Bei DroneShield prallen zwei Erzählungen aufeinander: ein wachsendes Auftragsbuch auf der einen Seite, eine wachsende Zahl von Wetten auf fallende Kurse auf der anderen. Die Aktie des australischen Anti-Drohnen-Spezialisten pendelt seit Wochen zwischen diesen beiden Lagern.
Am Donnerstag notiert das Papier bei 1,43 Euro, ein Plus von 0,49 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Gewinn von 1,63 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn hat die Aktie aber 27,83 Prozent verloren.
Zum Rekordhoch von 3,65 Euro aus dem Oktober 2025 fehlen mittlerweile 60,75 Prozent.
Short-Seller bauen Position aus
Short-Seller stocken derweil weiter auf. Zum Handelsstart am Dienstag lag der Anteil leerverkaufter DroneShield-Aktien bei 12,19 Prozent. Weil die australische Regulierungsbehörde ihre Daten erst mit vier Handelstagen Verzug veröffentlicht, stammt die aktuellste Zahl vom 7. Juli.
Allein an einem Handelstag kletterte die Quote um 0,25 Prozentpunkte. Trader bauten 2,31 Millionen neue Short-Positionen auf, umgerechnet rund 5,3 Millionen australische Dollar.
DroneShield ist von seinem Hoch bei 6,70 australischen Dollar bereits um 66 Prozent gefallen. Dennoch bringt der Konzern noch rund 2,10 Milliarden australische Dollar auf die Waage.
Ende März verfügte das Unternehmen über 223 Millionen australische Dollar in bar und war komplett schuldenfrei. Der daraus resultierende Unternehmenswert liegt bei etwa 1,88 Milliarden australische Dollar. Das entspricht dem 8,7-Fachen des Jahresumsatzes 2025 und dem 51-Fachen des EBITDA.
Auftragsbestand wächst auf 171 Millionen Dollar
Die Kaufargumente der Bullen stützen sich auf das wachsende Auftragsbuch. Zum 26. Mai hatte DroneShield für 2026 bereits 161 Millionen australische Dollar an gesichertem Umsatz vorliegen – ein Plus von 61 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Ein neuer Vertrag mit der US-Behörde Joint Interagency Task Force 401 über 24,9 Millionen australische Dollar brachte zusätzliche Substanz. Mindestens 10 Millionen australische Dollar davon fließen noch in diesem Jahr in die Bücher.
Damit steigt der für 2026 bereits gesicherte Umsatz auf mindestens 171 Millionen australische Dollar. Umgerechnet entspricht das etwa 79 Prozent des gesamten Jahresumsatzes von 2025.
Vorstandschef Angus Bean führt die starke Nachfrage der Kunden als Treiber an. Kunden suchten Systeme, die sich schnell einsetzen lassen und den Luftraum zuverlässig sichern, so Bean.
Umsatzmix bleibt Schwachstelle
Bären richten den Blick auf die Struktur der Erlöse. Im Jahr 2025 stammten 91 Prozent des Umsatzes aus Hardware-Verkäufen, nur 5 Prozent aus Abonnements und 4 Prozent aus Garantien und Services.
Auch beim bereits gesicherten Umsatz für 2026 machen wiederkehrende Erlöse laut Stand Mai nur 13 Prozent aus. Der Umsatzmix verbessert sich zwar, das Geschäft hängt aber weiterhin überwiegend am Timing und der Größe einzelner Hardware-Großaufträge.
Diese Abhängigkeit von unregelmäßigen Hardware-Deals steht im Zentrum der Debatte um die aktuelle Bewertung. Die Short-Seller stocken schließlich genau deshalb weiter auf.
Konkurrenz wächst
DroneShield ist nicht der einzige Profiteur steigender Ausgaben für Drohnenabwehr. Der Konkurrent Electro Optic Systems sicherte sich am 8. Juli einen Auftrag der australischen Regierung über 5,7 Millionen australische Dollar für sein System R400 Slinger.
EOS kommt auf eine Marktkapitalisierung von rund 1,78 Milliarden australische Dollar. Trotz großer Exportabschlüsse für seine Waffensysteme bleibt der Konkurrent damit kleiner als DroneShield.
Die Technologien unterscheiden sich deutlich. DroneShield setzt auf Funkerkennung, elektronische Kriegsführung und Steuerungssoftware, während Slinger auf ein Maschinengewehr und lasergelenkte Raketen setzt.
Charttechnik bleibt schwach
Charttechnisch bleibt der Titel angeschlagen. Der Kurs liegt 16,48 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,71 Euro.
Zum 200-Tage-Durchschnitt von 1,95 Euro fehlen sogar 26,51 Prozent. Der RSI-Wert von 40,2 zeigt weder überverkaufte noch stark nachgefragte Bedingungen an.
Seit dem Jahrestief von 0,82 Euro im November 2025 hat sich die Aktie immerhin um 73,82 Prozent erholt. Die annualisierte Volatilität von 67,27 Prozent zeigt aber, wie nervös der Markt das Papier weiterhin handelt.
Die Ausgangslage wirkt austariert. Landet ein weiterer großer, bestätigter Auftrag, könnten Short-Seller ihre Positionen eindecken müssen – ein Short-Squeeze wäre denkbar. Bleibt die nächste Bestätigung aus, sprechen Hardware-Abhängigkeit, hohe Bewertung und wachsende Konkurrenz weiter für die Bären. Die nächsten Vertragsmeldungen und die Quartalszahlen zu den Barmitteln liefern dafür die entscheidenden Datenpunkte.
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