Volle Auftragsbücher und eine milliardenschwere Vertriebspipeline treffen auf sinkende Kurse. Bei DroneShield klaffen operative Realität und die aktuelle Marktstimmung spürbar auseinander. Der australische Spezialist für Drohnenabwehr vollzieht gerade den Wandel vom Nischenanbieter zum etablierten Rüstungskonzern.
Neue Dimensionen im Vertrieb
Das Management hebt die Schwelle für Ad-hoc-Meldungen drastisch an. Künftig informiert das Unternehmen erst ab einem Auftragsvolumen von 20 Millionen Australischen Dollar. Die durchschnittliche Deal-Größe ist schlicht zu stark gewachsen. Jeder mittelgroße Vertrag rechtfertigt keine gesonderte Mitteilung mehr, was die Kommunikation an die Standards großer Rüstungsunternehmen anpasst.
Parallel dazu rollt DroneShield ein neues mobiles Anti-Drohnen-System aus. Die Technologie funktioniert damit erstmals abseits befestigter Straßen. Beide Schritte signalisieren eine klare Reifung des Geschäftsmodells.
An der Börse sorgte diese Entwicklung am Freitag nicht für Euphorie. Die Aktie gab um 2,64 Prozent auf 2,21 Euro nach. Auf Jahressicht steht allerdings weiterhin ein massives Plus von über 200 Prozent auf der Anzeigetafel. Der Kurs hält sich damit stabil über der 200-Tage-Linie.
Die Zurückhaltung der Investoren steht im Kontrast zur fundamentalen Lage. DroneShield verzeichnete das zweitbeste Quartal der Unternehmensgeschichte und schreibt seit vier Quartalen in Folge einen positiven operativen Cashflow.
Für das laufende Geschäftsjahr 2026 sind bereits Umsätze von knapp 155 Millionen Australischen Dollar fest verbucht. Die globale Vertriebspipeline ist auf 2,2 Milliarden Dollar angewachsen. Rund die Hälfte dieses Volumens entfällt auf Projekte in Europa und Großbritannien.
Software-Fokus und Führungswechsel
Zusätzliches Potenzial bietet der Vorstoß ins Software-Geschäft. Das KI-gestützte System RFAI-ATK durchläuft aktuell umfangreiche Kundentests. Ein erfolgreicher Start zur Jahresmitte würde dem Unternehmen wiederkehrende Einnahmen sichern – ein Modell, das Investoren im Rüstungssektor besonders schätzen.
Rückenwind kommt aus der Heimat. Die australischen Behörden überarbeiten derzeit die Sicherheitsrichtlinien für kritische Infrastruktur. Strengere Vorgaben, die bis Ende des Monats erwartet werden, dürften die inländische Nachfrage nach Abwehrsystemen weiter anheizen.
Am 29. Mai stellt sich das Management auf der Hauptversammlung in Sydney den Aktionären. Dort vollzieht sich auch ein personeller Umbruch. Nach zehn Jahren an der Spitze übergibt Chairman Peter James das Ruder an Hamish McLennan, der den rasanten Expansionskurs in Richtung der anvisierten Umsatzmilliarde steuern soll.
