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Erneuerbare Energien: SpaceX-Schreck bei Siemens Energy, Hoffnung bei SolarEdge

Siemens Energy verliert nach SpaceX-Bericht, Energiekontor senkt die Prognose. SolarEdge setzt auf den Investoren-Tag am 10. September.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Siemens Energy verliert 7,8 Prozent
  • Nordex bleibt technisch unter Druck
  • ABO Energy verlängert Stillhaltevereinbarung
  • SolarEdge erwartet Investoren-Tag am 10. September

Ein Tweet von Elon Musk reichte aus, um den größten deutschen Turbinenbauer an die Spitze der DAX-Verlierer zu katapultieren. Während Siemens Energy mit den Folgen kämpft, ringt ABO Energy weiter um seine Zukunft, Energiekontor rutscht auf ein neues Jahrestief und SolarEdge fiebert einem Termin entgegen, der die ganze Story drehen könnte. Fünf Aktien, fünf komplett unterschiedliche Wochen— und ein Sektor, der zeigt, wie weit die Schicksale innerhalb der Energiewende inzwischen auseinanderdriften.

Siemens Energy: SpaceX-Turbinenpläne sorgen für Nervosität

Ein Medienbericht über mögliche eigene Turbinenschaufel-Fertigung bei SpaceX schickte Siemens Energy zu Wochenbeginn auf Talfahrt. Musk selbst relativierte zwar, Erdgas werde noch jahrelang als Ergänzung zur Solarenergie benötigt— doch die interne Fertigung von Turbinenkomponenten könnte die Inbetriebnahme von Gasturbinen um bis zu 18 Monate beschleunigen. Der Schock traf nicht nur Siemens Energy: Auch Zulieferer wie Howmet Aerospace und GE Vernova gaben deutlich nach.

Auf dem aktuellen Niveau von 141,20 Euro liegt die Aktie inzwischen 7,8 Prozent unter dem Stand vor einer Woche und rund 28 Prozent unter ihrem Jahreshoch von 195,38 Euro. Der RSI von 37 signalisiert eine überverkaufte Situation, der 50-Tage-Durchschnitt von 153,73 Euro liegt klar über dem aktuellen Kurs.

Die Analystenzunft blieb trotz des Kurssturzes gelassen. Bloomberg-Intelligence-Analyst Omid Vaziri verwies darauf, dass Siemens Energy bereits seine internen Kapazitäten für Keramikkerne und Gießverfahren ausbaut, was kurzfristige Lieferengpässe entschärft und margenstarkes Servicegeschäft über 2030 hinaus stützt. Jefferies bekräftigte sein „Buy“-Rating mit einem Kursziel von 215 Euro. Analyst Lucas Ferhani ordnete den SpaceX-Vorstoß als Beleg für anhaltend hohe Stromnachfrage ein— eine Produktionsumstellung brauche jedoch Jahre, kurzfristige Preiseffekte seien damit unwahrscheinlich. Trotz der Talfahrt der vergangenen Wochen steht die Aktie seit Jahresbeginn noch mit 17 Prozent im Plus.

Nordex: Konsolidierung ohne neue Impulse

Während bei Siemens Energy die Nachrichtenlage brodelte, blieb es um Nordex auffällig still. Der einzige unternehmensbezogene Newsflow der Woche war eine reine Pflichtmeldung zu den Gesamtstimmrechten— ein verwaltungstechnischer Vorgang ohne Kursrelevanz. Die Aktie handelte trotzdem mit rotem Vorzeichen, Teil einer Konsolidierungsphase, die seit dem Rekordhoch im April andauert.

Aktuell notiert Nordex bei 37,16 Euro, gut 28 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 51,40 Euro, aber immer noch 94 Prozent über dem Tief vom vergangenen September. Die Analystenmeinungen gehen auseinander: RBC Capital Markets senkte das Kursziel auf 36 Euro und rät zu „Underperform“, Barclays hob sein Ziel zwar auf 35 Euro an, bleibt mit „Equal Weight“ aber ebenfalls vorsichtig. Der Analystenkonsens insgesamt sieht die Aktie mit einem Durchschnittskursziel von 47,72 Euro deutlich höher— ein theoretisches Aufwärtspotenzial von fast 30 Prozent.

