Der Projektierer Energiekontor hat seine Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr 2026 drastisch nach unten korrigiert. Das Unternehmen erwartet nun nur noch ein Vorsteuerergebnis (EBT) zwischen 5 und 10 Millionen Euro.
Ursprünglich war der Vorstand von einer Spanne zwischen 40 und 60 Millionen Euro ausgegangen. Hauptgrund für diesen Rückschlag sind erhebliche Verzögerungen bei drei Windparkprojekten in Schottland, die erst Jahre später als geplant ans Netz gehen können.
Rechtsstreit in Schottland bremst Expansionspläne aus
Die Verzögerungen betreffen zentrale Bestandteile der bisherigen Wachstumsstrategie. Aufgrund eines laufenden Rechtsverfahrens gegen die Genehmigung einer Überlandleitung durch den Netzbetreiber Scottish Power Transmission verschiebt sich der Netzanschluss der betroffenen schottischen Windparks von 2029 auf voraussichtlich 2031. Da zwei dieser Projekte bereits fest für die diesjährige Ergebnisrealisierung eingeplant waren, entfallen die entsprechenden Gewinnbeiträge fast vollständig. Eine gerichtliche Klärung der Situation wird nach Unternehmensangaben erst im ersten Halbjahr 2027 erwartet.
Dieser zeitliche Verzug belastet die Bilanz unmittelbar, wie der am 13. August veröffentlichte Halbjahresbericht zeigt. Zwar stieg der Konzernumsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich auf 99,9 Millionen Euro, doch das operative Ergebnis rutschte tief in die roten Zahlen. Das EBT belief sich im ersten Halbjahr auf minus 4,7 Millionen Euro. Das Ergebnis je Aktie sank dabei auf minus 0,38 Euro.
Analysten reagieren mit drastischen Kurszielsenkungen
Die Kapitalmärkte zeigten sich von der Nachricht und den schwachen Halbjahreszahlen alarmiert. Seit Jahresbeginn verlor die Aktie bereits 29 Prozent an Wert. Gestern schloss das Papier bei 25,65 Euro und notiert damit nur noch knapp über seinem 52-Wochen-Tief von 25,30 Euro. Medienberichten zufolge hat zudem der Investor Citadel Securities seine Leerverkaufsposition in dem Wert zuletzt ausgebaut.
Auch die Analysten passten ihre Einschätzungen umgehend an die neue Realität an. Thorsten Reigber von der DZ Bank stufte die Aktie am 14. August von „Kaufen“ auf „Halten“ herab und halbierte das Kursziel nahezu auf 27 Euro. Er bezeichnete das Timing der Gewinnwarnung als unglücklich und senkte seine Schätzungen für das Vorsteuerergebnis bis zum Jahr 2028 deutlich.
Philipp Kaiser von Warburg Research stellte sein bisheriges Kursziel am selben Tag ebenfalls auf den Prüfstand, betonte jedoch, dass die Gründe für die Verzögerungen eher im rechtlichen Bereich als in der operativen Umsetzung liegen.
Trotz der aktuellen Krise verwies Energiekontor auf eine gesicherte Projektpipeline von 11,3 Gigawatt. Davon befinden sich derzeit zahlreiche Anlagen mit insgesamt 609 Megawatt im Bau. Der Eigenbestand an Wind- und Solarparks wurde zudem auf 41 Anlagen erweitert. Ob diese langfristige Pipeline die kurzfristigen Ergebnisausfälle kompensieren kann, ist für Investoren derzeit die zentrale Frage.
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