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Dollar-Stärke trifft nervöse Märkte

Der US-Dollar verzeichnet seine stärkste Woche seit Monaten und löst eine weltweite Flucht aus risikoreichen Anlagen aus. Tech-Crash, Krypto-Einbruch und politische Risiken in Japan und Indonesien belasten die Stimmung.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Dollar-Index steigt auf Zweiwochenhoch
  • Tech-Aktien unter massivem Verkaufsdruck
  • Bitcoin fällt auf tiefsten Stand seit Oktober
  • Japan-Wahl als nächster Risikofaktor

Die globalen Finanzmärkte durchleben turbulente Zeiten: Während der US-Dollar seine stärkste Woche seit Monaten verzeichnet, ziehen sich Investoren aus risikoreichen Anlagen zurück. Die Verunsicherung reicht von den Technologiebörsen über Kryptowährkte bis zu den asiatischen Schwellenländern – und ein entscheidender Wahlsonntag in Japan könnte die Lage weiter verschärfen.

Dollar profitiert von globaler Risikoscheu

Der Dollar-Index kletterte am Freitag auf ein Zweiwochenhoch von 97,96 Punkten und steuert auf einen Wochengewinn von rund einem Prozent zu – die stärkste Performance seit Mitte November. Dahinter steckt mehr als nur wirtschaftliche Stärke: Investoren flüchten aus risikoreichen Positionen, nachdem die Tech-Branche unter massiven Verkaufsdruck geraten ist.

„Der Markt erlebt gerade eine massive Positionsbereinigung“, erklärt Prashant Newnaha, Asien-Pazifik-Stratege bei TD Securities. „Short-Positionen im Dollar waren ein Konsensus-Trade – und genau solche Wetten werden nun aufgelöst, während sich die Stimmung von Risk-on zu Risk-off dreht.“

Paradoxerweise profitiert der Greenback trotz schwächelnder US-Konjunkturdaten. Die jüngsten Arbeitsmarktindikatoren fielen enttäuschend aus: Die Outplacement-Firma Challenger, Gray & Christmas meldete für Januar die höchsten angekündigten Entlassungen seit 17 Jahren für diesen Monat. Das verzögerte Arbeitsmarktberichterstattung aufgrund eines Regierungs-Shutdowns verstärkt die Unsicherheit zusätzlich.

Die Fed-Funds-Futures preisen mittlerweile eine 22,7-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung bei der März-Sitzung ein – deutlich höher als die 9,4 Prozent vom Vortag. Ökonomen von ING warnen, dass die Notenbank möglicherweise zu früh die Risiken für den Arbeitsmarkt heruntergespielt habe.

Tech-Crash erschüttert Risikoappetit

Die Ursache der globalen Flucht in sichere Häfen liegt vor allem in Silicon Valley. Massive Zweifel an den milliardenschweren KI-Investitionen haben Tech-Aktien auf Talfahrt geschickt. Amazon-Aktien brachen nachbörslich um 15 Prozent ein, nachdem der Konzern einen Anstieg der Investitionsausgaben um mehr als 50 Prozent ankündigte.

„Investoren preisen plötzlich drei Schocks gleichzeitig ein“, analysiert Charu Chanana, Chefanlagestratege bei Saxo. „Die Prüfung der Big-Tech-Investitionen, KI-Disruptions-Risiken im Software-Sektor jenseits des Produktivitäts-Hypes und eine durch Silber ausgelöste Liquiditäts-Krise. Das sieht nach einer Positionsbereinigung aus, bei der überfüllte Engagements über alle Anlageklassen hinweg abgebaut werden.“

Die Nervosität erfasste auch die asiatischen Märkte: Der südkoreanische KOSPI stürzte zwischenzeitlich um fünf Prozent ab und löste einen Handelsstopp aus. Nur Japans Nikkei 225 trotzte dem Trend mit einem Plus von 0,6 Prozent – getrieben von Spekulationen vor der Wahl am Sonntag.

Krypto-Winter kehrt zurück

Bitcoin testete die psychologisch wichtige 60.000-Dollar-Marke und fiel auf den tiefsten Stand seit Oktober 2024. Mit einem Wochenminus von 16 Prozent erlebt die Kryptowährung den schärfsten Einbruch seit November 2022. Ethereum rutschte sogar auf ein Zehn-Monats-Tief.

Der gesamte Kryptomarkt hat seit seinem Oktober-Höchststand von 4,4 Billionen Dollar rund 2 Billionen Dollar an Wert verloren – allein im vergangenen Monat ging über eine Billion Dollar verloren. US-Bitcoin-ETFs verzeichneten laut Deutsche Bank im Januar Abflüsse von über drei Milliarden Dollar, nachdem bereits im November und Dezember insgesamt neun Milliarden Dollar abgezogen wurden.

„Bitcoin unter 60.000 Dollar bedeutet nicht, dass Krypto stirbt“, kommentiert Joshua Chu, Co-Vorsitzender der Hong Kong Web3 Association. „Es ist die Rechnung für diejenigen, die Bitcoin als Einweg-Asset ohne echte Risikokontrolle behandelt haben – genau wie wir scharfe Korrekturen bei Gold und Silber gesehen haben, als Hebelwirkung und Narrative der Realität davonliefen.“

Indonesien unter Druck

Die Schwellenländer bekommen die Verwerfungen besonders zu spüren. Indonesiens Märkte rutschten am Freitag erneut ab, nachdem Moody’s den Ausblick für die größte Volkswirtschaft Südostasiens von stabil auf negativ gesenkt hatte. Der Jakarta Composite Index brach um drei Prozent ein, die Rupiah fiel auf den schwächsten Stand seit Ende Januar.

