Eli Lilly liefert ein Quartal der Superlative: 56 Prozent Umsatzwachstum, eine angehobene Jahresprognose und die FDA-Zulassung der ersten oralen GLP-1-Pille ohne Einschränkungen bei der Einnahme. Während der Pharma-Riese seine Dominanz ausbaut, kämpfen kleinere Biotech-Werte mit ganz anderen Realitäten — von FDA-Stopps über Führungswechsel bis hin zu explodierenden Forschungskosten.
Eli Lilly: Die GLP-1-Maschine läuft auf Hochtouren
Die Quartalszahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Eli Lilly übertraf die Erwartungen im ersten Quartal 2026 deutlich: Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 8,55 Dollar gegenüber erwarteten 6,66 Dollar, der Umsatz bei 19,8 Milliarden Dollar statt der prognostizierten 17,6 Milliarden. Die Aktie reagierte mit einem Sprung von über 9 Prozent.
Getrieben wird das Wachstum von zwei Blockbustern. Mounjaro erzielte einen weltweiten Quartalsumsatz von 8,66 Milliarden Dollar — ein Plus von 125 Prozent. Zepbound steuerte allein in den USA 4,16 Milliarden Dollar bei, ein Zuwachs von 80 Prozent trotz sinkender realisierter Preise. Die schiere Nachfrage kompensiert den Preisdruck mehr als deutlich.
Entsprechend selbstbewusst fiel die aktualisierte Prognose aus. Lilly erwartet nun einen Jahresumsatz zwischen 82 und 85 Milliarden Dollar sowie einen bereinigten Gewinn je Aktie von 35,50 bis 37,00 Dollar. Gleichzeitig erhielt Foundayo — der Wirkstoff Orforglipron in Pillenform — die FDA-Zulassung für Adipositas-Patienten. Als erste orale GLP-1-Therapie ohne Nahrungs- oder Wassereinschränkungen eröffnet das Medikament eine völlig neue kommerzielle Dimension.
CEO Dave Ricks rechnet damit, dass die Zahl der GLP-1-Patienten weltweit von rund 20 Millionen Ende 2025 auf 30 Millionen Ende 2026 steigen wird. Lilly hält aktuell 60,1 Prozent des US-Marktes. Preisdruck durch politisch verhandelte Rabatte und günstigere Cash-Pay-Optionen bei Zepbound dürften die Margen belasten — doch die Volumendynamik überwiegt derzeit klar. Der Analystenkonsens sieht das Kursziel bei 1.216 Dollar, weit oberhalb des aktuellen Niveaus von rund 795 Euro.
Newron SpA: FDA-Stopp überschattet vielversprechendes Schizophrenie-Programm
Ein klinischer Rückschlag mit Signalwirkung: Die FDA hat die Aufnahme neuer Patienten an US-Standorten der Phase-III-Studie ENIGMA-TRS 2 gestoppt. Newrons Leitsubstanz Evenamide — ein neuartiger Glutamat-Modulator für therapieresistente Schizophrenie — steht damit unter verschärfter regulatorischer Beobachtung.
Auslöser war der plötzliche Tod eines Studienteilnehmers an einem Standort außerhalb der USA. Der behandelnde Prüfarzt stufte das Ereignis als nicht behandlungsbedingt ein. Auch das unabhängige Sicherheitsboard empfahl die Fortführung der Studie. Für die FDA reichte das offenbar nicht — zumindest nicht für die US-Standorte.
Die Einschränkung betrifft ausschließlich die amerikanischen Prüfzentren. In Indien und Argentinien läuft die Rekrutierung weiter, Kolumbien und Malaysia stehen kurz vor der Freigabe. Newron arbeitet eng mit der FDA zusammen, um die geforderten Informationen bereitzustellen und die Aufhebung des Holds zu erwirken.
Was die Situation brisant macht: Rund 30 Prozent aller Schizophrenie-Patienten gelten als therapieresistent. Mit Clozapin existiert nur ein einziges zugelassenes Medikament für diese Indikation. Evenamide wäre als erste Add-on-Therapie ein potenzieller Durchbruch. H.C. Wainwright hatte das Kursziel im März 2026 auf 48 Franken angehoben. Die Aktie notiert aktuell bei 15,55 Euro — seit Jahresbeginn ein Minus von über 40 Prozent. Die Geschwindigkeit, mit der die FDA den Hold auflöst, wird darüber entscheiden, ob der für das vierte Quartal 2026 geplante Topline-Readout aus ENIGMA-TRS 1 im Zeitplan bleibt.
Viking Therapeutics: Volle Studien, schwindende Kasse
Viking Therapeutics verfolgt eine klare Strategie: alles auf klinische Fortschritte setzen — koste es, was es wolle. Die Forschungsausgaben explodierten im ersten Quartal 2026 auf 150,2 Millionen Dollar, ein Anstieg um 263 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettoverlust weitete sich auf 158,3 Millionen Dollar aus.
Hinter den steigenden Kosten steckt ein ambitioniertes Studienprogramm:
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- VANQUISH-1 mit rund 4.500 Patienten: Rekrutierung Ende 2025 abgeschlossen
- VANQUISH-2 mit etwa 1.000 Patienten: Rekrutierung im ersten Quartal 2026 abgeschlossen
- Orales VK2735: Phase-3-Start für das vierte Quartal 2026 geplant
- VK3019: IND-Antrag eingereicht, Phase-1-Studie soll im zweiten Quartal 2026 starten
Die Liquidität schrumpft planmäßig. Zum Quartalsende verfügte Viking über 603 Millionen Dollar an liquiden Mitteln — genug, um nach eigener Einschätzung bis 2028 und damit über die entscheidenden Datenpunkte hinaus finanziert zu sein. Nächster Katalysator: Daten zur Erhaltungsdosis im dritten Quartal 2026. Die Aktie fiel nach der Veröffentlichung um 3,4 Prozent.
