Fünf Angebote, zwei Ablehnungen, eine Kehrtwende: Nach wochenlangem Tauziehen hat sich easyJet dem US-Investor Castlelake gebeugt. Am Sonntag einigten sich beide Seiten grundsätzlich auf 6,90 Pfund je Aktie — ein Aufschlag von rund 24 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag. Die Aktie reagierte am Montag mit einem Kurssprung von rund zehn Prozent und rückte damit nahe an ihr Jahreshoch heran.
Vom Eröffnungsgebot zum finalen Deal
Castlelake meldete sein Interesse erstmals am 29. Mai an, mit einem Eröffnungsgebot von 560 Pence. Es folgte ein zähes Ringen: easyJet lehnte drei private Offerten nacheinander ab, zuletzt ein Angebot von 650 Pence, das der Vorstand noch als unzureichend bezeichnete. Erst das fünfte Gebot überzeugte das Management — bewertet wird der Konzern damit auf Basis der vereinbarten 5,2 Milliarden Pfund, auf vollständig verwässerter Basis rechnen die Parteien mit einem Volumen von bis zu 5,5 Milliarden Pfund (rund 7,3 Milliarden Dollar).
Weil Castlelake als US-Firma keine Mehrheitskontrolle über eine europäische Fluggesellschaft halten darf, wurde die Übernahmestruktur entsprechend gebaut: Die beiden Luftfahrtmanager Peter Bellew und Mark Breen sollen die Mehrheit an der Erwerbsgesellschaft halten, Castlelake selbst bleibt bei 49 Prozent. Bellew war zuvor Chief Operating Officer bei easyJet, bevor er das Unternehmen 2022 abrupt verließ. Die „Put up or shut up“-Frist, bis zu der Castlelake ein bindendes Angebot vorlegen oder das Vorhaben zurückziehen muss, wurde auf den 3. August verlängert.
Bernstein sieht Zerschlagung, JPMorgan bleibt skeptisch
Der Zuschlag für Castlelake wirft eine Frage auf, die über den reinen Kaufpreis hinausgeht. Analysten von Bernstein deuten die Rolle des Käufers als Flugzeugleasing-Spezialisten — und nicht als klassischen Private-Equity-Investor — als Hinweis darauf, dass Flotte, Bestellungen, Slots und das Ferien-Geschäft von easyJet perspektivisch getrennt vermarktet werden könnten. Sollte sich dieses Szenario bestätigen, würde das laut den Analysten die Kapazitäten im europäischen Kurzstreckenmarkt weiter verknappen — ein Umstand, der anderen Billigfliegern wie Jet2 zugutekommen könnte.
JPMorgan bestätigte am Montag trotz der Übernahmeprämie sein Sell-Rating mit einem Kursziel von 360 Pence und bleibt damit skeptisch gegenüber den eigenständigen Fundamentaldaten der Airline. Diese Skepsis hat einen konkreten Hintergrund: Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 verfehlte easyJet mit einem Verlust je Aktie von 0,501 Pfund die Analystenschätzungen deutlich, belastet durch steigende Kerosinkosten im Zuge des Iran-Konflikts und schwächere Buchungen für die Sommersaison.
Größter Einzelaktionär bleibt die Gründerfamilie Haji-Ioannou mit einem Anteil von 15,3 Prozent — ihre Haltung zum Deal dürfte für den weiteren Verlauf mitentscheidend sein. Bis zum 3. August muss sich zeigen, ob Castlelake sein Angebot in ein bindendes Gebot überführt.
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