Die Deutsche Telekom baut ihr polnisches Geschäft aus. Der Konzern vereinbarte am Montag den Kauf der Festnetz-, Breitband- und TV-Gesellschaften Fiberhost und Inea von Macquarie Asset Management für eine Milliarde Euro. Das berichtete Reuters. Der Deal soll die Tochter T-Mobile Polska zu einem vollintegrierten Anbieter machen, der Mobilfunk, Festnetz und Fernsehen aus einer Hand liefert.
Wettbewerbsfreigabe steht noch aus
Der Abschluss der Transaktion wird für Ende des Jahres erwartet, vorbehaltlich der üblichen Freigaben durch die polnischen Wettbewerbsbehörden. Mit dem Zukauf verschiebt sich das Kräfteverhältnis auf dem polnischen Telekommunikationsmarkt: Bislang war T-Mobile Polska vor allem im Mobilfunk stark, im Festnetzgeschäft aber auf Partner angewiesen. Fiberhost und Inea bringen ein bestehendes Glasfasernetz mit eigener Endkundenbasis in die Gruppe ein.
Der Kauf passt zur Linie, die Konzernchef Tim Höttges zuletzt vorgegeben hat. Anlässlich der Halbjahreszahlen Anfang August hatte er betont, die Monetarisierung der eigenen Glasfaserinfrastruktur müsse schneller vorangehen. Ein zugekauftes Netz mit vorhandenen Kunden verkürzt diesen Weg deutlich gegenüber dem eigenen, kapitalintensiven Ausbau.
Zahlen und Kapitalrückführung als Hintergrund
Der Zukauf folgt auf eine für den Konzern insgesamt positive Nachrichtenlage im August. Die Ausweitung des Aktienrückkaufprogramms, die Höttges Anfang des Monats als reine Investitionsentscheidung bezeichnet hatte, liegt inzwischen rund zwei Wochen zurück – seither hat sich die Aktie um 1,3 Prozent verteuert.
Der Milliarden-Deal in Polen zeigt nun, dass der Konzern trotz der laufenden Kapitalrückführung an Investoren zusätzlichen finanziellen Spielraum für strategische Zukäufe hat.
Am Markt kommt diese Kombination aus Ausschüttung und gezieltem Wachstum an. Die Aktie schloss am Dienstag bei 29,00 Euro und damit 7,7 Prozent höher als noch vor 30 Tagen. Gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro, erreicht Ende Februar, bleibt aber weiterhin deutlich Luft nach oben – der Kurs notiert 16 Prozent darunter.
Ergänzung zur Fairplay-Vereinbarung
Der Polen-Deal steht nicht isoliert. Bereits am 7. August war eine Fairplay-Vereinbarung der Deutschen Telekom mit einer Partnerseite bekannt geworden, die den Internetausbau beschleunigen soll. Beide Vorgänge – die inländische Ausbaupartnerschaft und der Zukauf in Polen – fügen sich in dieselbe strategische Linie: Der Konzern will sein Glasfasergeschäft schneller skalieren, sowohl organisch als auch durch Übernahmen.
Für Anleger bleibt der Ausblick auf die Integration der beiden polnischen Gesellschaften der entscheidende Punkt. Gelingt die Zusammenführung mit T-Mobile Polska reibungslos, entsteht ein Anbieter, der im polnischen Markt sowohl Mobilfunk- als auch Festnetzkunden aus einer Hand bedienen kann.
Bis zur Wettbewerbsfreigabe und dem geplanten Abschluss Ende des Jahres dürfte der Fokus der Anleger jedoch zunächst auf der laufenden Integration der bestehenden Geschäftsbereiche liegen.
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