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Deutsche Telekom vor der Frage: Trägt das Wachstum die Bewertung noch?

Deutsche Telekom steigert Umsatz und EBITDA, doch Kepler Cheuvreux warnt vor Margendruck bei T-Mobile US und senkt das Kursziel.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Kepler Cheuvreux stuft Telekom vorsichtiger ein
  • Organisches EBITDA wächst um 7,3 Prozent
  • Aktienrückkäufe bis fünf Milliarden Euro
  • US-Wettbewerb belastet zentrale Wachstumshoffnung

Ausgangslage

Kepler Cheuvreux hat am Donnerstag vergangener Woche das Rating für die Deutsche Telekom von „Buy“ auf „Hold“ gesenkt und das Kursziel von 35 auf 32 Euro gekürzt. Die Begründung der Analysten trifft einen wunden Punkt: Das Unternehmen sei „Opfer seines eigenen Erfolges“ geworden, weil die Beobachtung von T-Mobile US intensiver wird.

Genau hier liegt die Entscheidung, vor der Anleger nun stehen. Die operative Substanz des Konzerns bleibt solide, doch die Wachstumsstory hängt zunehmend an einem einzelnen Baustein: dem US-Geschäft.

Die Zahlen zum zweiten Quartal, veröffentlicht am 6. August, zeigten zunächst keinen Anlass zur Sorge. Der Nettoumsatz stieg organisch um 3,3 Prozent auf 29,9 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA AL legte organisch sogar um 7,3 Prozent auf 11,8 Milliarden Euro zu.

Der Konzern hob zugleich die Prognose für den Free Cashflow AL 2026 von zuvor über 19,8 Milliarden auf rund 20,0 Milliarden Euro an. Das ist ein starkes Signal für die operative Verfassung – und macht die Skepsis der Analysten bemerkenswerter.

Die entscheidende Frage

Wie stabil bleibt die Marge bei T-Mobile US, wenn der Wettbewerb im zweiten Halbjahr zunimmt? Kepler Cheuvreux verweist darauf, dass die Markttrends in der zweiten Jahreshälfte wenig begeisternd ausfallen dürften.

Die US-Tochter ist längst der zentrale Werttreiber des Konzerns – entsprechend groß ist die Hebelwirkung, wenn dort Preisdruck oder Kundenabwanderung aufkommen. Anleger sollten diesen einen Faktor im Blick behalten, mehr als jede einzelne Kennzahl aus dem deutschen Kerngeschäft.

Bullisches Szenario

Sollte sich die operative Dynamik aus dem zweiten Quartal fortsetzen, hat der Konzern reichlich Argumente auf seiner Seite. Das aufgestockte Aktienrückkaufprogramm mit einem Gesamtvolumen von bis zu 5 Milliarden Euro für 2026 signalisiert Vertrauen des Managements in die eigene Cashflow-Stärke.

Die Übernahme der polnischen Glasfaseranbieter Fiberhost und Inea für rund 1 Milliarde Euro, angekündigt am 17. August, zeigt zudem, dass der Konzern auch außerhalb der USA in Wachstum investiert – ein Baustein auf dem Weg von T-Mobile Polska zu einem vollständig konvergenten Anbieter, sofern die noch ausstehenden regulatorischen Genehmigungen erteilt werden.

Bleibt die Free-Cashflow-Guidance von rund 20 Milliarden Euro erreichbar, dürfte das die Bewertung stützen, selbst wenn einzelne Analysten vorsichtiger werden.

Bärisches Szenario

Das Risiko liegt nicht nur im US-Wettbewerb. Am Freitag vergangener Woche deckte der Bayerische Rundfunk eine Sicherheitslücke in deutschen Mobilfunknetzen auf: Bei VoLTE-Anrufen wurden in mehreren Fällen Gerätekennungen (IMEI) sowie bei Telekom und Vodafone teilweise Smartphone-Modelle und Betriebssystemversionen offengelegt.

Der Verband GSMA stuft das Risiko zwar als technisch begrenzt ein – individuelle Nutzeridentitäten seien nicht betroffen –, doch entscheidend wird sein, ob die Telekom die technische Ursache transparent klärt und dauerhaft schließt. Bleibt das Thema ungelöst, drohen Reputationsschäden und mögliche regulatorische Nachfragen.

Hinzu kommt die Skepsis der Analysten zum US-Geschäft. Sollte sich der Wettbewerbsdruck bei T-Mobile US stärker als erwartet auf die Margen auswirken, würde das die Investment-These empfindlich treffen – schließlich hängt ein Großteil der Konzernbewertung am Erfolg der amerikanischen Tochter.

Ausblick

Der Kurs notiert aktuell rund 17 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro, hat sich von seinem Jahrestief bei 23,54 Euro aber bereits um gut ein Fünftel erholt. Das deutet auf eine Marktstimmung hin, die zwischen Zuversicht in die operative Stärke und Vorsicht wegen der US-Abhängigkeit schwankt.

Solange die Free-Cashflow-Guidance von rund 20 Milliarden Euro Bestand hat und T-Mobile US seine Margen verteidigt, dürfte die Aktie ihre Stabilisierung fortsetzen. Kippt einer dieser beiden Faktoren – etwa durch verschärften US-Wettbewerb oder eine ungeklärte Datenschutzaffäre –, dürfte die Skepsis der Analysten Nachahmer finden.

Der nächste konkrete Prüfstein folgt mit dem AI Investor Event am 5. Oktober, gefolgt von den Q3-Zahlen am 5. November. Bis dahin bleibt die Frage offen, ob das operative Wachstum die derzeitige Bewertung weiterhin trägt.

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Diskussion zu Deutsche Telekom

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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