Die Ratingagentur begründete den Schritt mit „verringerter Vorhersehbarkeit in der Politikgestaltung“ und Sorgen um schwächere Governance – nur Tage nachdem MSCI Transparenzprobleme angemahnt hatte, die einen 80-Milliarden-Dollar-Crash am Aktienmarkt ausgelöst hatten.

Präsident Prabowo Subiantos ehrgeizige Wachstumsziele von acht Prozent stoßen bei internationalen Investoren auf Skepsis. Besonders beunruhigend: das wachsende Haushaltsdefizit und Fragen zur Unabhängigkeit der Zentralbank. Ausländische Anleger haben seit der Vorwoche netto rund 860 Millionen Dollar aus indonesischen Aktien abgezogen.

„Die Moody’s-Herabstufung ist ein Warnschuss, der andere Ratingagenturen veranlassen könnte zu folgen“, warnen Ökonomen der OCBC. „Die Reaktionen der Behörden werden noch genauer beobachtet, da glaubwürdige politische Entscheidungen notwendig bleiben, um eine Ratingherabstufung innerhalb der nächsten zwölf bis achtzehn Monate zu vermeiden.“

Japan-Wahl als Risikofaktor

Der Yen stabilisierte sich bei 156,74 pro Dollar, bleibt aber auf Wochensicht mit einem Minus von über einem Prozent unter Druck – dem stärksten Rückgang seit Oktober. Am Sonntag steht die Parlamentswahl an, bei der Premierministerin Sanae Takaichi laut Umfragen vor einem deutlichen Sieg steht. Ihre Koalition könnte rund 300 der 465 Sitze gewinnen.

Donald Trump hat Takaichi bereits seine „vollständige und totale Unterstützung“ ausgesprochen und ein Treffen im Weißen Haus für den 19. März angekündigt. Doch die Märkte bleiben nervös: Takaichis Pläne zur Aussetzung der achtprozentigen Verbrauchssteuer auf Lebensmittel könnten die Staatseinnahmen um geschätzte 30 Milliarden Dollar belasten – bei einer Staatsverschuldung, die bereits die höchste der entwickelten Welt ist.

„Ein überragender Wahlsieg wird kurzfristige Beschränkungen von Takaichis fiskalischen Zielen reduzieren“, prognostiziert Samara Hammoud, Währungsstrategin bei CBA. „Wichtig ist: Es bleibt unklar, wie Takaichi die expansive Fiskalpolitik finanzieren will. Erneute Sorgen um Japans wachsende Staatsverschuldung werden auf Staatsanleihen und den Yen lasten.“

Immerhin: Japans Wirtschaft dürfte im vierten Quartal 2025 mit einem annualisierten Plus von 1,6 Prozent zur Wachstum zurückgekehrt sein, wie eine Reuters-Umfrage zeigt. Robuste Unternehmensinvestitionen und eine BOJ-Stimmungsumfrage, die das höchste Vertrauen großer Hersteller seit vier Jahren zeigte, unterstützen diese Prognose. Die offiziellen BIP-Daten kommen am 16. Februar.

Zentralbanken in Wartestellung

Während die Märkte wanken, halten sich die großen Zentralbanken zurück. Die Europäische Zentralbank beließ die Zinsen am Donnerstag wie erwartet unverändert und spielte den Einfluss von Dollarwechselkursen auf künftige Entscheidungen herunter. Der Euro notierte bei 1,1784 Dollar.

Überraschender verlief die Sitzung der Bank of England: Die Entscheidung, Zinsen stabil zu halten, fiel mit einem unerwartet knappen 5:4-Votum. Das Pfund erholte sich leicht auf 1,3520 Dollar, nachdem es am Vortag fast ein Prozent verloren hatte. Die BoE deutete an, dass die Kreditkosten sinken könnten, falls der erwartete Rückgang der Inflation anhält.

Das große Bild bleibt düster: Investoren ziehen sich aus allen Bereichen zurück, die in den vergangenen Monaten als sichere Gewinnbringer galten. Ob Tech-Aktien, Kryptowährungen oder selbst vermeintliche Sicherheitshäfen wie Edelmetalle – nirgendwo scheint das Geld mehr sicher. Und mit der Japan-Wahl am Sonntag steht ein weiterer potenzieller Belastungstest für die ohnehin fragilen Märkte bevor.

Dr. Robert Sasse

Dr. Robert Sasse ist promovierter Ökonom und Unternehmer mit umfassender Expertise in Finanzmärkten und Wirtschaftstheorie. Seine akademische Ausbildung verbindet er mit praktischer Unternehmenserfahrung, um fundierte Analysen zu langfristigen Anlagestrategien zu liefern.

Als Verfechter einer marktwirtschaftlichen Ordnung fokussiert sich Dr. Sasse auf die Vermittlung von Strategien für nachhaltigen Vermögensaufbau durch Aktieninvestments. Seine wissenschaftlich fundierten Beiträge auf stock-world.de richten sich an Anleger, die eigenverantwortliche, informierte Entscheidungen für ihre finanzielle Zukunft treffen möchten.

Dr. Sasse spezialisiert sich auf die verständliche Aufbereitung komplexer ökonomischer Zusammenhänge und die praktische Anwendung von Investmentstrategien für die Altersvorsorge. Sein Ansatz kombiniert theoretisches Wissen mit klarem Praxisbezug, um Lesern Orientierung in einem dynamischen Marktumfeld zu bieten.

Mit seiner Expertise unterstützt er Anleger dabei, die Chancen des Kapitalmarkts systematisch und langfristig zu nutzen – unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen.