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Dollar unter Dreifachdruck

Der Dollar leidet unter Rekordschulden, drohenden Iran-Sanktionen und einem neuen Handelskonflikt mit Kanada. Fed-Sitzung und Nvidia-Zahlen könnten die Lage weiter verschärfen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Dollar nahe Mehrmonatstief
  • US-Schuldenlast treibt Renditen
  • Sanktionsdrohung gegen Iran
  • Handelsstreit mit Kanada eskaliert

Ein wankender Dollar, ballonierende Staatsschulden und ein drohender Wirtschaftskrieg gegen Iran – die Finanzmärkte starten mit einem ungewöhnlich dichten Krisenpaket in die Woche. Hinzu kommt ein Handelskonflikt mit Kanada, der aus dem Nichts eskaliert ist. Anleger fragen sich, welches dieser Risiken zuerst kippt – und was das für die Weltleitwährung bedeutet.

Schuldensorgen treiben Dollar-Schwäche

Der Dollar notiert nahe mehrmonatiger Tiefstände, nachdem das US-Finanzministerium angekündigt hat, künftig mehr langlaufende Anleihen zurückzukaufen. Was nach einer technischen Randnotiz klingt, hat Investoren aufgeschreckt. Die Rückkäufe am langen Ende wurden auf vier Milliarden Dollar pro Operation verdoppelt – lächerlich klein gemessen an einem 32-Billionen-Dollar-Markt, aber als Signal brisant.

Die Rendite 30-jähriger Staatsanleihen kletterte zuletzt auf fast 5,34 Prozent, den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten, bevor sie sich um die 5,27 Prozent einpendelte. Grund sind eine robuste Konjunktur, steigende Inflationserwartungen und wachsende Nervosität über die Schuldenlast der USA. Washingtons Versuch, die Zinsen künstlich zu drücken, wirkt dabei wie Öl im Feuer.

„Die Versuche des US-Finanzministeriums, die langfristigen Anleiherenditen künstlich niedrig zu halten, scheinen den Dollar-Abwertungshandel neu zu entfachen“, kommentierte Shane Oliver von AMP. Genau dieser Trade treibt Gold und Bitcoin nach oben: Der Dollar verlor am Wochenende so stark gegenüber Bitcoin wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr, während Gold bei rund 4.623 Dollar je Feinunze notiert – ein Kursgewinn von über 14 Prozent allein im laufenden Monat. Sollte sich das bis Ende August halten, wäre es der größte Monatsgewinn der Geschichte.

Der Euro behauptet sich komfortabel über 1,16 Dollar, der Yen bleibt auf der starken Seite von 159 je Dollar, und der chinesische Yuan markierte vergangene Woche seinen achten Wochenanstieg in Folge. Kein Wunder also, dass der Dollar-Index in der Vorwoche 0,8 Prozent verlor – die Kapitalflucht aus der US-Währung nimmt sichtbare Formen an.

Iran-Sanktionen belasten Ölmärkte

Parallel zur Schuldendebatte bereitet Washington den nächsten Schlag gegen Iran vor. US-Finanzminister Scott Bessent kündigte in der Financial Times ein „ökonomisches D-Day“ an – die nach eigenen Worten härteste Sanktionsoffensive aller Zeiten. Am Nachmittag will er Details bekanntgeben und Länder ins Visier nehmen, die weiterhin mit Teherans Wirtschaft kooperieren.

Iran reagierte trotzig. Mohsen Resaei, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats, drohte, im Falle einer Fortsetzung des Wirtschaftskriegs „keinen einzigen Tropfen Öl“ mehr durch die Straße von Hormus oder aus dem gesamten Persischen Golf exportieren zu lassen. Die Wasserstraße, durch die ein erheblicher Teil der weltweiten Ölversorgung läuft, kommt ohnehin schon fast zum Erliegen – Schiffsbewegungen liegen deutlich unter Vorkriegsniveau.

