Acht Prozent nach oben in einer einzigen Handelssitzung — DocMorris liefert Zahlen, die selbst optimistische Analysten übertreffen. Der Grund: ein Rezeptgeschäft in Deutschland, das um mehr als 40 Prozent zulegt und damit zum eigentlichen Motor des Konzerns wird.
Im zweiten Quartal 2026 steigerte die Versandapotheke ihren Außenumsatz um 12,4 Prozent auf 309,7 Millionen Franken, umgerechnet rund 335 Millionen Euro. Wechselkursbereinigt liegt das Plus sogar bei 15,2 Prozent — und damit deutlich über dem, was Analysten für das Quartal erwartet hatten. Zum Vergleich: Im ersten Quartal hatte das währungsbereinigte Wachstum noch bei knapp elf Prozent gelegen. Die Dynamik nimmt also zu, nicht ab.
Rezeptgeschäft als Wachstumstreiber
Der Hauptmarkt Deutschland bleibt der entscheidende Hebel. Dort kletterten die Verkäufe um 13 Prozent auf 292,2 Millionen Franken, getragen vom Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten. Dieses Segment gilt intern als wichtigster Wachstumstreiber und legte um gut 43 Prozent zu.
Ein Analyst von Jefferies wertet die Entwicklung als Beleg dafür, dass sich der gezieltere Einsatz eines reduzierten Marketingbudgets auszahlt — DocMorris wächst also nicht mehr nur durch höhere Werbeausgaben, sondern durch strukturelle Nachfrage. Im Europa-Geschäft außerhalb Deutschlands fällt das Bild deutlich verhaltener aus: Hier stieg der Umsatz nur um knapp drei Prozent. Digitale Dienstleistungen gewinnen an Bedeutung, tragen aber weiterhin nur einen kleinen Teil zum Gesamtumsatz bei.
Verlust schrumpft, Ziel bleibt Ebitda-Gewinnschwelle
Neben dem Umsatzwachstum verringerte sich auch der operative Verlust. Finanzvorstand Daniel Wüest bestätigte frühere Aussagen, wonach der Konzern beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen im Laufe des Jahres 2026 die Gewinnschwelle erreichen will. Nach den aktuellen Zahlen bezeichnet das Unternehmen sich selbst als „voll auf Kurs“.
Die Marktreaktion fällt entsprechend deutlich aus. Neben DocMorris profitierte auch der Konkurrent Redcare Pharmacy von den Aussagen und zog an der SDAX-Spitze an — ein Zeichen, dass die Zahlen als positives Signal für die gesamte Branche der Online-Apotheken gelesen werden.
Am 19. August legt DocMorris die Halbjahresergebnisse vor. Dann will der Konzern konkretisieren, wie sich das Wachstum der ersten sechs Monate sowie die jüngst angekündigte KI-Strategie auf die Jahresziele für 2026 auswirken.
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