Deutz steuert auf einen Wendepunkt zu: Am 24. August entscheidet eine außerordentliche Hauptversammlung über eine Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage. Sie soll einen Teil des 1,6 Milliarden Euro schweren Kaufpreises für die FFG Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft finanzieren. Die Entscheidung markiert den nächsten Schritt einer Übernahme, die den Kölner Motorenbauer in den vergangenen Wochen in den Fokus von Anlegern und Analysten gerückt hat.
Den Grundstein legte das Unternehmen bereits Anfang August. Am 31. Juli erteilte das Bundeskartellamt die bedingungslose Freigabe für den Zusammenschluss mit FFG. Am selben Tag legte Deutz seine Halbjahreszahlen vor: Der Umsatz stieg um 10,7 Prozent auf 1,115 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT wuchs um 43,1 Prozent auf 79,7 Millionen Euro, was einer Marge von 7,1 Prozent entspricht.
Der Auftragseingang kletterte um 28,7 Prozent auf 1,331 Milliarden Euro. Das Management bestätigte die Jahresprognose von 2,3 bis 2,5 Milliarden Euro Umsatz und einer bereinigten EBIT-Marge zwischen 6,5 und 8,0 Prozent – und stellte ein Ergebnis am oberen Ende der Spanne in Aussicht.
Insider kaufen in großem Stil
Was den Markt zusätzlich aufhorchen ließ, waren umfangreiche Aktienkäufe aus den eigenen Reihen. CEO Sebastian Schulte erwarb am 6. August Aktien im Wert von rund 983.000 Euro zu einem Durchschnittskurs von 9,83 Euro.
Aufsichtsratsmitglied Melanie Freytag investierte etwa 296.000 Euro, CFO Oliver Neu rund 100.000 Euro, und auch Dietmar sowie Simone Voggenreiter zeichneten gemeinsam Positionen im Umfang von etwa 296.000 Euro.
In der Summe kamen die Insiderkäufe auf über 1,6 Millionen Euro – ein Signal, das dpa-AFX zufolge am 7. August einen Kurssprung von 6,4 Prozent auf 10,66 Euro auslöste, nachdem der „Bernecker-Börsenbrief“ die Käufe positiv kommentiert hatte.
Parallel zur Übernahme treibt Deutz auch sein neues Verteidigungssegment voran. Gemeinsam mit dem Partner ARX Robotics startete das Unternehmen die erste Serienproduktion des unbemannten Bodensystems „GEREON“.
Analysten sehen Aufwärtspotenzial
Mehrere Häuser reagierten auf die Nachrichtenlage mit angehobenen Einschätzungen. Bernstein stufte Deutz am 10. August als neuen „Top-Favoriten“ ein und begründete dies damit, dass der Markt das Ertragspotenzial aus der FFG-Fusion noch nicht vollständig eingepreist habe.
Am selben Tag hob DZ-Bank-Analyst Thorsten Reigber den fairen Wert von 11,60 auf 12,00 Euro an und bestätigte die Einstufung „Kaufen“. Bereits am Tag der Quartalszahlen, dem 6. August, beließ Warburg-Research-Analyst Stefan Augustin sein Kaufvotum mit einem Kursziel von 13,20 Euro.
Kursverlauf spiegelt gemischte Stimmung
Trotz der positiven Nachrichtenlage zeigt sich der Kurs zuletzt uneinheitlich. Zum Wochenschluss gab die Aktie um 1,5 Prozent auf 10,22 Euro nach, auf Wochensicht steht ein Minus von 2,1 Prozent zu Buche. Über 30 Tage summiert sich der Anstieg jedoch auf 11 Prozent, seit Jahresbeginn liegt das Plus bei 20 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 12,49 Euro, erreicht Ende Februar, bleibt das Papier derzeit 18 Prozent entfernt – ein Hinweis darauf, dass trotz der jüngsten Kursgewinne noch Luft nach oben bestehen könnte, sollte die Kapitalerhöhung wie geplant über die Bühne gehen.
Für Analysten prognostizieren Marktbeobachter zudem eine steigende Dividende: 0,228 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2026, nach 0,180 Euro im Vorjahr. Die kommenden Wochen dürften zeigen, wie die Aktionäre auf die geplante Sachkapitalerhöhung reagieren – und ob die Insiderkäufe der vergangenen Tage tatsächlich den Auftakt einer nachhaltigen Neubewertung markieren.
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