Die Deutsche Telekom legt am Freitag Quartalszahlen vor, die über den Erwartungen liegen. Wichtiger als die Bilanz selbst ist aber die Botschaft, die CEO Tim Höttges gleich mitliefert: Das Aktienrückkaufprogramm wächst von 3 auf 5 Milliarden Euro. Für mich ist das mehr als eine Randnotiz zur Bilanzvorlage. Es ist eine Kampfansage an eine aus Managementsicht dauerhaft unterbewertete Aktie.
Starke Zahlen als Fundament
Der Umsatz steigt im zweiten Quartal um 4,4 Prozent auf 29,93 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA AL wächst sogar um 7,5 Prozent auf 11,82 Milliarden Euro. Diese operative Stärke sucht in der europäischen Telko-Branche ihresgleichen.
Der Nettogewinn sinkt zwar wegen Restrukturierungskosten leicht um 6,3 Prozent auf 2,45 Milliarden Euro. Doch das interessiert die Investoren an diesem Tag kaum. Sie schauen auf den Cashflow — und dort liefert der Konzern ab. Die Prognose für den Free Cashflow AL steigt für das Gesamtjahr auf rund 20 Milliarden Euro.
Diese Zahl ist der eigentliche Treibstoff für das, was danach kommt.
Die 5-Milliarden-Offensive
Höttges nennt die Aufstockung des Rückkaufprogramms eine „Investitionsentscheidung“, keine „Kurskosmetik“. Diese Wortwahl ist kein Zufall. Das Management sieht den Wert der Beteiligung an T-Mobile US und des europäischen Geschäfts im aktuellen Kurs schlicht nicht angemessen abgebildet.
Die Logik dahinter finde ich schlüssig. Bei einer Marktkapitalisierung von 132,66 Milliarden Euro plant der Konzern für 2026 eine Gesamtausschüttung inklusive Dividende von fast 10 Milliarden Euro. Das positioniert die Aktie als einen der attraktivsten Substanzwerte im DAX.
Der Rückkauf hat dabei eine klare Funktion. Er verknappt den Gewinn je Aktie künstlich und schließt so Schritt für Schritt die Bewertungslücke zur US-Tochter.
Was der heutige Dip wirklich bedeutet
Der Kurs fällt am Freitag um 1,47 Prozent auf 28,74 Euro. Wer nur auf diese Zahl schaut, übersieht den Kontext: In den vergangenen sieben Handelstagen legte die Aktie um 7,16 Prozent zu. Eine kurze Verschnaufpause nach so einer Rallye ist fast überfällig — kein Grund zur Sorge.
Entscheidender finde ich die Charttechnik. Der aktuelle Kurs liegt weiterhin über dem 200-Tage-Durchschnitt von 28,57 Euro. Das spricht für eine echte Trendwende, nicht für einen kurzfristigen Ausreißer.
Mein Fazit: Strategie der Stärke
Die Deutsche Telekom spielt ihre dominante Marktstellung und die Cash-Maschine T-Mobile US konsequent aus. Während andere europäische Wettbewerber mit Schuldenlasten kämpfen, nutzt Bonn die eigene Bilanzstärke für einen massiven Rückkauf.
Zum 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro fehlen der Aktie noch gut 16 Prozent. Das Papier bleibt also hinter seinen Möglichkeiten zurück. Für mich schafft aber genau diese Kombination aus angehobener Prognose und Rückkauf-Offensive ein Sicherheitsnetz nach unten.
Der heutige Rücksetzer ist für mich eine Atempause nach einer starken Woche — kein Warnsignal. Wer auf die langfristige Schließung der Bewertungslücke zwischen Europa und den USA setzt, findet in der aktuellen Strategie von Höttges das bislang stärkste Argument.
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