Die globalen Finanzmärkte erleben turbulente Tage: Der Dollar rutscht auf ein Vier-Monats-Tief, während der Yen die stärksten Zugewinne seit Monaten verzeichnet. Im Zentrum steht die Spekulation über eine historische koordinierte Währungsintervention zwischen den USA und Japan – ein Manöver, das es seit 15 Jahren nicht mehr gab. Gleichzeitig setzt die erratische Politik der Trump-Administration den Märkten weiter zu.
Intervention im Fokus: Yen springt dramatisch
Der japanische Yen schoss am Montag um bis zu 1,6 Prozent nach oben und erreichte mit 153,30 je Dollar den höchsten Stand seit Mitte November. Auslöser waren Berichte, wonach die New York Federal Reserve am Freitag sogenannte „Rate Checks“ bei Händlern durchgeführt hatte – klassischerweise ein Vorbote für Marktinterventionen. Seit Freitag hat die japanische Währung über drei Prozent zugelegt.
Japans Währungsdiplomaten bestätigten am Montag eine „enge Koordination“ mit Washington, ohne Details zu den Rate Checks preiszugeben. Finanzministerin Satsuki Katayama sprach von „dringlicher Beobachtung“ der Devisenmärkte, während Vize-Finanzminister Atsushi Mimura auf das gemeinsame Statement vom September 2025 verwies. Darin hatten beide Länder marktorientierte Wechselkurse bekräftigt, aber Interventionen bei „exzessiver Volatilität“ ausdrücklich offengelassen.
Das Besondere: Sollte Washington tatsächlich in eine Yen-Intervention einsteigen, wäre dies das erste Mal seit dem Fukushima-Erdbeben im März 2011. Damals intervenierte die USA gemeinsam mit anderen Ländern, um den Yen nach der Katastrophe zu schwächen. Heute geht es um das Gegenteil – eine Stärkung der japanischen Währung.
Trumps Politik destabilisiert den Dollar
Während der Yen profitiert, gerät der Dollar aus mehreren Richtungen unter Beschuss. Der Dollar-Index, der die US-Währung gegen sechs Hauptwährungen misst, fiel am Montag um 0,24 Prozent auf 96,99 Punkte – ein Vier-Monats-Tief. Analysten sehen darin das Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die sich schneller als erwartet materialisieren.
Präsident Donald Trump sorgt mit seiner unberechenbaren Politik für anhaltende Nervosität. Allein im Januar drohte er, Grönland unter Kontrolle zu bringen und Europäern Strafzölle aufzuerlegen, leitete ein Strafverfahren gegen Fed-Chef Jerome Powell ein und ordnete die Festnahme des venezolanischen Präsidenten an. Am Wochenende drohte er Kanada mit 100-prozentigen Zöllen, sollte Ottawa ein Handelsabkommen mit China schließen – eine Drohung, die Premierminister Mark Carney zurückwies.
Hinzu kommt die politische Unsicherheit um die Fed selbst. Powell tritt im Mai ab, und Online-Wettmärkte sehen mittlerweile BlackRock-Manager Rick Rieder mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit als Nachfolger – ein bekannter Befürworter niedrigerer Zinsen, ganz im Sinne Trumps. Vor einer Woche lag Rieders Wahrscheinlichkeit noch unter zehn Prozent.
Flucht in Gold – Rekorde ohne Ende
Die Verunsicherung treibt Anleger in alternative Sicherheitshäfen. Gold durchbrach am Montag erstmals die Marke von 5.100 Dollar je Unze und erreichte ein Rekordhoch von 5.110,50 Dollar – ein Plus von 2,15 Prozent. Allein im Januar kletterte das Edelmetall um fast 18 Prozent. „Solange fiskalische Dominanz, geopolitische Fragmentierung und die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken infrage stehen, dürften Edelmetalle im Zentrum dieses perfekten Sturms bleiben – nicht nur als Absicherung, sondern als Alternative“, erklärte Daniela Hathorn, Marktanalystin bei Capital.com.
Auch Silber erreichte neue Höchststände. Die Flucht aus dem Dollar zeigt sich ebenfalls an anderen Währungen: Der Euro stieg um 0,42 Prozent auf 1,1876 Dollar, das britische Pfund kletterte auf 1,3696 Dollar, und der australische Dollar erreichte den höchsten Stand seit September 2024.
Japans fiskalisches Dilemma verschärft Lage
Der Druck auf den Yen hat tiefere Ursachen. Seit Premierministerin Sanae Takaichi im Oktober das Amt übernahm, steht die japanische Währung unter Druck – nicht zuletzt wegen Sorgen um Japans Staatsverschuldung, die mehr als das Doppelte der Wirtschaftsleistung beträgt. Ein historischer Anstieg der Marktzinsen nährt Ängste über Japans Fähigkeit, seine Schulden zu bedienen. Doch Takaichi verspricht im Wahlkampf vor der Wahl am 8. Februar Steuersenkungen statt Konsolidierung.
Geldmarktdaten der Bank of Japan vom Montag deuteten allerdings darauf hin, dass die Yen-Sprünge am Freitag wohl nicht auf offizielle japanische Interventionen zurückzuführen waren. Die Rate Checks der New York Fed allein genügten offenbar, um Short-Positionen im Yen massenhaft aufzulösen.
Fed-Entscheidung und Tech-Earnings voraus
Während die Währungsmärkte im Fokus stehen, richtet sich der Blick auch auf die Fed-Sitzung am Mittwoch. Eine Änderung der Zinsen wird nicht erwartet – laut CME FedWatch Tool liegt die Wahrscheinlichkeit bei nahezu null. Dennoch dürften Powells Kommentare zur künftigen Geldpolitik genau beobachtet werden, zumal die Ermittlungen der Trump-Administration gegen ihn und der drohende Abgang von Fed-Gouverneurin Lisa Cook die Unabhängigkeit der Notenbank infrage stellen.
Parallel dazu stehen Schwergewichte wie Microsoft, Apple, Tesla und Meta Platforms mit ihren Quartalszahlen auf der Agenda. Investoren erwarten erste konkrete Erträge aus den massiven KI-Investiionen der Tech-Riesen – 2026 gilt als „Show-me-Jahr“ für die Branche.
An den US-Börsen zeigten sich die Anleger am Montag dennoch optimistisch: Der Dow Jones stieg um 0,49 Prozent auf 49.340 Punkte, der S&P 500 legte 0,54 Prozent auf 6.953 Punkte zu, und der Nasdaq kletterte um 0,53 Prozent auf 23.625 Punkte. Der globale MSCI-Index erreichte die vierte Gewinnsitzung in Folge.
Fazit: Dollar-Schwäche wird zum Dauerthema
Die Kombination aus möglicher Yen-Intervention, Trumps unberechenbarer Politik und wachsender Unsicherheit über die Fed-Führung macht den Dollar zum Spielball widerstreitender Kräfte. Barclays-Analysten warnen: „Während eine vorsichtig hawkische Haltung der Fed zusammen mit robusten Daten dem Dollar etwas Unterstützung bieten könnte, dürfte jede potenzielle Intervention am Yen-Markt das ohnehin schwache Bild für den Dollar weiter verschlechtern.“
Kein Wunder also, dass Gold glänzt und Anleger weltweit ihre Dollar-Exposition überdenken. Das dürfte spannend werden – besonders mit Blick auf die kommenden Monate.
