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Diginex Aktie: 600 Millionen Aktien für Resulticks

Diginex übernimmt Resulticks für 1,05 Mrd. USD in Aktien und plant Kapitalerhöhung. Der Kurs fällt um 13 Prozent, während der Umsatz um 77 Prozent wächst.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Übernahme für 1,05 Milliarden Dollar
  • Kapitalerhöhung über 20 Millionen Dollar
  • Kursrutsch von 13 Prozent am Freitag
  • Umsatzplus von 77 Prozent im Geschäftsjahr

Es gibt Wochen, in denen ein Unternehmen mehr Nachrichten produziert als andere in einem Jahr. Diginex hat gerade so eine Woche hinter sich – und sie zeigt exemplarisch, wie kleine Wachstumsfirmen im Kryptonahe-Umfeld versuchen, sich per Übernahme in eine andere Liga zu katapultieren. Ob das gelingt, hängt am Ende an einer einzigen Zahl: 600 Millionen neuen Aktien.

Am Freitag unterzeichneten Diginex und Resulticks eine geänderte definitive Vereinbarung über die vollständige Übernahme von Resulticks. Die Gegenleistung: 600 Millionen neue Diginex-Aktien zu je 1,75 US-Dollar, macht rund 1,05 Milliarden US-Dollar.

Zielabschluss ist der 30. Oktober, vorbehaltlich der üblichen Genehmigungen. Zur Einordnung: Diginex selbst kommt aktuell auf eine Marktkapitalisierung von umgerechnet 38,24 Millionen Euro. Der Deal übersteigt den heutigen Firmenwert um ein Vielfaches – das ist der Punkt, an dem sich Wachstumsgeschichte und Verwässerungsrisiko unweigerlich kreuzen.

Ein Geschäftsjahr mit echten Zahlen

Bevor der Resulticks-Deal alle Schlagzeilen dominierte, hatte Diginex am Donnerstag operative Fakten geliefert. Im Geschäftsjahr bis Ende März stieg der Umsatz um 77 Prozent auf 3,6 Millionen US-Dollar.

Das Unternehmen betonte zudem, schuldenfrei zu bleiben – ein Detail, das in einer Branche voller fremdfinanzierter Wachstumsstorys auffällt. Wachstum aus eigener Kraft, ohne Schuldenlast: Das ist die Ausgangslage, mit der Diginex in die größte Transaktion seiner bisherigen Geschichte geht.

Nur einen Tag nach den Geschäftszahlen folgte die nächste Volte: eine Kapitalerhöhung über 20 Millionen US-Dollar. Vorgesehen sind 20 Millionen neue Stammaktien plus fünfjährige Warrants auf weitere 20 Millionen Aktien zu einem Ausübungspreis von 1,00 US-Dollar. Wer die Aktie hält, sieht sich damit binnen weniger Tage gleich zwei potenziellen Verwässerungsquellen gegenüber – der Resulticks-Übernahme und der frischen Kapitalrunde.

Die Nervosität vor dem Termin

Dass der Weg zum Abschluss nicht geradlinig verläuft, zeigte sich bereits Anfang August. Diginex und Resulticks mussten das sogenannte Long Stop Date ihrer Vereinbarung von Ende Juli auf den 12. August verschieben.

Parallel sicherten sich beide Seiten private Finanzierungszusagen über 70 Millionen US-Dollar, um das kombinierte Unternehmen nach dem Zusammenschluss auszustatten. Solche Fristverlängerungen sind in großen M&A-Transaktionen keine Seltenheit, doch sie sind auch ein Signal: Der Prozess ist komplexer, als eine erste Ankündigung vermuten lässt.

Wer in dieser Gemengelage nach Stimmungsindikatoren sucht, findet einen deutlichen. Eine der Hearst-nahen Berichtsgruppen, HBM IV, meldete den vollständigen Ausstieg aus ihrer Diginex-Position – die letzten Aktien wurden bereits Ende Mai verkauft, sodass die Meldenden inzwischen keine einzige Aktie mehr halten.

Ein früher Investor zieht sich komplett zurück, während das Unternehmen gleichzeitig seine größte Wachstumswette eingeht. Das muss kein Widerspruch sein, es kann auch schlicht Portfoliobereinigung sein – aber es passt ins Bild einer Aktie, die zwischen Euphorie und Skepsis hin- und hergerissen wird.

Kurs als Spiegel der Unsicherheit

Der Markt hat auf diese Gemengelage reagiert, wie er auf Unsicherheit eben reagiert: mit Ausschlägen. Am Freitag brach der Kurs um 13 Prozent ein und schloss bei 1,32 US-Dollar – exakt der Rückgang, den auch die vergangenen sieben Handelstage insgesamt zeigen.

Auf Monatssicht steht dagegen ein Plus von 11 Prozent zu Buche, ein Hinweis darauf, dass die Aktie in den vergangenen Wochen deutlich stärker geschwankt hat, als es der Wochenblick allein zeigt. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 120 Prozent bestätigt das: Hier bewegt sich ein Papier, bei dem jede Nachricht sofort im Kurs landet.

Bleibt die Frage, die sich jeder Beobachter stellen muss: Kann ein Unternehmen mit 3,6 Millionen US-Dollar Jahresumsatz eine Übernahme im Volumen von über einer Milliarde US-Dollar stemmen, ohne dass die bestehenden Aktionäre am Ende die Zeche zahlen? Die Antwort liegt am 30. Oktober – dem Tag, an dem sich zeigen soll, ob aus der Ankündigung tatsächlich ein Abschluss wird.

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Diskussion zu Diginex

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.