Eine milliardenschwere Übernahme, ein Analyst reagiert – fünf andere zögern. Bei Deutz zeigt sich gerade eine ungewöhnliche Lücke zwischen Unternehmensrealität und Bewertungsmodellen. Die Aktie des Kölner Motorenherstellers schloss am Freitag bei 9,35 Euro, ein Minus von 0,95 Prozent.
Nur Warburg hat nachgerechnet
Stefan Augustin von Warburg Research bestätigte am 10. Juli seine Kaufempfehlung für Deutz. Das Kursziel bleibt bei 13,20 Euro. Der Analyst nennt die Übernahme von FFG einen transformativen Schritt ins Verteidigungsgeschäft – und das zu einem attraktiven Preis.
Warburg rechnet vor: Der kombinierte Konzern könnte 2026 rund 3,2 Milliarden Euro Umsatz erzielen. Die bereinigte Ebit-Marge könnte bei etwa zehn Prozent liegen, der Jahresüberschuss bei rund 200 Millionen Euro.
Fünf weitere Häuser haben ihre Ziele bislang nicht angepasst. Auf der Investor-Relations-Seite von Deutz waren am Freitagmorgen sechs aktuelle Kursziele zu finden. Die DZ Bank sieht 15 Euro, die Quirin Privatbank 14 Euro. Berenberg, Kepler Cheuvreux, Warburg und ODDO BHF liegen zwischen 12 und 13,20 Euro.
Das Problem: Diese Ziele stammen aus der Zeit vor dem Deal. Solange offen bleibt, wie stark die Kapitalerhöhung die bestehenden Aktionäre verwässert, lässt sich der Wertbeitrag von FFG kaum sauber einpreisen.
Woher das Geld kommt
Der Kaufpreis liegt bei 1,6 Milliarden Euro. Rund eine Milliarde Euro finanziert Deutz über bereits zugesagte Bankkredite. Die restlichen 600 Millionen Euro fließen über neue Deutz-Aktien an die bisherigen FFG-Eigentümerfamilien.
Diese Familien sollen künftig bis zu 29,9 Prozent am erhöhten Grundkapital halten. Zusätzlich streben sie zwei Sitze im Aufsichtsrat an. Das verändert die Aktionärsstruktur von Deutz spürbar.
FFG bringt operative Substanz mit. Das Unternehmen erzielte 2025 rund 760 Millionen Euro Umsatz und wuchs seit 2023 im Schnitt um etwa 50 Prozent pro Jahr. Der Auftragsbestand liegt bei mehr als 1,9 Milliarden Euro – das Zweieinhalbfache des Jahresumsatzes.
Rund 90 Prozent der Erlöse stammen aus Wartung, Reparatur und Modernisierung. Mehr als 90 Prozent davon kommen von NATO-Kunden, einschließlich der Ukraine.
Ziele rücken näher, Prognose bleibt unverändert
Vorstandschef Sebastian Schulte sagte gegenüber Reuters, der Zukauf könne die für 2030 gesetzten Konzernziele ein bis zwei Jahre früher erreichbar machen. Geplant sind vier Milliarden Euro Umsatz und eine bereinigte Ebit-Marge von zehn Prozent.
An der laufenden Jahresprognose ändert das vorerst nichts. Deutz rechnet weiterhin mit 2,3 bis 2,5 Milliarden Euro Umsatz und einer operativen Marge zwischen 6,5 und 8,0 Prozent. Den geplanten Zukauf berücksichtigt diese Zahl noch nicht.
In Anlegerforen dominiert derzeit Skepsis. Diskutiert werden vor allem die geplante Kapitalerhöhung, mögliche Verwässerungseffekte und ein drohender Konglomeratsabschlag. Das Stimmungsbild gegenüber Deutz ist im Moment negativ.
Charttechnik zeigt Konsolidierung
Die Aktie notiert derzeit rund 4 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 9,75 Euro und knapp unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 9,55 Euro. Vom 52-Wochen-Hoch bei 12,49 Euro, erreicht Ende Februar, trennen das Papier gut ein Viertel. Zum Jahrestief von 7,35 Euro beträgt der Abstand rund 27 Prozent.
Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Plus von knapp 17 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie über 8 Prozent im Plus.
Die Bewertungslücke zwischen alten Kurszielen und neuer Unternehmensrealität dürfte sich erst schließen, wenn weitere Analysehäuser ihre Modelle anpassen. Bis dahin bleibt offen, wie der Markt die Kombination aus zusätzlichen FFG-Erträgen und einer möglichen Verwässerung tatsächlich bewertet.
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