Die Gewerkschaft ver.di macht ernst und fordert für zehntausende Beschäftigte der Deutschen Telekom ein kräftiges Lohnplus. Gleichzeitig kämpft der Bonner Konzern an einer ganz anderen Front. Der milliardenschwere Glasfaserausbau schreitet zwar in Rekordtempo voran, allerdings bleiben viele neu gebaute Anschlüsse schlichtweg ungenutzt. Diese doppelte Herausforderung trifft das Unternehmen in einer sensiblen Phase der Refinanzierung.
Verhandlungen belasten die Kostenstruktur
Für bundesweit rund 60.000 Tarifbeschäftigte verlangt ver.di eine Entgeltsteigerung von 6,6 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Auszubildende sollen monatlich 120 Euro mehr erhalten. Da Personalkosten insbesondere im Kundenservice und bei den Feldkräften einen massiven Block der Betriebsausgaben ausmachen, rückt die ab April startende Tarifrunde zwangsläufig in den Fokus der Anleger. Die bisherige Jahresprognose des Managements, die ein bereinigtes EBITDA von 47,4 Milliarden Euro anpeilt, wurde vor diesen konkreten Gewerkschaftsforderungen aufgestellt.
Die Lücke bei den Anschlüssen
Parallel zum anstehenden Lohnstreit muss die Telekom die Auslastung ihres Netzes verbessern. Im Januar verzeichnete der Konzern mit 120.000 neuen Glasfaseranschlüssen einen klaren Ausbaurekord. Das eigentliche Nadelöhr ist jedoch die Vermarktung. Aktuell lassen 22 Prozent der Haushalte einen verfügbaren Anschluss ungenutzt und verbleiben bei älteren Technologien wie DSL.
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Um die bis 2030 geplanten Investitionen von 30 Milliarden Euro rentabel zu machen, reicht der reine Ausbau nicht mehr aus. Das Unternehmen schickt nun verstärkt Vertriebsteams direkt an die Haustüren, um die dringend benötigten Vertragsabschlüsse zu sichern. Bislang zeigt sich der Kapitalmarkt von diesen operativen Hürden wenig beeindruckt. Gestützt durch ein laufendes Aktienrückkaufprogramm verbucht das Papier mit einem gestrigen Schlusskurs von 32,99 Euro seit Jahresanfang ein starkes Plus von 18,37 Prozent.
Konkrete Termine im Frühjahr
Für Investoren stehen nun klare zeitliche Wegmarken im Kalender:
– 1. April 2026: Hauptversammlung
– 13. April 2026: Auftakt der Tarifverhandlungen
– 13. Mai 2026: Veröffentlichung der Zahlen zum ersten Quartal
An diesen Terminen wird das Management detailliert aufzeigen müssen, wie die Balance zwischen steigenden Lohnkosten und der dringend benötigten Monetarisierung des Glasfasernetzes gelingt. Die Präsentation der Quartalszahlen im Mai liefert den ersten harten Faktencheck zur aktuellen Buchungsentwicklung bei den Endkunden.
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