Fundamental gibt es wenig zu meckern: Auftragseingang, Auftragsbestand und Profitabilität zeigen nach oben. Beim für 2027 erwarteten Gewinn liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei rund 15— angesichts des erwarteten Ertragswachstums keine anspruchsvolle Bewertung. Nur der Chart will davon bislang nichts wissen, der Kurs bewegt sich seit Monaten seitwärts bis abwärts.

ABO Energy: Die Sanierung zieht sich hin

ABO Energy bleibt der Problemfall im Sektor. Bei 3,60 Euro kämpft die Aktie mit den Nachwirkungen einer existenziellen Restrukturierung, die den Börsenwert auf einen Bruchteil früherer Niveaus schrumpfen ließ— zuletzt auf rund 29,68 Millionen Euro. Immerhin: Auf Wochensicht steht ein Plus von 12 Prozent, ein erstes Lebenszeichen nach der langen Talfahrt.

Der Wiesbadener Projektentwickler hält seit Mai ein externes Sanierungsgutachten in der Hand, das die grundsätzliche Sanierungsfähigkeit des Konzerns bestätigt— Details dazu sind bislang nicht veröffentlicht. Um Zeit für die Verhandlungen zu gewinnen, wurde eine Stillhaltevereinbarung mit den Finanzierungspartnern bis zum 30. November 2026 verlängert. Banken werden die Finanzierungen also vorerst nicht kündigen.

Parallel treibt ABO Energy trotz der Krise strategische Diversifizierung voran. Mit der Stadt Oulu in Finnland wurde eine Flächenwidmung für eine 600-Megawatt-Anlage zur Grünen-Wasserstoff-Produktion in Pyyryväinen vereinbart, inklusive E-Fuel-Synthese und Fernwärme-Einbindung. Geprüft werden zudem E-Methanol und nachhaltiger Flugkraftstoff am selben Standort— allerdings dürfte die erste Ausbaustufe frühestens zwischen 2034 und 2036 ans Netz gehen. Um kurzfristig Liquidität zu sichern, verkaufte das Unternehmen im August seine polnischen und ungarischen Tochtergesellschaften.

Energiekontor: Auf neuem Jahrestief

Kein anderer Titel im Sektor verzeichnete zuletzt einen so schmerzhaften Rücksetzer wie Energiekontor. Die Aktie fiel heute um 4,4 Prozent auf 24,95 Euro— und damit exakt auf ihr frisches 52-Wochen-Tief von 24,60 Euro. Über 30 Tage summiert sich der Verlust auf 29 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 31 Prozent.

Auslöser war die Mitte August verkündete Gewinnwarnung: Der Wind- und Solarpark-Entwickler senkte seine EBT-Prognose für 2026 von 40 bis 60 Millionen Euro auf nur noch 5 bis 10 Millionen Euro. Grund waren verzögerte Netzanschlüsse in Schottland— drei Projekte mit zusammen rund 1,4 Gigawatt Leistung verschieben sich von 2029 auf 2031. DZ Bank reagierte mit einer Herabstufung auf „Hold“ und kappte den fairen Wert von 59 auf 27 Euro.

Manche Analysten sehen trotzdem noch erhebliches Aufholpotenzial— ein durchschnittliches Kursziel von 92,33 Euro würde ein theoretisches Plus von über 250 Prozent bedeuten. Solche Diskrepanzen entstehen oft, wenn Schätzungen nach einer Gewinnwarnung noch nicht nachgezogen wurden. Operativ meldet Energiekontor weiterhin Fortschritte, darunter den finanziellen Abschluss eines Solarprojekts und hohe Bauaktivität im Wind- und Solarportfolio. Ob die gesenkte Prognose ein einmaliger Ausrutscher war oder der Beginn einer längeren Durststrecke, lässt sich derzeit nicht sicher sagen.

SolarEdge: Zählt die Tage bis zum Investoren-Tag

Für SolarEdge steht ein klarer Termin im Kalender: Am 10. September präsentiert das Management beim Investoren-Tag Strategie, Marktentwicklungen und Produktpläne per Webcast. Der Termin folgt auf turbulente Wochen, in denen die Aktie zwischen Euphorie und Skepsis hin- und herschwankte.

Ende August wurde UBS-Analyst Jon Windham deutlich optimistischer und stufte die Aktie von „Neutral“ auf „Buy“ hoch, das Kursziel hob er von 36 auf 42 US-Dollar an— ein Aufwärtspotenzial von knapp 41 Prozent. Auslöser war eine regulatorische Entscheidung: Die US-Behörde FCC verhängte Ende Juli ein Importverbot für im Ausland produzierte Wechselrichter, das rund die Hälfte des US-Marktes betrifft. Windham argumentiert, dies schaffe ein angebotsknappes US-Marktumfeld— mit Vorteilen für Marktanteile und Preissetzungsmacht bei SolarEdge.

