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Erneuerbare Energien-Aktien: Energiekontor glänzt, Vulcan Energy rutscht ab

Energiekontor sichert sich zehnjährigen Solarstromvertrag ohne Subventionen. Vulcan Energy verzeichnet steigende Verluste trotz Finanzierungsmeilenstein.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Energiekontor schließt förderfreien PPA
  • Vulcan Energy mit höherem Nettoverlust
  • ABO Wind kämpft mit Restrukturierung
  • Siemens Energy trotz Kursdelle mit Analystenrückhalt

Fünf Aktien, fünf völlig unterschiedliche Wochen. Während Energiekontor mit einem zehnjährigen Stromliefervertrag ganz ohne staatliche Förderung punktet, kämpft ABO Wind weiter ums nackte Überleben. Siemens Energy bekommt trotz Kursschwäche Rückenwind von zwei Großbanken, Vulcan Energy meldet einen ausgeweiteten Verlust bei gleichzeitigem Finanzierungserfolg — und Verbio zeigt, wie wenig gute Zahlen manchmal mit dem Aktienkurs zu tun haben.

Der Sektor bleibt damit ein Sammelbecken gegensätzlicher Entwicklungen. Genau das macht den Blick auf die einzelnen Werte lohnenswert.

Siemens Energy: Analysten bleiben trotz Kursdelle optimistisch

Die Aktie schloss am Freitag bei 150,70 Euro, ein Plus von 0,32 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 1,78 Prozent zu Buche, die letzten 30 Tage kosteten dem Papier dagegen 5,22 Prozent. Vom Rekordhoch bei 195,54 Euro, erreicht am 24. April 2026, trennen die Aktie damit fast 23 Prozent.

Trotz dieser Delle bleibt das Analystenlager konstruktiv. Die Deutsche Bank vergab am 23. Juli ein Buy-Rating, JPMorgan riet trotz der laufenden Kursschwäche zum Einstieg. Der durchschnittliche Kursziel-Konsens liegt bei 193,80 Euro, während die Dividende von 0,70 Euro im Jahr 2025 auf erwartete 1,88 Euro steigen soll.

Fundamental liefert das Unternehmen weiterhin solide Zahlen. Im Quartal bis zum 31. März 2026 stieg der Gewinn je Aktie auf 0,89 Euro nach 0,50 Euro im Vorjahr, der Umsatz kletterte um 3,33 Prozent auf 10,29 Milliarden Euro. Die nächsten Quartalszahlen stehen Anfang August an — bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 61 ruht auf diesem Termin einiges an Erwartungsdruck.

Vulcan Energy: Höherer Verlust, aber Meilenstein bei der Lithium-Finanzierung

Bei Vulcan Energy klaffen operative Probleme und strategischer Fortschritt weit auseinander. Der Nettoverlust für das Geschäftsjahr bis Ende Dezember 2025 wuchs auf rund 69,6 Millionen Euro, während der Umsatz bei überschaubaren 7,35 Millionen Euro verharrte — nahezu vollständig aus dem Verkauf von Geothermie-Strom und -Wärme im Oberrheingraben, nicht aus Lithium.

Der Kurs spiegelt diese Unsicherheit deutlich wider. Am Freitag ging die Aktie mit 1,61 Euro aus dem Handel, ein Minus von 1,95 Prozent. Auf Monatssicht summiert sich der Rückgang auf 19,38 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 37,07 Prozent. Das 52-Wochen-Tief von 1,60 Euro, erst am 24. Juli markiert, liegt nur hauchdünn unter dem aktuellen Kurs.

Ein Lichtblick bleibt die Projektfinanzierung. Im Mai erreichte Vulcan den finanziellen Abschluss für ein rund 2,2 Milliarden Euro schweres Finanzierungspaket für das Lionheart-Lithiumprojekt, getragen von europäischen und deutschen Förderinstitutionen, Geschäftsbanken und Industriepartnern. Am 15. Juli folgte eine erste strategische Kapitaleinzahlung, weitere Tranchen sollen an Baumeilensteine geknüpft werden. Phase eins von Lionheart zielt auf eine Jahreskapazität von 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid — Bau- und Anlaufrisiken bleiben dabei nicht ausgeschlossen. Immerhin verschafft eine Liquiditätsposition von umgerechnet rund 818 Millionen australischen Dollar gegenüber Schulden von knapp 50 Millionen australischen Dollar dem Unternehmen finanziellen Spielraum für die Bauphase.

ABO Wind: Restrukturierung überschattet Projekterfolge

Kaum ein Wert im Sektor steht derzeit stärker unter Druck als ABO Wind, das inzwischen unter der Marke ABO Energy firmiert. Am Freitag brach die Aktie um 5,83 Prozent auf 3,31 Euro ein, binnen einer Woche verlor sie 9,07 Prozent, binnen eines Monats 11,14 Prozent. Der RSI von 34,2 signalisiert eine bereits deutlich überverkaufte Lage.

Hintergrund ist die laufende finanzielle Restrukturierung. Nach einer Prognoseanpassung für 2026 kam ABO Energy der Pflicht zur Verlustanzeige nach Paragraf 92 Aktiengesetz nach und legte einen ersten Entwurf des Sanierungsgutachtens vor. Restrukturierungsverantwortliche Britta Hübner bezeichnete diesen Entwurf als „Meilenstein auf dem Weg zur Sanierung“ und kam zu der vorläufigen Einschätzung, dass das Unternehmen sanierungsfähig sei — weitere Handlungsfelder für die strategische Neuausrichtung blieben aber offen. Bis zum Ende der verlängerten Stillhaltevereinbarung Ende Juli soll eine tragfähige Sanierungsfinanzierung stehen.

