UBS hält heute an ihrer Kaufempfehlung für DWS und am Kursziel von 75 Euro fest. Analyst Michael Werner stellt den enttäuschenden Erträgen das überraschend starke Wachstum der Kundengelder gegenüber. Für Anleger rückt damit die Ertragsqualität dieses Wachstums in den Mittelpunkt: Mehr verwaltetes Vermögen bedeutet nicht automatisch, dass auch der Gewinn die Erwartungen übertrifft.
Unterschiedliche Einschätzungen zum Produktmix
Werner führt die schwächeren Erträge und das enttäuschende Vorsteuerergebnis auf geringere erfolgsabhängige Gebühren und sonstige Erträge zurück. Das verwaltete Vermögen und die Nettomittelzuflüsse übertrafen dagegen die Erwartungen. UBS bewertet die Geschäftsentwicklung damit weiterhin positiv, trotz der Schwächen auf der Ergebnisseite.
Berenberg hatte die Bewertung vor acht Tagen mit einer Halteempfehlung aufgenommen. Das Analysehaus verwies auf niedrigere Gebührenrenditen durch das Wachstum bei passiven Anlagen und Cash-Produkten. Dieser Einwand betrifft die Zusammensetzung des Neugeschäfts: Entscheidend ist nicht allein dessen Umfang, sondern auch der Ertrag, den DWS daraus erzielen kann.
Die Quartalszahlen liefern für beide Sichtweisen Argumente. Die gesamten Nettomittelzuflüsse erreichten im dritten Quartal 2026 einen Rekord von 30,9 Milliarden Euro. Der Analystenkonsens hatte bei 15,1 Milliarden Euro gelegen.
Nach dem Handelsblatt unterstützte insbesondere die Nachfrage von Neobrokern nach Geldmarktfonds das Geschäft. DWS-Chef Stefan Hoops verwies auf diesen Wachstumstreiber. Auch passive Anlagen trugen wesentlich zum Zuflussrekord bei, während aktive Produkte netto ausgeglichen abschnitten.
Zuflüsse und Gewinn entwickeln sich unterschiedlich
Auch ohne Cash-Produkte und Beratungsdienste fiel das Neugeschäft stärker aus als erwartet. Die langfristigen Nettomittelzuflüsse betrugen 16,6 Milliarden Euro gegenüber einem Konsens von 12,6 Milliarden Euro.
Das relativiert eine rein auf Geldmarktprodukte gestützte Erklärung des Wachstums. Zugleich zeigt die Ergebnisentwicklung, weshalb der Zuflussrekord die Zweifel an der Ertragskraft nicht vollständig ausräumt.
Der Vorsteuergewinn erreichte 325 Millionen Euro und blieb damit hinter den erwarteten 345 Millionen Euro zurück. Gegenüber dem Vorquartal verbesserte sich das Ergebnis allerdings um 6 Prozent.
Die Enttäuschung liegt somit im Vergleich mit den Analystenschätzungen, nicht in einem durchgängigen Rückgang des Geschäfts. DWS steigerte das Vorsteuerergebnis sowohl gegenüber dem Vorquartal als auch gegenüber dem Vorjahr. Das reichte jedoch nicht aus, um die Erwartungen zu erfüllen.
Jahresziele verlangen weitere Effizienzfortschritte
Hoops bekräftigte die Ziele für 2026. DWS erwartet weiterhin ein Wachstum des Gewinns je Aktie von 10–15 Prozent. Nach den ersten neun Monaten lag der Zuwachs bereits bei 16 Prozent.
Bei der Effizienz bleibt dagegen Verbesserungsbedarf. Die Aufwand-Ertrags-Relation betrug nach neun Monaten 57,7 Prozent und lag damit oberhalb des Jahresziels von 55–57 Prozent.
Die bestätigten Erwartungen stehen unter der Annahme eines unterstützenden Marktumfelds. Für die Bewertung der UBS-Kaufempfehlung ist deshalb entscheidend, ob DWS das starke Neugeschäft mit besseren Erträgen und höherer Effizienz verbinden kann. Der Zuflussrekord belegt die Nachfrage; die Gewinnabweichung zeigt, dass deren wirtschaftlicher Nutzen gesondert beurteilt werden muss.
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