Nicht jeder teilt diesen Optimismus. Von 27 Analysten, die die Aktie covern, stufen 20 sie derzeit nur als „Hold“ ein. Verständlich angesichts der jüngsten Kursentwicklung: Auf Sicht von drei Monaten hat die Aktie rund 58 Prozent verloren, aktuell notiert sie bei 27,25 Euro. Operativ zeigen sich allerdings Stabilisierungstendenzen: Im zweiten Quartal stieg der Umsatz sequenziell um 11,5 Prozent auf 346,2 Millionen US-Dollar, der bereinigte Gewinn je Aktie von 5 Cent übertraf die Erwartungen. Für das Gesamtjahr 2025 wuchs der Umsatz um 31 Prozent auf 1,18 Milliarden US-Dollar, begleitet von einer deutlichen Erholung der Bruttomarge aus tief negativem Terrain.

Sektordynamik: Fünf Risikoprofile unter einem Dach

Die fünf Aktien zeigen, wie zerklüftet die Investment-Story „Erneuerbare Energien“ inzwischen geworden ist:

  • Siemens Energy: Large-Cap-Anker mit kurzfristiger Nervosität, aber strukturell knappem Gasturbinenmarkt im Rücken
  • Nordex: Solide Fundamentaldaten, technisch aber in der Konsolidierungsfalle
  • ABO Energy: Bilanzstress und Restrukturierung, gleichzeitig milliardenschwere Wasserstoffambitionen in Finnland
  • Energiekontor: Ehemalige Wachstumsstory, jetzt Vertrauenstest nach Netzanschluss-Verzögerungen
  • SolarEdge: Regulatorischer Rückenwind aus den USA trifft auf tief gespaltene Analystenmeinungen

Verbunden sind alle fünf durch Kräfte, die größer sind als jedes einzelne Unternehmen: der Strombedarf durch KI und Rechenzentren, sich wandelnde Handels- und Importregeln sowie die Kapitalintensität langfristiger Infrastrukturprojekte. Wer in diesem Sektor investiert, kauft unter derselben Überschrift höchst unterschiedliche Risiken— von der Mega-Cap-Stabilität eines Siemens-Energy-Konzerns bis zur existenziellen Sanierung bei ABO Energy.

Was Anleger in den kommenden Wochen im Blick haben sollten

Der Investoren-Tag von SolarEdge am 10. September dürfte zeigen, wie viel vom FCC-getriebenen Optimismus tatsächlich Substanz hat, insbesondere bei Preissetzungsmacht und Marktanteilsannahmen für das US-Geschäft. Bei Siemens Energy dürfte weiterhin jede Nachricht zu den SpaceX-Plänen genau beobachtet werden, ebenso der Fortschritt bei der Ausgliederung der Industriesparte, die zunehmend Interesse von Finanzinvestoren weckt. Nordex bleibt kurzfristig ohne große Termine, reagiert aber empfindlich auf die allgemeine Stimmung im Windsektor und auf technische Unterstützungsmarken im Chart.

Bei ABO Energy hängt vieles an den noch unveröffentlichten Details des Sanierungsgutachtens und daran, ob die Stillhaltevereinbarung bis November in eine dauerhafte Finanzierungslösung mündet— oder in weitere Notverkäufe. Energiekontor muss beweisen, dass die gesenkte Prognose ein isoliertes Timing-Problem in Schottland war und nicht der Auftakt zu weiteren Verzögerungen im europäischen Projektportfolio.

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Diskussion zu Siemens Energy

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Leser meines Börsendienstes erzielten über zwei Jahrzehnte einen durchschnittlichen Depotzuwachs von +576%. Meine rechtzeitigen Warnungen vor dem Crash 2008 halfen vielen Anlegern, Verluste zu minimieren.

Heute teile ich meine Expertise durch den Newsletter "Chartanalyse-Trends", den Börsendienst "Momentum Trader", Vorträge auf Messen wie der Invest Stuttgart sowie YouTube-Videos. Mein "Timing is Money"-Ansatz identifiziert optimale Ein- und Ausstiegszeitpunkte für Aktien, Gold, Kryptowährungen und weitere Anlageklassen.