Der europäische Gaspreis klettert auf den höchsten Stand seit Ende 2022, und die Equinor-Aktie profitiert: Sie hat ein neues Allzeithoch markiert. Parallel meldet der norwegische Konzern einen weiteren Fund in der Nordsee.
Gas auf Mehrjahreshoch
Der TTF-Kontrakt für den nächsten Monat kostete am Dienstag zeitweise 87,20 Euro je Megawattstunde, rund drei Prozent mehr als am Vortag. Seit Monatsbeginn hat sich Gas um mehr als ein Fünftel verteuert. Seit Jahresanfang hat sich der Preis etwa verdreifacht. Zu Beginn des Ukraine-Kriegs lag er zeitweise allerdings noch deutlich höher, bei über 300 Euro.
Als Treiber gelten Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus und auf Energieanlagen im Nahen Osten. Die Meerenge ist eine zentrale Route für Lieferungen aus der Golfregion. Commerzbank-Analyst Norman Liebke verweist darauf, dass die Gasexporte der Region deutlich unter Vorkriegsniveau liegen. Katar, größter LNG-Exporteur der Region, kommt demnach nur auf 20 bis 30 Prozent seiner Exportkapazität.
Hinzu kommt die Nachfrage aus Deutschland. Die Speicher sind knapp zu 60 Prozent gefüllt, der saisonale Fünfjahresdurchschnitt liegt bei 87 Prozent. Der Bund hat den Versorger SEFE angewiesen, zusätzliches Gas zu beschaffen. Für Equinor als wichtigen Lieferanten Europas ist dieses Umfeld ein klarer Rückenwind.
Neuer Fund an der Oseberg-Infrastruktur
Zusammen mit den Partnern Petoro und TotalEnergies hat Equinor ein Öl- und Gasfeld in der Nordsee entdeckt. Die vorläufige Schätzung beziffert die förderbaren Ressourcen auf 19 bis 50 Millionen Barrel Öläquivalent. Das ist überschaubar, aber wirtschaftlich attraktiv: Der Fund soll schnell an bestehende Unterwasseranlagen angebunden und über die Plattform Oseberg Sør gefördert werden.
Exploration-Manager Frode Skarstein spricht von bereits bezahlter Infrastruktur und wettbewerbsfähigen Barrel. Solche Randfunde nahe vorhandener Anlagen sind für Equinor zentral, weil die Produktion aus reifenden Feldern zurückgeht.
Langfristplan für Norwegen
Der Konzern will bis 2035 rund 200 explorationsnahe Bohrungen niederbringen und etwa 75 Unterwasserprojekte umsetzen. Das Ziel: Die Produktion auf dem norwegischen Festlandsockel soll 2035 stabil bei 1,3 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag liegen. Rund 70 Prozent davon sollen aus neuen Bohrungen und Erschließungen stammen.
Norwegen deckt nach Unternehmensangaben 20 Prozent des europäischen Ölbedarfs und 30 Prozent des Gasbedarfs. Hält die Angespanntheit am Gasmarkt an und bleiben die Speicher vor dem Winter niedrig gefüllt, dürfte diese Rolle Equinor weiter stützen.
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