Ein Rechtsstreit mit Ligand Pharmaceuticals fügt eine weitere Unsicherheitsebene hinzu. Ligand beansprucht die Kündigung der Lizenz für das TR-Beta-Programm einschließlich VK2809. Viking hält die Kündigung für unberechtigt und will sich juristisch wehren. Bei einer Marktkapitalisierung von rund 3,6 Milliarden Dollar bleibt die Aktie eine Wette auf den Ausgang der VANQUISH-Studien — mit entsprechendem Risikoprofil.
Evotec: Gates-Förderung trifft auf Führungswechsel
Zwei Nachrichten prägten den Tag für Evotec. Die Gates Foundation vergab zwei neue Forschungsstipendien für die Tuberkulose-Wirkstoffforschung — insgesamt rund 10 Millionen Dollar über jeweils rund zwei Jahre. Die Programme sollen die Pipeline neuartiger TB-Wirkstoffkandidaten erweitern und vielversprechende Kombinationen in Richtung klinischer Erprobung vorantreiben, einschließlich möglicher Langzeitinjektionen.
Gleichzeitig vollzog sich ein geplanter Führungswechsel. CFO Paul Hitchin schied heute aus persönlichen Gründen aus dem Unternehmen aus. Seine Nachfolgerin Claire Hinshelwood bringt über 30 Jahre Finanzführungserfahrung mit, unter anderem von Novartis und der BMI Group. Ein ordentlicher Übergang — und doch ein weiterer Baustein in der turbulenten Management-Geschichte des Hamburger Unternehmens.
Die fundamentale Lage bleibt angespannt. Im Geschäftsjahr 2025 sank der Umsatz leicht auf 788 Millionen Euro, während sich der Verlust immerhin um 47 Prozent auf minus 104 Millionen Euro verringerte. Die Aktie notiert bei 5,24 Euro — mehr als ein Fünftel über dem Jahrestief, aber weiterhin unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Die Analysten sind gespalten: BofA Securities stuft die US-Aktie mit Underperform und einem Kursziel von 3,00 Dollar ein, Berenberg dagegen startete die Coverage im Februar mit einer Kaufempfehlung. Die Quartalszahlen Anfang Mai werden zeigen, ob der Umsatzrückgang gestoppt werden konnte.
Carl Zeiss Meditec: Erholungssprung vor den Mai-Zahlen
Nach wochenlanger Schwäche zeigte Carl Zeiss Meditec am Donnerstag Lebenszeichen. Die Aktie legte über 6 Prozent zu auf 26,80 Euro — ein technisches Aufatmen, das den Kurs knapp über den 50-Tage-Durchschnitt hievte. Vom Jahreshoch bleibt der Medizintechnik-Spezialist allerdings meilenweit entfernt. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf über 32 Prozent.
Die fundamentalen Herausforderungen sind greifbar. Im Geschäftsjahr 2025 stieg der Umsatz zwar um knapp 8 Prozent auf 2,23 Milliarden Euro. Der Gewinn sank im selben Zeitraum jedoch um 21 Prozent auf 141 Millionen Euro — ein klares Margenproblem. J.P. Morgan vergab im März eine Verkaufsempfehlung. Der Analystenkonsens liegt bei Hold mit einem Kursziel von 51,61 Euro, was enormes Aufholpotenzial signalisiert — sofern die Margen wieder anziehen.
Strukturelle Wachstumstreiber sind intakt: alternde Bevölkerungen, steigende Myopie-Raten und ein wachsender Zugang zu moderner Gesundheitsversorgung in Schwellenländern. Die entscheidende Frage ist, ob sich diese Trends im Mai-Bericht endlich in besseren Margen niederschlagen.
Biotech zwischen Blockbuster-Euphorie und regulatorischer Ernüchterung
Der letzte Handelstag im April verdichtete die Kräfteverhältnisse im Sektor auf ein Bild mit starken Kontrasten:
- Eli Lilly demonstriert die Skalenvorteile eines kommerziell etablierten GLP-1-Riesen mit Preissetzungsmacht und einer neuen oralen Therapieoption
- Viking Therapeutics investiert aggressiv in die klinische Entwicklung, während der Weg zur Zulassung noch Jahre dauert
- Newron SpA erlebt aus erster Hand, wie schnell ein FDA-Hold die Bewertung eines Biotech-Werts erschüttern kann — selbst bei positiver Einschätzung des Sicherheitsboards
- Evotec kombiniert wissenschaftliche Validierung durch renommierte Fördergeber mit anhaltender Profitabilitätsfrage
- Carl Zeiss Meditec steht vor einem Richtungsentscheid: Technische Erholung oder fundamentale Neuausrichtung
Die kommenden Wochen sind dicht getaktet. Evotecs Q1-Zahlen Anfang Mai, Carl Zeiss Meditecs Quartalsbericht und die ersten Erhaltungsdosis-Daten von Viking im dritten Quartal werden zeigen, welche dieser Geschichten substanziell unterfüttert sind. Für Eli Lilly beginnt mit Foundayo ein neues Kapitel — die Marktdurchdringung einer oralen GLP-1-Pille, deren kommerzielle Tragweite der Markt gerade erst zu erfassen beginnt.
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