Am 27. August hat Kepler Cheuvreux die Deutsche Telekom von Buy auf Hold herabgestuft und das Kursziel von 35 auf 32 Euro gekürzt. Begründung der Analysten: Im zweiten Halbjahr drohen wenig begeisternde Markttrends, vor allem weil sich der Wettbewerb rund um T-Mobile US verschärft. Damit rückt ausgerechnet jenes US-Geschäft in den Fokus, das zuletzt ohnehin im Zentrum der Debatte um Elliott Managements Beteiligung stand.
Die Aktie notiert aktuell bei 28,38 Euro und damit rund 17 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro aus dem Februar. Das Kursziel von Kepler Cheuvreux liegt also noch deutlich über dem aktuellen Niveau – die Herabstufung spiegelt in erster Linie eine gedämpfte Wachstumserwartung wider, nicht eine akute Verkaufsempfehlung.
Operatives Geschäft läuft, US-Konkurrenz drückt auf die Stimmung
Die Zahlen aus dem operativen Geschäft passen zunächst nicht zur skeptischeren Analystenhaltung. Im zweiten Quartal steigerte der Konzern den Nettoumsatz auf 29,9 Milliarden Euro, organisch ein Plus von 3,3 Prozent. Das bereinigte EBITDA AL kletterte organisch um 7,3 Prozent auf 11,8 Milliarden Euro, und der Vorstand hob die Cashflow-Guidance für das Gesamtjahr auf rund 20,0 Milliarden Euro an. Bereits im ersten Quartal hatte die Telekom ihre EBITDA-Prognose für 2026 leicht nach oben korrigiert.
Genau hier liegt der Widerspruch, den Kepler Cheuvreux adressiert: Das Konzernergebnis ist robust, doch die Wettbewerbsdynamik in den USA gilt als Belastungsfaktor für die zweite Jahreshälfte. T-Mobile US steht im amerikanischen Mobilfunkmarkt einem intensivierten Preis- und Angebotswettbewerb gegenüber, und da die Telekom rund die Hälfte ihres US-Töchters hält, schlägt diese Entwicklung unmittelbar auf die Konzernbewertung durch.
Belastung durch einen Rechtsstreit in den USA
Zusätzliche Unsicherheit bringt ein Verfahren in Delaware mit sich. Dort geht es um mögliche Pflichtverletzungen im Zusammenhang mit der Sprint-Übernahme von T-Mobile US aus dem Jahr 2020. Im Raum steht eine Schadenssumme zwischen 3,6 und 10,1 Milliarden US-Dollar, der Prozess ist für Oktober 2027 terminiert.
Ein derart weit in der Zukunft liegender Termin dürfte kurzfristig kaum Kursrelevanz entfalten, gehört aber zu den Risikofaktoren, die Analysten bei der Bewertung des US-Geschäfts mitdenken.
Regulatorische Nebengeräusche im Heimatmarkt
Parallel dazu beschäftigt eine Sicherheitslücke im deutschen Mobilfunknetz die Telekom. Recherchen des Bayerischen Rundfunks zufolge gelangten in mehreren Fällen IMEI-Nummern von Anrufern ins Netz, teils samt Smartphone-Modell und Betriebssystemversion.
Der Konzern hat inzwischen Netzänderungen vorgenommen, damit solche Metadaten vor der Weitergabe an der Netzgrenze entfernt werden, und verweist auf Widersprüche in internationalen Mobilfunk-Spezifikationen. Man stehe im Austausch mit Fachverbänden und der Bundesnetzagentur.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Das operative Kerngeschäft in Europa läuft solide, während US-Wettbewerb und Rechtsrisiken rund um T-Mobile US die mittelfristige Wachstumsstory belasten könnten. Richtungsweisende Impulse dürften erst der Investorentag zur Künstlichen Intelligenz am 5. Oktober und die Q3-Zahlen am 5. November liefern.
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