Ausgangslage
Um 18 Uhr am heutigen Dienstag tritt das Management der Deutschen Telekom zu einer Ergebnispräsentation an. Der Termin folgt auf turbulente Tage: Am vergangenen Freitag hatte der Konzern sein Aktienrückkaufprogramm 2026 um bis zu 3 Milliarden Euro auf nun bis zu 5 Milliarden Euro aufgestockt, Reuters wertete dies als Reaktion auf Quartalszahlen, die über den Markterwartungen lagen.
Seither hat die Aktie rund 2,9 Prozent verloren. Am vergangenen Sonntag kam die Nachricht hinzu, dass T-Mobile US eine Fusion abgelehnt hat – auch das drückte den Kurs um weitere 2,9 Prozent. Der Schlusskurs vom Montag lag bei 28,17 Euro, nach einem Tagesverlust von 2,86 Prozent.
Die heutige Präsentation ist damit kein isoliertes Ereignis, sondern der erste Auftritt des Managements nach dieser Häufung belastender Nachrichten. Anleger erwarten Erläuterungen zu den Zahlen vom Freitag: Der Konzernumsatz stieg organisch um 3,3 Prozent auf 29,9 Milliarden Euro, das Ergebnis je Aktie fiel jedoch von 0,54 Euro im Vorjahresquartal auf 0,51 Euro. Genau in diesem Spannungsfeld – wachsender Umsatz bei sinkendem Gewinn je Aktie – liegt der Kern der heutigen Fragestellung.
Die entscheidende Frage
Die zentrale Kennzahl, an der sich die nächste Kursrichtung entscheidet, ist nicht der Umsatz, sondern das Ergebnis je Aktie. Ein Konzern, der operativ wächst, aber pro Aktie weniger verdient, muss erklären, warum das so ist – und ob sich das Verhältnis in den kommenden Quartalen umkehrt.
Investoren werden bei der heutigen Präsentation genau darauf hören, ob das Management Kostendruck, Sondereffekte oder strukturelle Ursachen benennt. Bleibt diese Erklärung vage, dürfte die Skepsis bestehen bleiben, die sich in den Kursverlusten der vergangenen Tage bereits zeigt.
Liefert das Management dagegen eine überzeugende Begründung mit klarer Perspektive auf steigende Margen, könnte das die aktuelle Konsolidierung beenden.
Bullisches Szenario
Für eine Erholung sprechen mehrere Faktoren. UBS beließ die Aktie am Freitag vergangener Woche auf „Buy“ und senkte das Kursziel zwar auf 36,20 Euro, signalisierte damit aber weiterhin deutliches Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Niveau.
Deutsche Bank Research bestätigte am selben Tag ebenfalls die Einstufung „Buy“. Das aufgestockte Rückkaufvolumen von bis zu 5 Milliarden Euro entzieht dem Markt zusätzliche Aktien und kann bei nachlassendem Verkaufsdruck stabilisierend wirken.
Auf Sicht von 30 Tagen liegt der Kurs bereits 5,58 Prozent im Plus, ein Hinweis darauf, dass die mittelfristige Tendenz trotz der jüngsten Rückschläge intakt ist. Bestätigt das Management heute die operative Stärke aus dem Quartalsbericht und ordnet den EPS-Rückgang glaubhaft als vorübergehend ein, könnte die Aktie an die UBS-Zielmarke heranrücken.
Bärisches Szenario
Das Risiko liegt in einer Fortsetzung der Verunsicherung. Die abgelehnte Fusion mit T-Mobile US hat eine Wachstumsoption für den Konzern beseitigt, deren Verlust der Markt noch nicht vollständig eingepreist haben dürfte.
Kommt bei der heutigen Präsentation keine überzeugende Antwort auf die sinkende Profitabilität je Aktie, könnte die Skepsis der vergangenen Tage anhalten. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 35,13 Prozent zeigt, dass der Markt bereits mit größeren Ausschlägen rechnet.
Zudem notiert die Aktie mit einem Abstand von minus 1,39 Prozent knapp unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt – ein Bruch dieser Marke nach unten würde charttechnisch orientierte Verkäufer zusätzlich aktivieren. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro beträgt bereits fast 18 Prozent, was zeigt, wie viel Vertrauen in den vergangenen Monaten bereits verloren ging.
Ausblick
Die Richtung der kommenden Wochen hängt maßgeblich davon ab, wie überzeugend das Management heute Abend die Lücke zwischen Umsatzwachstum und rückläufigem Ergebnis je Aktie schließt.
Hält die Aktie den 200-Tage-Durchschnitt und liefert die Präsentation klare Aussagen zur Margenentwicklung, dürfte das aufgestockte Rückkaufprogramm seine stützende Wirkung entfalten und die Kursziele der Analysten wieder in Reichweite rücken.
Bleibt die Erklärung aus oder enttäuscht der Ausblick, droht ein Test der Unterstützung am 50-Tage-Durchschnitt bei 26,90 Euro, mit dem Risiko weiterer Abgaben angesichts der bereits erhöhten Schwankungsbreite. Der unmittelbare Prüfstein ist damit klar terminiert: die Ergebnispräsentation um 18 Uhr am heutigen Tag.
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