Die Börsendebatte über DroneShield kreist um die wachsende Nachfrage nach Drohnenabwehr; im Unternehmen beansprucht der Kapazitätsaufbau Mittel, während das bereinigte EBITDA im ersten Halbjahr 2026 negativ ausfiel. Im Gespräch mit Dieter Jaworski geht es darum, welchen Wert die inzwischen höhere Umsatzabsicherung hat und woran sich die Mittelverwendung unter dem neuen Management messen lassen muss.

DroneShield (AU000000DRO2) — Schlusskurse 04.05.2026 bis 30.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 30.10.2026.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Welche wirtschaftliche Substanz trägt bei DroneShield eine Bewertung, die bereits weiteres Wachstum voraussetzt?
Dieter Jaworski: Am stärksten trägt die inzwischen bessere Absicherung des Geschäfts. Zum 12. Oktober waren für 2026 insgesamt 261 Millionen australische Dollar Umsatz bereits realisiert oder durch bestätigte Bestellungen abgesichert. Diese Mischgröße darf man weder vollständig als verbuchten Umsatz noch als reinen Auftragsbestand behandeln.
Für meine Bewertung entscheidet allerdings zuerst, was das Management aus dem eingesetzten Geld macht. Das bereinigte EBITDA, also das um bestimmte Effekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, war im ersten Halbjahr 2026 negativ. Die Expansion beansprucht Mittel, bevor ihr Ertrag feststeht.
Die Nachfragebasis rechtfertigt aus meiner Sicht eine vorsichtig positive Einschätzung. Für einen großzügigen Bewertungsaufschlag reicht sie mir noch nicht. Besonders interessiert mich, ob die vorhandene Technik über laufende Softwareleistungen wirtschaftlich ergiebiger wird.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie stellen die Mittelverwendung unter Vorbehalt. Sind bestätigte Bestellungen nicht gerade die Rechtfertigung für den Ausbau, den Sie so kritisch betrachten?
Dieter Jaworski: Bestellungen begründen Kapazitätsbedarf. Dass damit auch die Höhe und Wirtschaftlichkeit jeder Ausgabe belegt wären, müssten Sie mir erst zeigen. Welcher Nachweis verbindet das zusätzliche Geschäft schon heute mit einem ausreichenden Ertrag auf das eingesetzte Geld?
Die europäische Auftragsfertigung hat beispielsweise einen nachvollziehbaren Zweck: Sie reagiert auf regionale Beschaffungspräferenzen. Solche Entscheidungen erkenne ich an.
Beim Vertrauen ins Management wiegen die früheren Insiderverkäufe für mich schwerer als die jüngste kleine Aktienausgabe. Die ASX-Korrespondenz dokumentiert umfangreiche Verkäufe im November 2025; der neue CEO Bean ist erst seit April 2026 im Amt und trägt dafür keine persönliche Verantwortung. Ihm rechne ich diese Vorgeschichte nicht persönlich an. Einen Freibrief für den Ausbau gibt es deshalb nicht.
Kapitalmarktexperten Redaktion: „Einen Freibrief für den Ausbau gibt es deshalb nicht.“ Wie wollen Sie dessen Wirtschaftlichkeit beurteilen, solange die neuen Kapazitäten erst anlaufen?
Dieter Jaworski: Ich verlange keinen sofortigen Vollertrag. Mein wichtigster Prüfstein ist die Bruttomarge: der Anteil des Umsatzes, der nach den direkten Leistungskosten übrig bleibt. Im ersten Halbjahr 2026 betrug sie rund 60 Prozent; der höhere Anteil zugekaufter Hardware hatte sie belastet.
Meine vorsichtig positive These braucht im nächsten veröffentlichten Halbjahresbericht eine Bruttomarge oberhalb dieser 60 Prozent. Bleibt diese Verbesserung aus, müsste ich meine Einschätzung zurücknehmen. Dann hätte der Ausbau für mich noch zu wenig wirtschaftliche Qualität gezeigt.
Das ist bewusst ein strenger Maßstab. Die gewachsene Bibliothek von Drohnensignaturen besitzt Substanz, und die Einbindung in Sicherheitsarchitekturen erschwert einen Anbieterwechsel. Ein höherer Umsatz mit zugekaufter Hardware kann diese Vorteile allerdings im Ergebnis verwässern.
Am liebsten sähe ich die Verbesserung deshalb durch eigene Software und wiederkehrende Leistungen gestützt. Das im Oktober gestartete Angebot Mission Ready Services muss diesen Beitrag erst belegen.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Am 30. Oktober wurden 250.000 Aktien aus Performance-Optionen ohne Mittelzufluss ausgegeben. Wie groß ist das Risiko, dass der Ausbau für Aktionäre durch solche Vergütungen zusätzlich teuer wird?
Dieter Jaworski: Diese konkrete Ausgabe ist wirtschaftlich klein. Die Verwässerung beträgt rund 0,03 Prozent. Daraus mache ich keine zentrale Belastung für den Aktienwert.
Wichtig ist die korrekte Einordnung: Dem Unternehmen fließt kein Geld zu, die Ausgabe finanziert also auch keinen Ausbau. Sie bedient bereits unverfallbar gewordene Vergütungsansprüche.
Ich würde die Beteiligung des Managements am langfristigen Erfolg stärker gewichten als diese einzelne Ausgabe. Die früheren Insiderverkäufe hinterlassen dabei einen ungünstigen Eindruck; weiterhin gehaltene Optionen beseitigen ihn für mich nicht. Aus den neuen Aktien allein lässt sich aber weder ein weiterer Verkauf noch mangelndes Vertrauen des heutigen Managements ableiten.
Kapitalmarktexperten Redaktion: DroneShield hat seine Technik über Jahre aufgebaut. Unterschätzen Sie diese Leistung, wenn Sie dem heutigen Management so wenig Vorschuss geben?
Dieter Jaworski: Die bisherige Leistung erkenne ich an. Gute Technik verdient Respekt. Die heutige Führung muss trotzdem zeigen, dass sie mit dem Geld der Eigentümer sorgfältig umgeht.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie verlangen im nächsten Halbjahresbericht eine Bruttomarge oberhalb von 60 Prozent. Welches Gesamturteil folgt daraus heute für die Aktie?
Dieter Jaworski: Ich bin vorsichtig zuversichtlich und würde DroneShield derzeit keinen großzügigen Bewertungsaufschlag zugestehen. Die abgesicherte Nachfrage gibt dem Ausbau eine Grundlage; den entscheidenden Beleg muss das Management bei der Ertragsqualität liefern. Für mein Urteil wiegt eine bessere Bruttomarge schwerer als die nächste große Auftragsmeldung.
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