellen lösten Anfang Juli einen Short Squeeze aus, der bearische Positionen im Wert von 281 Millionen Dollar liquidierte und den Kurs binnen weniger Tage von rund 1.550 auf über 1.700 Dollar trieb.
Bitmine kauft weiter, Wale ziehen Coins von Börsen ab
Während der Kurs schwächelt, wächst die Bilanz von Bitmine unter Tom Lee unbeirrt weiter. Am Dienstag erwarb das Unternehmen laut On-Chain-Daten rund 40.000 ETH im Gegenwert von 70 Millionen Dollar über Wallets bei FalconX und Kraken. Damit hält Bitmine inzwischen 5,74 Millionen ETH — knapp 4,8 Prozent des zirkulierenden Angebots und nahe am selbst gesteckten Ziel von 5 Prozent. Rund 85 Prozent der Bestände sind über das hauseigene Validator-Netzwerk MAVAN gestakt.
Auch abseits von Bitmine zeigt sich institutionelles Interesse: An einem einzelnen Tag Anfang Juli wurden über 166.000 ETH von Binance abgezogen, der höchste Tageswert seit März 2023 — ein Signal, das Marktbeobachter als Zeichen langfristiger Positionierung werten.
Strukturell bleibt Ethereum in Bewegung. Mitgründer Vitalik Buterin stellte am 4. Juli mit „Lean Ethereum“ eine neue Roadmap vor, die als größter Umbau seit dem Merge von 2022 gilt und sich über drei bis vier Jahre erstrecken soll. Quantensicherheit und Datenschutz rücken dabei deutlich nach oben in der Prioritätenliste. Parallel dazu startete am 1. Juli mit Ethereum Institutional eine neue Organisation für institutionelle Anleger, unterstützt von Mitgründer Joe Lubin und mit Zugang zu mehreren hundert Bankbeziehungen.
Die Frage, ob der jüngste Kursanstieg mehr ist als eine technische Gegenbewegung, entscheidet sich an einer konkreten Marke: dem 200-Tage-EMA bei 2.317 Dollar. Erst ein nachhaltiges Zurückerobern dieses Niveaus würde die charttechnische Schwäche der vergangenen drei Quartale relativieren.
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