Nach dem Rücksetzer vom Vortag dreht die Wall Street kräftig ins Plus. Der Dow Jones legt zum Handelsstart um 0,7 Prozent auf 51.829 Punkte zu, S&P 500 und Nasdaq ziehen sogar noch stärker an. Was am Mittwoch für Verkaufsdruck sorgte, entpuppt sich am Donnerstag als Stütze — ein Perspektivwechsel, der zeigt, wie nervös die Märkte derzeit auf jedes Fed-Signal reagieren.
Fed-Entscheid wirkt nach
Die US-Notenbank hatte am Vortag die Zinsen um 25 Basispunkte angehoben — die erste Erhöhung seit 2023. Zunächst hatte das die Kurse belastet. Inzwischen überwiegt die Lesart, dass die einstimmige Entscheidung des Offenmarktausschusses die Glaubwürdigkeit der Notenbank im Kampf gegen die Inflation gestärkt hat. Die Rendite zehnjähriger US-Anleihen fällt im Zuge dessen um sechs Basispunkte auf 4,95 Prozent, was Aktien zusätzlichen Rückenwind gibt.
Parallel dazu entspannt sich der Ölmarkt. Brent verbilligt sich um 3,0 Prozent auf 102,61 Dollar je Barrel, gestützt von der Aussicht auf eine schnellere Reparatur einer beschädigten Pipeline in Saudi-Arabien. Sinkende Energiekosten gelten als zusätzlicher Kaufanreiz für Anleger, die zuvor die Inflationsrisiken höherer Ölpreise fürchteten.
Die Konjunkturdaten liefern ein gemischtes Bild. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen niedriger aus als erwartet und signalisieren einen robusten Arbeitsmarkt. Der Philadelphia-Fed-Index sank im September zwar auf 37,8 Punkte, blieb aber deutlich über der von Volkswirten erwarteten Marke von 34,0. Die Baubeginne im August enttäuschten dagegen mit einem Rückgang um 2,6 Prozent, während ein Anstieg erwartet worden war.
Einzelwerte treiben den Index
Chip- und Speicherwerte gehören zu den Gewinnern der Erholung. Berichte über eine mögliche Kooperation zwischen SK Hynix und Intel beflügeln die Branche, Aktien wie Advanced Micro Devices oder Marvell legen zeitweise um bis zu 6,2 Prozent zu. Generac schießt nach einem milliardenschweren Liefervertrag für Amazon-Rechenzentren um mehr als 24 Prozent nach oben, während Salesforce trotz optimistischer Umsatzziele für 2030 rund 3,3 Prozent verliert.
Die Stimmung am Markt bleibt fragil zwischen zwei Polen: Vertrauen in die Fed-Strategie einerseits, Sorge vor weiteren Zinsschritten andererseits. Ob die Erholung über den Handelstag hinaus trägt, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie sich die Ölpreise und die Anleiherenditen in den kommenden Tagen entwickeln.
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