Höher als seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr: Die Deutz-Aktie kletterte am Freitag auf 12,84 Euro und markiert damit den höchsten Stand seit 1998. Binnen einer Woche summiert sich der Kursgewinn auf rund 25 Prozent, seit Jahresanfang steht ein Plus von fast 50 Prozent zu Buche. Treiber der Rally ist eine milliardenschwere Übernahme, die den Kölner Motorenbauer in ein neues Geschäftsfeld katapultiert.
FFG macht Deutz zum Rüstungsplayer
Anfang Juli hatte Deutz den Kauf der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft für 1,6 Milliarden Euro angekündigt. FFG ist auf Wehrtechnik und Kettenfahrzeuge spezialisiert und bietet zudem Wartung und Reparaturen an. Für Deutz bedeutet der Zukauf einen deutlichen Schritt weg vom klassischen, konjunkturabhängigen Verbrennungsmotorengeschäft hin zu einem breiter aufgestellten Industriekonzern mit Standbeinen in Energie, Mobilität und Verteidigung.
Der Rüstungsbereich soll dem Unternehmen ab 2027 einen nichtzyklischen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro bei einer EBITDA-Marge von über 20 Prozent bringen. Vorstand Sebastian Schulte bezeichnet die Akquisition als Meilenstein auf dem Weg zu einem Industrieunternehmen mit stabilerem Geschäftsmodell und starkem Servicegeschäft.
Analysten heben Kursziele deutlich an
Die DZ Bank sieht in der Übernahme einen klugen strategischen Schachzug, der Wachstumspotenzial mit hohen Synergieeffekten verbindet und die zyklische Abhängigkeit vom traditionellen Verbrennergeschäft spürbar reduziert. Analyst Thorsten Reigber hob sein Kursziel von 12 auf 16 Euro an. Bereits zuvor hatten Kepler Cheuvreux und Oddo BHF ihre Kursziele in ähnlichem Ausmaß nach oben geschraubt.
Der Rüstungssektor gilt derzeit als einer der gefragtesten Bereiche am Aktienmarkt, und Deutz profitiert von dieser Fantasie überdurchschnittlich stark. Die Aussicht auf ein margenstarkes, planbares Geschäft neben dem zyklischen Motorenkerngeschäft verändert das Bild, das Investoren von dem Konzern haben.
Die Integration von FFG dürfte in den kommenden Quartalen zeigen, ob sich die in den Kurs eingepreisten Synergien tatsächlich heben lassen. Bis dahin bleibt die Aktie ein Papier, dessen Bewertung stark von der Umsetzung der angekündigten Strategie abhängt.
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