Drei Entwicklungen treffen die Deutsche Telekom gleichzeitig — und keine davon ist wirklich positiv für den Kurs. Tarifvotum, Fusionsspekulationen und ein laufendes Aktienrückkaufprogramm prägen den Freitag.
Tarifkommission entscheidet heute
Heute trifft die ver.di-Tarifkommission ihre finale Entscheidung über das im Mai ausgehandelte Tarifergebnis. Das Votum hat direkte Auswirkungen auf die Kostenplanung des Konzerns.
Nach mehr als 36 Stunden Verhandlung hatten sich Telekom und ver.di Ende Mai auf ein Paket für rund 60.000 Beschäftigte geeinigt. Die Eckpunkte: Ab August 2026 steigt das monatliche Zusatzentgelt dauerhaft um 150 Euro auf 340 Euro. Im Juli 2027 folgt ein weiterer Schritt auf 480 Euro. Im Juni 2028 erhöhen sich die Entgelttabellen um 2,4 Prozent. Am Ecklohn von rund 55.000 Euro entspricht das einer Gesamtsteigerung von 8,5 Prozent.
Neu ist ein Mitgliederbonus von einmalig 440 Euro für ver.di-Mitglieder, die am 28. Mai 2026 registriert waren. Wer bis Ende 2028 dabei bleibt, erhält weitere 220 Euro. Betriebsbedingte Kündigungen sind für die gesamte Vertragslaufzeit von 33 Monaten ausgeschlossen.
Die Tarifkommission hatte dem Ergebnis einstimmig zugestimmt. Stimmt die Mitgliederbefragung zu, ist ein zentraler Unsicherheitsfaktor bei den Personalkosten vom Tisch. Lehnt sie ab, drohen neue Verhandlungen.
Fusion mit T-Mobile US belastet
Parallel dazu hält der Druck durch Fusionsspekulationen an. Das Wall Street Journal berichtete über eine mögliche Vollverschmelzung mit der amerikanischen Tochter T-Mobile US — mit einem Volumen von über 300 Milliarden Dollar. Die Telekom hält bereits gut 53 Prozent an T-Mobile US.
Die Idee: T-Mobile US als Kern eines transatlantischen Telekommunikationsriesen. Das Problem liegt in Berlin. Bundesregierung und KfW halten zusammen rund 28 Prozent an der Telekom. Eine Vollverschmelzung würde ihren Anteil auf geschätzte 17 bis 18 Prozent verwässern — wohl unter die Schwelle von 25 Prozent, die deutsche Behörden bei strategischen Unternehmen historisch als Untergrenze behandelt haben.
Der Bericht traf den Kurs spürbar: Die Aktie sackte am Tag der Meldung um mehr als drei Prozent ab. Seither notiert das Papier rund sieben Prozent unter dem Stand vor 30 Tagen und fast 22 Prozent unterhalb des Februar-Hochs von 34,35 Euro.
Rückkaufprogramm läuft weiter
Während der Kurs schwächelt, kauft der Konzern selbst weiter eigene Papiere. Zwischen dem 8. und 12. Juni erwarb die Telekom rund 1,6 Millionen Aktien zu durchschnittlich 27,90 Euro — ein Wochenvolumen von rund 45 Millionen Euro. Seit Programmstart am 2. April summiert sich das auf 15,3 Millionen Aktien.
Die zweite Tranche ist auf bis zu 550 Millionen Euro ausgelegt und endet Ende Juni. Das Gesamtprogramm für 2026 umfasst bis zu zwei Milliarden Euro. Den Großteil der zurückgekauften Aktien will der Konzern einziehen — das erhöht den Gewinn je Aktie rechnerisch.
Das operative Fundament liefert derweil keine Angriffsfläche. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz organisch um 4,7 Prozent auf 29,9 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA AL stieg um 7,5 Prozent auf 11,5 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr peilt das Management rund 47,5 Milliarden Euro bereinigtes EBITDA AL an — bei einem prognostizierten bereinigten Ergebnis je Aktie von 2,20 Euro.
Der nächste harte Datenpunkt folgt am 6. August 2026, wenn die Telekom die Zahlen für das zweite Quartal vorlegt. Das heutige Tarifvotum ist der erste konkrete Schritt dahin.
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