Diginex tauscht die Unternehmensspitze aus – und das zu einem denkbar heiklen Zeitpunkt. Lubomila Jordanova, erst im Januar zur CEO ernannt, trat gestern mit sofortiger Wirkung zurück. Die bisherige Chief Impact Officer Archana Kotecha übernimmt interimistisch die Führung, wie das Unternehmen mitteilte.
Der Wechsel kommt inmitten einer entscheidenden Phase für Diginex. Das Unternehmen arbeitet an der Übernahme von Resulticks, für die bereits ein Nasdaq-Listing-Antrag zur Genehmigung der Kontrollveränderung eingereicht wurde. Ein Kaufvertrag mit der Equity-Holderin von Resulticks wurde bereits unterzeichnet. Am 8. Oktober sollen die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über die Transaktion abstimmen.
Führungswechsel nach kurzer Amtszeit
Jordanova hatte Diginex erst seit Jahresbeginn geführt und das Unternehmen durch die Integration dreier strategischer Zukäufe gesteuert: Matter DK ApS, Plan A.earth GmbH und The Remedy Project Limited. Nach nur acht Monaten im Amt endet ihre Tätigkeit nun abrupt. Zu den Gründen für den Rücktritt äußerte sich Diginex nicht näher.
Kotecha, die bislang als Chief Impact Officer fungierte, übernimmt die Geschäfte kommissarisch. Ob sie die Position dauerhaft besetzen wird oder Diginex eine externe Nachbesetzung anstrebt, ist offen. Für Anleger bedeutet der Führungswechsel zusätzliche Unsicherheit in einer ohnehin komplexen Übernahmesituation.
Resulticks-Deal bleibt zentrales Thema
Die Geschäftszahlen für das Geschäftsjahr 2026, das per 31. März endete, hatte Diginex am vergangenen Sonntag vorgelegt: Der Umsatz stieg um 77 Prozent auf 3,6 Millionen US-Dollar, getragen von Software- und Datengeschäft sowie Beiträgen der zugekauften Firmen.
Gleichzeitig weitete sich der Nettoverlust auf 31,1 Millionen US-Dollar aus, der bereinigte EBITDA-Verlust lag bei 13 Millionen US-Dollar – belastet unter anderem durch eine Wertminderung von 7 Millionen US-Dollar auf den Zukauf Matter.
Die Finanzierung der Resulticks-Übernahme steht auf mehreren Säulen: Diginex sicherte sich private Finanzierungszusagen über 70 Millionen US-Dollar, davon 20 Millionen US-Dollar direkt für das Unternehmen sowie 50 Millionen US-Dollar über Resulticks selbst. Als Gegenleistung für die Übernahme sind 600 Millionen neue Diginex-Stammaktien zu je 1,75 US-Dollar vorgesehen – eine Struktur, die bestehende Aktionäre erheblich verwässern dürfte.
Kursreaktion ohne klaren Auslöser
Die Diginex-Aktie schloss am Mittwoch bei 1,36 US-Dollar, nach einem Tagesgewinn von 16 Prozent. Auf Wochensicht steht damit ein Plus von 9,7 Prozent zu Buche, während sich der Kurs über 30 Tage kaum verändert zeigt. Ein konkreter Auslöser für den jüngsten Kurssprung lässt sich nicht eindeutig festmachen – der CEO-Wechsel wurde bereits vor dem Handelstag bekannt, größere Deal-Nachrichten liegen bereits einige Wochen zurück.
Mit einer annualisierten Volatilität von 116 Prozent bleibt das Papier hochspekulativ. Die Marktkapitalisierung liegt derzeit bei knapp 29,9 Millionen Euro – ein Wert, der angesichts der geplanten massiven Aktienausgabe im Zuge des Resulticks-Deals stark in Bewegung geraten dürfte.
Anleger müssen bis zur Hauptversammlung am 8. Oktober mit erhöhter Unsicherheit rechnen, sowohl was die Führung als auch was die endgültige Ausgestaltung der Übernahme betrifft.
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