Operativ läuft das Geschäft derweil weiter. Bei der Ausschreibung der Bundesnetzagentur für Windprojekte an Land im Mai erhielt ABO Energy Zuschläge für drei Projekte mit zusammen 61,4 Megawatt, der Netzanschluss ist zwischen Herbst 2027 und Herbst 2028 geplant. Parallel verkaufte das Unternehmen zwei Windprojekte im Bau — das Repowering-Vorhaben Marpingen im Saarland ging an Encavis, eine Anlage in Großenlüder an KB Renewables — um Liquidität zu generieren.

Energiekontor: Zehn-Jahres-Vertrag ohne Förderung setzt Zeichen

Der positivste Impuls der Woche kam von Energiekontor. Zusammen mit dem Energiedienstleister EHA und der Drogeriekette dm wurde ein zehnjähriger Stromabnahmevertrag für den geplanten Solarpark Kolitzheim-Herlheim in Bayern geschlossen. Die Anlage soll rund elf Megawattpeak leisten und dm-Filialen künftig mit Grünstrom versorgen.

Bemerkenswert ist dabei vor allem die Struktur: Der Solarpark kommt komplett ohne EEG-Förderung aus. Die Inbetriebnahme ist für die erste Hälfte 2027 vorgesehen, der erwartete Jahresertrag liegt bei über 13 Gigawattstunden. Diese Entwicklung sticht besonders hervor, weil der deutsche PPA-Markt schrumpft — 2025 wurden laut Marktanalyse der Deutschen Energie-Agentur nur 27 solcher Verträge mit insgesamt 1,3 Gigawatt abgeschlossen, nach 51 Deals mit 2,2 Gigawatt im Jahr zuvor und einem Rekordwert von 3,8 Gigawatt 2023. Deutschland liegt damit europaweit nur auf Platz vier hinter Spanien, Italien und Polen.

Der Kurs bewegte sich zuletzt bei 35,50 Euro, ein Rückgang von 1,25 Prozent zum Vortag und von 8,39 Prozent über den Monat. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,17 und einer Dividendenrendite von 2,80 Prozent bleibt die Bewertung moderat, während eine Projektpipeline von 12,2 Gigawatt inklusive US-Rechten weiteres Wachstumspotenzial andeutet.

Verbio: Bessere Prognose, aber der Kurs zieht nicht mit

Kaum ein Wert im Sektor zeigt eine größere Diskrepanz zwischen operativer Entwicklung und Kursverlauf als der Biokraftstoffproduzent. Seit Ende Mai die Gewinnprognose angehoben wurde, tendiert die Aktie eher seitwärts bis leicht abwärts — ein „Ja, aber“ prägt seither den Handel.

Am Freitag fiel der Kurs um 4,21 Prozent auf 32,30 Euro. Auf Wochensicht steht dennoch ein leichtes Plus von 0,75 Prozent, auf Monatssicht sogar ein Zuwachs von 9,57 Prozent. Seit Jahresbeginn hat sich die Aktie um 52,36 Prozent verteuert, binnen zwölf Monaten sogar um 158,61 Prozent — ein Beleg dafür, wie stark die kurzfristige Volatilität die langfristige Erfolgsgeschichte überlagert.

Diese Schwankungsbreite hat System. Mit einem Beta von rund 2,5 bewegt sich die Aktie im Schnitt zweieinhalbmal so stark wie der Gesamtmarkt, die 30-Tage-Volatilität bewegt sich meist zwischen 45 und 50 Prozent. Bei einem für 2026 erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 39,28 und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von zuletzt 0,52 bleibt reichlich Wachstumsfantasie eingepreist, auch wenn Letzteres von manchen Marktbeobachtern als Unterbewertungssignal gelesen wird.

Sektordynamik im Überblick

Die fünf Werte zeigen exemplarisch, wie weit Large-Cap-Stabilität und Small-Cap-Volatilität in der Branche derzeit auseinanderdriften:

  • Siemens Energy: Stabiler Ergebnistrend, hohe Bewertung, Analystenrückhalt trotz Kursschwäche
  • Vulcan Energy: Finanzierungserfolg bei Lionheart trifft auf wachsenden operativen Verlust
  • ABO Wind: Projektpipeline läuft, doch die Sanierungsfrage überschattet alles
  • Energiekontor: Subventionsfreie PPA-Strategie als Antwort auf schrumpfenden Fördermarkt
  • Verbio: Operative Stärke trifft auf hohe Volatilität und ausbleibende Neubewertung

Wendepunkte in Sicht: Worauf Anleger jetzt achten sollten

Für Siemens Energy wird der Quartalsbericht Anfang August zum Test, ob Gasservices und Netztechnik die jüngste Kursschwäche rechtfertigen können. Bei Vulcan Energy entscheidet der Baufortschritt bei Lionheart und das Timing weiterer Kapitalabrufe über die nächste Kursrichtung. ABO Wind steht und fällt mit dem Ausgang der Sanierungsverhandlungen, die ursprünglich bis Ende Juli abgeschlossen sein sollten — hier dürfte die Entscheidung schnell fallen. Energiekontor profitiert von seiner Förderunabhängigkeit, muss aber die große Projektpipeline auch tatsächlich abarbeiten. Verbio-Anleger wiederum müssen abwägen, ob starke operative Signale irgendwann die anhaltende Kursvolatilität überwinden — bislang ist genau das ausgeblieben.

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Diskussion zu Siemens Energy

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.