Die Deutsche Telekom sorgt mit gleich zwei Nachrichten für Gesprächsstoff: Bei Lufthansa verliert der Bonner Konzern offenbar seine bisherige Rolle als Konnektivitätsanbieter an SpaceX‘ Starlink-Dienst „Direct to Cell“. Gleichzeitig untermauern frische Quartalszahlen, dass das operative Geschäft der Telekom robust wächst – mit Konsequenzen für Cashflow-Prognose und Aktienrückkauf.
Starlink drängt in angestammtes Terrain
Starlink löst die Deutsche Telekom offenbar bei Lufthansa als Anbieter für Bordkonnektivität ab – ein Vorgang, der in der Analystenszene als möglicher Vorbote größerer Verschiebungen im Telekommunikationssektor gewertet wird.
SpaceX positioniert seinen „Direct to Cell“-Dienst als Angebot für weltweite Netzabdeckung ohne klassische Terrestrik-Infrastruktur, während die Telekom parallel in den Ausbau KI-gestützter Netzinfrastruktur investiert.
Der Vorgang zeigt, dass etablierte Telekommunikationskonzerne zunehmend Konkurrenz durch satellitengestützte Anbieter erhalten, auch wenn die konkreten wirtschaftlichen Auswirkungen für die Telekom im Fall Lufthansa begrenzt bleiben dürften.
Die Aktie reagierte darauf zunächst gelassen. Am Mittwoch schloss das Papier bei 29,13 Euro, ein Plus von 0,9 Prozent gegenüber dem Vortag – ein Hinweis darauf, dass Anleger den Vorfall nicht als fundamentale Bedrohung einstufen.
Operatives Geschäft liefert Rückenwind
Wichtiger für die mittelfristige Bewertung dürften die jüngsten Quartalszahlen sein. Der Konzern steigerte den Umsatz im zweiten Quartal organisch um 3,3 Prozent auf 29,9 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA AL wuchs organisch um 7,3 Prozent auf 11,8 Milliarden Euro.
Der freie Cashflow AL legte um 3,1 Prozent auf 5,0 Milliarden Euro zu. Auf dieser Basis hob das Management die Prognose für den freien Cashflow 2026 auf 20,0 Milliarden Euro an und stockte das Aktienrückkaufprogramm auf 5 Milliarden Euro auf.
Tochter T-Mobile US bleibt der stärkste Wachstumstreiber: Der Serviceumsatz stieg um 8,9 Prozent auf 19,0 Milliarden Dollar, das EBITDA AL um 12,1 Prozent auf 9,3 Milliarden Dollar, begleitet von 277.000 neuen Postpaid-Kunden.
In Deutschland wuchs der Umsatz um 3,7 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro, wobei der Konzern trotz eines Rückgangs von 20.000 klassischen Breitbandkunden 161.000 neue Glasfaserkunden gewann – bei einer Erschließung von 13,6 Millionen Haushalten und einer Nutzungsquote von 17,5 Prozent.
Ergänzt wird das Wachstumsbild durch die Übernahme der polnischen Glasfaseranbieter Fiberhost und Inea für rund 1 Milliarde Euro, mit der die Telekom ihre Position im osteuropäischen Breitbandmarkt ausbaut.
Bewertung mit Spielraum nach oben
Mit Blick auf die Kursentwicklung notiert die Aktie derzeit rund 15 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro aus dem Februar, während sie sich zugleich 24 Prozent über dem Jahrestief von 23,54 Euro aus dem Sommer bewegt. Das deutet auf eine Erholung von den Tiefständen hin, ohne dass die alten Höchststände bereits wieder erreicht wären.
Für Anleger bleibt die Gemengelage ambivalent: Der Wettbewerbsdruck durch Satellitenanbieter wie Starlink markiert ein neues Risiko am Horizont, während die soliden Quartalszahlen, die angehobene Cashflow-Prognose und das größere Rückkaufvolumen die operative Substanz des Konzerns unterstreichen. Die Reaktion des Kapitalmarkts auf den Lufthansa-Vorgang dürfte zeigen, wie ernst Investoren die neue Konkurrenz tatsächlich nehmen.
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