Ausgangslage
Nach den Quartalszahlen und der Aufstockung des Aktienrückkaufprogramms auf bis zu 5 Milliarden Euro hat sich die Analystenlandschaft für die Deutsche Telekom neu sortiert.
Während UBS am Freitag vergangener Woche bei „Buy“ blieb und das Kursziel auf 36,20 Euro setzte, kam am Montag ein gemischteres Signal: Barclays senkte sein Kursziel, beließ die Einstufung aber auf „Overweight“. Deutsche Bank Research bestätigte am selben Tag nach den Zahlen ihr „Buy“-Votum mit einem Kursziel von 40 Euro.
Diese Gegenläufigkeit – ein Haus kürzt die Erwartung, zwei andere bestätigen hohe Ziele – ist der eigentliche Prüfstein für Anleger, die nach dem kräftigen Kursanstieg der vergangenen Tage über den nächsten Schritt entscheiden müssen. Die Aktie schloss am Dienstag bei 28,55 Euro, nach einem Plus von 1,21 Prozent, und liegt binnen 30 Tagen knapp 6,81 Prozent im Plus.
Die entscheidende Frage
Im Zentrum steht die Cashflow-Kraft des Konzerns. Die Deutsche Telekom hob nach dem zweiten Quartal ihre Jahresprognose für den Free Cashflow AL auf rund 20,0 Milliarden Euro an, nachdem zuvor „mehr als 19,8 Milliarden Euro“ angepeilt waren.
Im zweiten Quartal selbst erzielte der Konzern einen Free Cashflow AL von 5,027 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 29,933 Milliarden Euro und einem EBITDA AL von 11,821 Milliarden Euro. Der auf Anteilseigner entfallende Konzernüberschuss lag bei 2,784 Milliarden Euro, das Ergebnis je Aktie bei 0,58 Euro.
Die entscheidende Frage lautet: Reicht dieser Cashflow, um gleichzeitig das ausgeweitete Rückkaufprogramm, die laufenden Investitionen und die Dividendenerwartung zu finanzieren – oder wird die Kombination aus hoher Kapitalrückgabe und regionalen Belastungen, etwa im margenschwachen Systemgeschäft mit einem EBITDA AL von lediglich 99 Millionen Euro bei 1,077 Milliarden Euro Umsatz, zum limitierenden Faktor?
Bullisches Szenario
Für die Optimisten unter den Anlegern spricht die Breite der operativen Basis. Das US-Geschäft trug mit 19,562 Milliarden Euro Umsatz und 7,969 Milliarden Euro EBITDA AL den größten Teil zum Konzernergebnis bei, während das Europa-Segment mit 8,577 Milliarden Euro Umsatz und 1,255 Milliarden Euro EBITDA AL stabil lieferte.
Die Anhebung der Free-Cashflow-Prognose zeigt, dass das Management der eigenen Ertragskraft mehr zutraut als noch vor dem Berichtstermin. Das aufgestockte Rückkaufvolumen von bis zu 5 Milliarden Euro wird bereits konkret umgesetzt: Im Zeitraum vom 3. bis 7. August erwarb der Konzern gut 1,27 Millionen eigene Aktien.
Bleibt dieses Tempo bestehen, dürfte die Nachfrage nach der Aktie strukturell unterstützt bleiben, solange der operative Cashflow mitzieht. Die Kursziele von Deutsche Bank Research bei 40 Euro und von UBS bei 36,20 Euro liegen jeweils deutlich über dem aktuellen Niveau und signalisieren, dass Teile der Analystengemeinde noch erhebliches Aufwärtspotenzial sehen.
Bärisches Szenario
Die Gegenposition liefert Barclays selbst: Die Kürzung des Kursziels bei gleichzeitig unveränderter „Overweight“-Einstufung deutet darauf hin, dass selbst wohlwollende Beobachter nach dem jüngsten Kurssprung die Luft nach oben enger sehen.
Der Titel notiert nach dem Anstieg der vergangenen Wochen rund 6,16 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt, während der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro weiterhin fast 17 Prozent beträgt – ein Hinweis darauf, dass die Erholung zwar Fahrt aufgenommen hat, aber noch nicht das alte Niveau erreicht.
Sollte sich das margenschwache Systemgeschäft nicht stabilisieren oder sollte der Wettbewerbsdruck im US-Markt die Profitabilität des größten Ertragsträgers schmälern, geriete die ambitionierte Kombination aus Rückkäufen und Investitionsplänen unter Druck.
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 34,50 Prozent zeigt zudem, dass der Markt mit spürbaren Kursschwankungen rechnet – ein Warnsignal für Anleger, die von einer linearen Fortsetzung des Aufwärtstrends ausgehen.
Ausblick
Solange die Free-Cashflow-Entwicklung die angehobene Jahresprognose von rund 20 Milliarden Euro bestätigt und das Rückkaufprogramm im geplanten Tempo fortgesetzt wird, dürfte die Bewertungsunterstützung durch die Analystenmehrheit – verkörpert durch die „Buy“- und „Overweight“-Einstufungen – tragfähig bleiben.
Kippt hingegen die Cashflow-Dynamik, etwa durch unerwartete Belastungen im Systemgeschäft oder im US-Wettbewerb, dürfte sich die vorsichtigere Haltung von Barclays als Vorbote weiterer Zielkorrekturen erweisen.
Ein konkreter nächster Prüfstein für diese Frage ist noch nicht terminiert; die nächste reguläre Berichtslage ergibt sich erst mit den kommenden Quartalszahlen, während der Markt bis dahin vor allem das Tempo der laufenden Aktienrückkäufe als Signal für die Zuversicht des Managements beobachten wird.
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