Während US-Analysten die Kursziele nach oben schrauben, zieht Eli Lilly in Deutschland die Reißleine. Der Pharma-Riese kürzt seine geplanten Investitionen für das neue Werk in Alzey massiv. Ein politischer Streit um Medikamentenpreise belastet den Standort.
Reformschock in Rheinland-Pfalz
Eli Lilly wollte ursprünglich 2,3 Milliarden Euro in die neue Produktionsstätte in Alzey investieren. Ein Firmensprecher bestätigte nun, dass das Budget deutlich schrumpft. Nach aktuellen Plänen wird das Unternehmen nur noch etwa die Hälfte der Summe bereitstellen.
Das Management reagiert damit unmittelbar auf die deutsche Gesundheitsreform. Der gesetzliche Herstellerrabatt für Medikamente stieg unbefristet von 7 auf 15,5 Prozent. Der Konzern sieht dadurch die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts gefährdet.
Wall Street setzt auf Abnehm-Hype
Abseits der industriepolitischen Reibungen in Europa herrscht bei US-Banken weiterhin Optimismus. Die Bank of America hob das Kursziel für Eli Lilly von 1.251 auf 1.334 US-Dollar an. Die Experten verwiesen auf die ungebrochene Nachfrage im Bereich der Diabetes- und Adipositas-Therapien.
Truist Financial passte das Ziel ebenfalls nach oben an und sieht den Wert nun bei 1.370 Dollar. Marktbeobachter setzen auf den Verkaufsstart des oralen Abnehmpräparats Foundayo. Zudem stützt das „Medicare GLP-1 Bridge“-Programm die Erwartungen für den US-Markt.
Charttechnik und juristischer Gegenwind
An der Börse konsolidierte der Wert zuletzt auf hohem Niveau. Die Aktie beendete die Woche bei 1.044,80 Euro mit einem Tagesminus von 1,86 Prozent. Im Jahresvergleich steht dennoch ein sattes Plus von rund 55 Prozent zu Buche. Der Kurs notiert aktuell etwa 21 Prozent über der 200-Tage-Linie.
In den USA droht unterdessen juristischer Ärger. Das Tampa General Hospital hat Klage gegen neue Meldepflichten bei Rabattprogrammen eingereicht. Die Klinik wirft dem Konzern vor, den Zugang zu vergünstigten Medikamenten durch bürokratische Hürden zu erschweren.
Mitte Juli stehen klinische Daten im Fokus. Eli Lilly präsentiert auf der Alzheimer-Konferenz in London neue Langzeitergebnisse zum Medikament Kisunla. Diese Forschung gilt neben dem Stoffwechsel-Geschäft als wichtigster Wachstumspfeiler für die kommenden Jahre.
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