Die Ölpreise reagierten prompt: Brent fiel rund ein Prozent auf etwa 93,40 Dollar, US-Rohöl gab ähnlich stark nach, nachdem beide Sorten in der Vorwoche noch kräftig zugelegt hatten. Bleibt die Sanktionsliste zahnlos – etwa weil China oder Indien ausgespart werden –, dürfte der Ölpreis schnell wieder anziehen. Genau hier liegt die Krux: Peking bezieht die Hälfte seiner Ölimporte aus der Golfregion, doch Bessent vermied es bislang auffällig, China oder Russland namentlich zu erwähnen. Ein Sprecher der chinesischen Botschaft in Washington konterte bereits, „Sanktionen und Druck“ würden das Problem nicht lösen, und forderte Diplomatie.

Handelskrieg mit Kanada verschärft die Gemengelage

Als wäre das nicht genug, ist mit Kanada ein weiterer Konflikt eskaliert. Nach dem Zusammenbruch der Handelsgespräche verhängten die USA 50 Prozent Zölle auf kanadische Güter, Ottawa antwortete postwendend mit Gegenzöllen auf Stahl, Milchprodukte, Haushaltsgeräte, Landmaschinen sowie Zellstoff- und Papierprodukte. Der kanadische Dollar gab zunächst leicht nach, auf 1,3798 je US-Dollar, erholte sich aber rasch wieder.

Premierminister Mark Carney dürfte darauf setzen, dass ein zusätzlicher Handelskrieg neben dem laufenden Iran-Konflikt bei US-Verbrauchern, die ohnehin unter hohen Lebenshaltungskosten leiden, schlecht ankommt – wenige Wochen vor den Zwischenwahlen ein politisch heikles Timing für Washington.

Blick nach Jackson Hole und auf Nvidia

Über allem schwebt die Frage, wie die US-Notenbank auf die Anleihe-Turbulenzen reagiert. Fed-Chef Kevin Warsh spricht am Freitag in Jackson Hole, und Marktteilnehmer erhoffen sich Hinweise zur Zinspolitik. Viel dürfte er dazu allerdings nicht sagen: Warsh gilt als Verfechter eines „Regimewechsels“ bei der Fed und dürfte sich eher zur Bilanzsumme äußern als zu konkreten Zinsschritten. Aktuell preisen die Märkte eine rund 40-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September ein, bis Dezember gilt eine Bewegung als nahezu sicher.

Brisant wird es, wenn Warsh mit Bessents Rückkaufplänen konfrontiert wird. Während der Finanzminister versucht, die Finanzierungsbedingungen zu lockern, scheint sich die Fed eher auf den Anleihemarkt zu verlassen, um die Politik zu straffen – ein Widerspruch, der für Diskussionsstoff sorgen dürfte. Auch die Bank of Japan steht im Fokus: Vize-Gouverneur Ryozo Himino spricht am Donnerstag, und Beobachter erwarten Signale für eine weitere Zinserhöhung im September.

Zusätzliche Nervosität liefert Nvidia. Der Chiphersteller legt am Mittwoch Zahlen vor, Analysten rechnen mit einer nahezu verdoppelten Quartalsumsatz von rund 92 Milliarden Dollar. Optionsmärkte preisen einen Kursausschlag von 5 bis 6,5 Prozent in beide Richtungen ein – ein Gradmesser dafür, wie angespannt die Erwartungen an die Tech-Branche insgesamt sind.

Ausblick

Die kommenden Tage dürften zeigen, ob sich die Risiken gegenseitig verstärken oder neutralisieren. Bleibt die Iran-Sanktionsliste wirkungslos, könnte der Ölpreis wieder steigen und die Inflationssorgen anheizen – just zu dem Zeitpunkt, an dem die Fed über ihren nächsten Schritt entscheidet. Gleichzeitig bleibt offen, ob Bessents Anleihe-Rückkäufe den Dollar stabilisieren oder die Abwertungsspirale weiter befeuern. Für Anleger heißt das: Diese Woche liefert gleich mehrere potenzielle Weichenstellungen auf einmal.

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Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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