Fast jeder zweite Aktionär stimmte gegen den Vergütungsbericht. Für DroneShield ist das ein erster Strike nach australischem Recht – und ein deutliches Signal, dass operative Erfolge allein die Governance-Sorgen nicht überdecken.
Die Hauptversammlung am 29. Mai brachte drei Beschlüsse durch, darunter die Wahl von Hamish McLennan in den Aufsichtsrat und die Ausgabe von Performance-Optionen an CEO Angus Bean. Doch beim Vergütungsbericht kippte die Stimmung: 48 Prozent der Stimmen gingen dagegen. In Australien gilt ein Wert über 25 Prozent bereits als erster Strike. 43 Prozent stimmten zudem gegen die Optionsgewährung an den Vorstandsvorsitzenden.
Ein zweiter Strike bei einer späteren Versammlung könnte eine Abberufung des gesamten Boards auslösen. Der Druck auf das Unternehmen, die Vergütungspraxis an die Aktionärserwartungen anzupassen, ist damit deutlich gestiegen.
Der Governance-Hintergrund
Der Gegenwind ist kein Zufall. Der Stimmrechtsberater Ownership Matters hatte bereits vor der Versammlung öffentlich gegen den Vergütungsbericht votiert. Parallel ermittelt die australische Finanzaufsicht ASIC in zwei Fällen: ob Ex-Vorstände im November 2025 Aktien im Wert von rund 70 Millionen Dollar mit möglichem Insiderwissen verkauften und ob das Unternehmen Umsätze doppelt verbuchte – eine Annonce über einen 7,6-Millionen-Dollar-Auftrag war später zurückgezogen worden.
DroneShield hat als Reaktion die Freigabeprozesse verschärft, Handelsperioden verlängert und ein Disclosure Committee eingerichtet. Der Aktienkurs notiert bei 2,04 Euro – rund 44 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 3,65 Euro. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 176 Prozent.
Operativ läuft es
Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Der Umsatz im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 stieg um 121 Prozent auf 74,1 Millionen Dollar. Die Kundenzahlungen schnellten um 360 Prozent auf 77,4 Millionen Dollar. Der operative Cashflow war mit 24,1 Millionen Dollar zum vierten Mal in Folge positiv. Die Bilanz ist schuldenfrei, die Kasse zeigt 222,8 Millionen Dollar.
Gesicherte Erlöse für das laufende Jahr: 154,8 Millionen Dollar. Die aktive Projektpipeline umfasst 312 Projekte in über 60 Ländern mit einem Gesamtwert von 2,2 Milliarden Dollar – Rekord.
Was jetzt zählt
Der nächste Quartalsbericht erscheint am 3. Juni. Noch im Laufe des Jahres könnte die geplante NATO-Beschaffung für Drohnenabwehrsysteme neue Aufträge bringen. Auch der US-amerikanische „Safer Skies Act“ könnte Tausende Sicherheitsbehörden als Kunden erschließen.
Analysten bleiben gespalten: Jefferies stuft DroneShield mit „Halten“ und einem Kursziel von 3,70 australischen Dollar ein, Bell Potter mit „Kaufen“ und 4,80 Dollar. Für den Vorstand wird der 3. Juni zum ersten Test, ob er das Vertrauensproblem in den Griff bekommt – oder ob die Governance-Schatten weiter wachsen.
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